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Wedel-Schulauer Tageblatt

22. August 2017 | 04:18 Uhr

Wedel : Erinnerungen an dunkle Zeiten

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Grüne beantragen Verlegung von sechs Stolpersteinen zum Gedenken an NS-Opfer. Humboldt-Schüler recherchierten Hintergründe.

Wedel | Zirka 50.000 Stolpersteine hat der Künstler Gunter Demnig bereits in Europa verlegt. Geht es nach den Wedeler Grünen, kommen bald sechs weitere der Gedenksteine hinzu. Mit einem entsprechenden Antrag in der Ratssitzung am Donnerstag will die Fraktion dafür sorgen, dass ein Projekt von Schülern der Gebrüder-Humboldt-Schule (GHS) den Segen der Politik bekommt.

17 Jugendliche aus der neunten und zehnten Klassenstufe der GHS recherchierten seit Herbst 2014 über das Leben von sechs Wedeler Bürgern, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden. Dazu besuchten die Schüler das Stadtarchiv, sprachen mit Zeitzeugen und lebenden Verwandten der Opfer. Stück für Stück trugen sie so Details über das Schicksal von Menschen wie Jetta Hussmann zusammen. Die Jüdin sollte 1942 ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert werden und nahm sich das Leben. Vier weitere Menschen aus der Rolandstadt wurden im Rahmen des Euthanasieprogramms der Nazis ermordet.

Damit die Stolpersteine gesetzt werden können, fehlt nun noch die Zustimmung des Rats und der Hinterbliebenen. Findet das Projekt Unterstützung von beiden Seiten, würde Gunter Demnig die Namen der Opfer auf je einem mit Messing beschlagenen Pflasterstein verewigen. Diese Steine würden dann jeweils vor dem letzten selbst gewählten Wohnort der verfolgten Menschen in den Bürgerstein eingelassen werden. Die Kosten pro Gedenkstein betragen 120 Euro. Das Geld wollen die Schüler selbst über Spenden auftreiben, für die Stadt entstünden keine Kosten. „Durch Stolpersteine in Wedel wollen wir das Gedenken zu einer Selbstverständlichkeit machen“, begründet Grünen-Fraktionschef Olaf Wuttke den Antrag seiner Partei. Er betont auch, dass die Politiker nur das Engagement der Humboldt-Schuler aufgreifen: „Wir sind nicht die Helden.“

In der Vergangenheit hatte es auch Kritik an dem europaweiten Projekt gegeben. So hatte die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, es als „unerträglich“ bezeichnet, dass Passanten mit den Füßen auf den Namen von ermordeten Juden herumtreten könnten. Städte wie München entschieden sich gegen eine Genehmigung der Stolpersteine. Wuttke sieht das anders: „Man tritt nicht auf dem Andenken der Opfer herum, sondern stolpert ‚geistig‘. Der Name wird im kollektiven Bewusstsein bewahrt.“

Gunter Demnig verlegte die ersten Stolpersteine mit behördlicher Genehmigung 1997. Die mit einer Messingplatte versehenen Betonsteine werden von Demnig und dem Bildhauer Michael Friedrichs-Friedländer in Handarbeit hergestellt. Diese Art der Fertigung soll einen bewussten Gegensatz zum industrialisierten Massenmord im Dritten Reich darstellen. Mittlerweile sind die Gedenksteine in 750 Gemeinden in 18 Staaten verlegt worden. Damit sind die Stolpersteine das größte dezentrale Mahnmal der Welt.
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erstellt am 21.Apr.2015 | 16:30 Uhr

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