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Exponate der Möller-Werke : Erst geliehen, jetzt geschenkt

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Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Vor 150 Jahren wurden die Möller-Werke gegründet. Anlässlich des Jubiläums schenkt Klaus Möller seine wertvolle Sammlung der Stadt.

Wedel | Seine Ambitionen, die bisherigen Leihgaben jetzt dem Wedeler Stadtmuseum zu schenken, erläuterte Klaus Möller kurz und präzise in zwei Sätzen: „Die Sammlung ist hier am richtigen Ort“, stellte er klar. „Und das Datum – 150 Jahre Möller-Werke – bietet sich an.“ Gestern unterschrieb der Urenkel des Firmengründers Johann Diedrich Möller im Beisein von Bürgermeister Niels Schmidt und Museumsleiterin Sabine Weiss den Schenkungsvertrag.

Wenn Weiss von der Historie des stadtältesten Industriebetriebs, vom Bestand der Sammlung und ihrem ideelen sowie finanziellen Wert berichtet, dann leuchten ihre Augen. Gleich um die Ecke des Museums in seinem Elternhaus, Hinterstraße 13, richtete Johann Diedrich als 20-Jähriger 1864 die ersten Optischen Werke ein. Er hatte bereits eine Kunstmaler-Lehre sowie eine Optikerausbildung absolviert und experimentierte nun leidenschaftlich. Die Laterna Magica faszinierte ihn ebenso wie Mikroskope – ein Selbstgebautes aus der Zeit befindet sich in der Sammlung – Winkelprismen, Linsen und Spiegel.

Mit seinen „Diatomaceen-Typenplatten“ – Kieselalgenpräparate – errang Möller zahlreiche Medaillen. Naturwissenschaftliche Institute rissen sich um die exotischen Proben. Johann Möller konstruierte sogar einen speziellen Apparat, in die er die winzigen Glasträger spannen konnte, um dann mit einem angespitzten Pferdehaar die Präparate in Position zu schieben. Weltbekannt und zu einem großen Industriebetrieb, der mittlerweile am Rosengarten residierte, machte erst Sohn Hugo die Optischen Werke. Besonders durch optische Bauelemente wie Prismen und Linsen, aber auch durch Gerätebau. Klaus Möller hat aus der Zeit eine nette Anekdote parat: Ihr Reklamespruch, Möllerapparate seien wesentlich lichtstärker als die der Konkurrenz Zeiss, brachte dem Wedeler Unternehmen einen Prozess ein – den Möller allerdings gewann.

Im Zweiten Weltkrieg wurden die Optischen Werke wichtiger Rüstungsproduzent, nach dem Krieg musste das Unternehmen sich neu erfinden. Möller ging in die Medizin, der Erfolg kam in der Mikrochirurgie, das Möllermikroskop hatte Erfolg, weil es vom Stativ runter einfach an die Decke gehängt wurde. „Der Rolls-Royce unter den Geräten“, scherzt Klaus Möller. Heute sind die Möller-Werke in Schweizer Händen.

Die Schenkung umfasst neben vielen optischen Geräten – darunter ein „Cambinox“, eine Kombination aus Fernglas und Kamera, die zu teuer für den Markt von der Bundesregierung aber sehr gern an ausländische Gäste verschenkt wurde – auch Prospekte, Funktionsanleitungen, Firmendokumente und mehr als 1000 historische Fotografien. Teilweise noch auf Glasplatten zeigen sie Wedel um 1880 oder auch, was sehr selten ist so Weiss, Abbildungen der arbeitenden Menschen.

„Kein Unternehmen ist so eng mit der Stadt verzahnt“, betonte der Bürgermeister. Die Bedeutung des ältesten Industriebetriebs spiegelt sich in der wertvollen Sammlung.

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erstellt am 15.Feb.2014 | 16:00 Uhr

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