zur Navigation springen
Wedel-Schulauer Tageblatt

19. Oktober 2017 | 18:43 Uhr

Er schickte ein Stück Wedel ins All

vom

shz.de von
erstellt am 23.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Wedel | Ein wenig stolz wirkt er schon beim Blick in die Vitrine. Dort, im ersten Stock des Rathauses, liegt der kleine schwarze und - zumindest für Laien - unscheinbare Kasten, den Dieter Mergenhagen 1985 mit der US-Raumfähre Challenger ins All schickte. Der Kasten hat es in sich. Dem heute 73 Jahre alten Wedeler Professor gelang damit bei der D1-Mission ein wegweisendes Experiment.

Er konnte nachweisen, dass eine innere biologische Uhr den Tag-Nacht-Rhytmus und damit zusammenhängende Vorgänge vieler Lebewesen steuert. "Bis dato war nicht sicher, ob irgendwelche Mechanismen auf der Erde diese innere Uhr steuern", sagt Mergenhagen heute. Und: Viele Wissenschaftler gehen auch heute noch davon aus, dass der Mechanismus, der hinter ihr steckt, bei vielen Organismen gleich oder ähnlich ist.

Das Experiment hatte Mergenhagen gemeinsam mit seiner Frau Elke im Botanischen Institut der Uni Hamburg entwickelt. Kernstück: Das schwarze Messgerät. "Die Miniaturisierung war eine große Herausforderung", sagt Mergenhagen.

Insgesamt eine Million Grünalgen schickten die Forscher in dem Gerät ins Weltall. Sie sammelten sich während ihres Tages im Licht einer Glühlampe, bei Nacht bewegten sie sich ungerichtet. Die Messung und Auswertung funktionierte vollautomatisch. Aus Mergenhagens Sicht ein wichtiger Faktor. "Das Experiment war erfolgreich, weil niemand eingreifen musste." Sein Experiment bewies: Während das D1-Labor die Erde in rund eineinhalb Stunden umrundete, verhielten sich die Algen unabhängig davon nach ihrem inneren Rhythmus von rund 24 Stunden.

Dank Mergenhagens Feststellung konnte sich die Forschung auf den Mechanismus hinter der inneren biologischen Uhr konzentrieren. Ein Prozess, den Forscher immer noch nicht einwandfrei verstehen.

Jetzt, fast 30 Jahre später, ist das Messinstrument Teil der Ausstellung zum Thema "Wedel im Weltraum", die das Möller-Technicon auf die Beine gestellt hat. Die Ehrenamtlichen haben mehrere Hightech-Geräte ausfindig gemacht, an denen Rolandstädter mitentwickelt haben und die zu Forschungszwecken im Weltraum eingesetzt wurden.

Neben Mergenhagens Messapparat ist auch ein Gerät der Wedeler Firma J. D. Möller ausgestellt. Mit dem sogenannten Tonometer können Mediziner den Augeninnendruck messen. Für die D1-Mission hat die Wedeler Firma ein handgehaltenes Tonometer gebaut -ein technischer Durchbruch. Mit dem Apparat maßen die deutschen Astronauten den Augeninnendruck in der Schwerelosigkeit.

Bei der siebentägigen Mission starteten - neben fünf amerikanischen - zwei deutsche sowie ein niederländischer Astronaut. An Bord der Raumfähre Challenger war das europäische Spacelab, in dem die drei die Mission D1 durchführten.

Es war der letzte erfolg reiche Flug des Shuttles. Am 28. Januar 1986 explodierte die Challenger kurz nach dem Start. Sieben Astronauten starben beim bis dahin schwersten Unfall in der Raumfahrtgeschichte der USA.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen