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„Ambulanter Betrieb nicht sinnvoll“ : Ernst Dieter Rossmann gegen eine dezentrale VHS in Wedel

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Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

SPD-Bundestagsabgeordneter Ernst Dieter Rossmann rät davon ab, Kurse der Volkshochschule im Stadtgebiet zu verteilen.

shz.de von
erstellt am 20.Feb.2015 | 10:00 Uhr

Wedel | Eigentlich wollte Ernst Dieter Rossmann, Bundestagsabgeordneter der SPD, in der Wedeler Volkshochschule seinen Genossen aus Berlin berichten. Einen Stapel Unterlagen zu den Themenkomplexen „Arbeit, Frieden und Bildung“ hatte der Elmshorner unter dem Arm. Am Ende gab es an diesem Abend jedoch nur ein Thema: die Zukunft der VHS und den Vorstoß der CDU, das Gebäude in der ABC-Straße möglicherweise zu verkaufen. Rossmann, Vorsitzender des deutschen Volkshochschulverbands, machte klar: Einen Verkauf der Immobilie hält er nur für sinnvoll, wenn es einen gleichwertigen Ersatz gibt. Eine dezentrale Lösung habe sich in den meisten Städten nicht als sinnvoll erwiesen. Rossmann unterstrich in seiner Ansprache die tragende Rolle der Volkshochschulen für die Erwachsenenbildung. „Hier können Menschen frei und selbstbestimmt lernen“, so der Abgeordnete. Volkshochschulen würden in Zukunft eine noch wichtigere Rolle bei der Integration spielen als bisher. Zusätzlich zu Sprachkursen für Migranten mit Aufenthaltsstatus setze sich die SPD auch dafür ein, Flüchtlinge und Asylbewerber zu fördern. Rossmann: „Wie will man das Potenzial dieser Menschen wecken, wenn sie nicht Deutsch lernen dürfen?“ Die Mehrzahl der Sprachkurse würden von Volkshochschulen organisiert werden, genau wie 90 Prozent der Alphabetisierungskurse. Damit diese Aufgaben wahrgenommenwerden könnten, bräuchten die Volkshochschulen ein Bildungshaus als Anlaufpunkt und Ort der Identifikation. „Ein ambulanter Betrieb ist nicht sinnvoll“, konstatierte der Genosse. Rossmann betonte allerdings, dass in Wedel nicht zwangsläufig das bestehende Gebäude in der ABC-Straße genutzt werden müsse. Um einen gemeinsamen Standort für alle VHS-Angebote zu sichern, warb Rossmann dafür, auf Fraktionen mit anderer Meinung zuzugehen.

Die Wedeler Genossen schlugen schärfere Töne an. „Ich bin fast vom Stuhl gefallen, als ich vom Vorschlag gehört habe, das Haus zu verkaufen“, empörte sich Helmut Plüschau. „Manche politischen Mitwerber haben die Dollarzeichen in den Augen“, sagte SPDlerin Heidi Keck. Die VHS-Kurse über das ganze Stadtgebiet zu verteilen, empfände sie als „gruselig“. Keck strich aber auch hervor, dass keine Fraktion im Rat darüber nachdenke, die Arbeit der VHS insgesamt in Frage zu stellen. Sozialdemokrat Lothar Barop, der auch dem Bildungsausschuss vorsitzt, hatte bereits in seinen einleitenden Worten festgestellt: „Der Verkauf des Gebäudes kommt für uns nicht in Frage.“

Eine Arbeitsgruppe der Fraktionen erarbeitet derzeit einen Prüfauftrag für die Verwaltung. Barop betonte, dass es noch keine konkrete Beschlussvorlage gebe. In der ABC-Straße ist neben der VHS auch die Musikschule der Stadt untergebracht. Die Emotionen kochten dennoch immer wieder hoch, viele Besucher fürchteten einen Ausverkauf der Bildungseinrichtung. Spontan wurde die Gründung einer Bürgerinitiative angedacht, eine entsprechende Adressenliste wurde im Saal herumgereicht.

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