Amtswechsel : Er ist der neue Chef der Stadtentwässerung Wedel

Christopher Seydewitz zeigt auf seinem Computer die Simulation für ein mögliches Starkregenereignis.
Christopher Seydewitz zeigt auf seinem Computer die Simulation für ein mögliches Starkregenereignis.

Christopher Seydewitz ist Nachfolger von Uwe Harms. Werterhalt der Netze und Anpassung der Entwässerungssysteme als Ziel.

shz.de von
23. Mai 2018, 14:30 Uhr

Wedel | Der Werterhalt der vorhandenen Infrastruktur, die Fortführung der Klimaanpassung der Entwässerungssysteme sowie die stärkere Digitalisierung – das sind die drei Schwerpunkte, denen sich Christopher Seydewitz zukünftig widmen will. Im April trat der 46-jährige Hamburger die Nachfolge von Uwe Harms als Leiter der Stadtentwässerung Wedel (SEW) an.

Seydewitz ist seit dem Jahr 2001 bei der SEW angestellt. Zuletzt war der studierte Bauingenieur als Technischer Leiter tätig und damit für den Ausbau und den Erhalt der bestehenden Netze sowie die Planung und Umsetzung neuer Netzbereiche zuständig. Auf diese legt er – wie schon sein Vorgänger – auch zukünftig viel Wert.

Sanierung hört nie auf

„Die Sanierung wird nie aufhören. Wenn wir bei einem Kanal anfangen und mit allen durch sind, müssen wir irgendwo wieder ansetzen“, sagt Seydewitz. „Wenn ein Kanal 50  oder 100 Jahre alt ist, heißt es nicht automatisch, dass er saniert werden muss. Bei einem Kanal der erst 20 Jahre alt ist, ist es aber auch nicht so, dass nichts getan werden muss.“ Das insgesamt 190 Kilometer lange Kanalnetz werde regelmäßig kontrolliert und befahren. So werden die Zustände der Kanäle erfasst. „Daraus erarbeiten wir einen Prioritätenplan“, erläutert Seydewitz.

Wenn saniert werden muss, versuche die SEW auf effiziente und moderne Methoden zu setzen, um die Anwohner und Bürger wenig zu belasten. „Wir erleben ja gerade selbst, wie belastend eine Großbaustelle sein kann“, sagt Seydewitz und zeigt aus seinem Bürofenster auf die Rissener Straße, die derzeit saniert wird. „Wir versuchen, so selten wie möglich am offenen Kanal zu arbeiten“, erläutert der SEW-Chef. In etwa 90 Prozent der Fälle komme das Inline-Verfahren zum Einsatz, bei dem elastische Schläuche in das bestehende Rohrnetz eingezogen werden. Durch eine Reaktion mit warmen Wasser oder Licht verhärte das Harz im Kanal und bilde eine neue, dichte Schicht. Mit einer Fräse werden die vorher ermittelten Zuflüsse wieder hergestellt. „Das Verfahren ist die gängigste Methode“, sagt Seydewitz. „Und auch die wirtschaftlichste. Aber leider ist sie nicht immer einsetzbar.“

Wedel auf Starkregen vorbereiten

Dass durch die neue Beschichtung etwas an Durchmesser verloren geht, sei kein Problem. „Alte Kanäle haben eine andere Rauigkeit und dadurch andere Fließgeschwindigkeiten. Das geringere Volumen wird durch die glattere Oberfläche und den schnelleren Durchfluss ausgeglichen“, erläutert Seydewitz. Während bei Schmutzwasserkanälen der Durchfluss konstant sei – Spitzen seien vor Arbeitsbeginn und nach Feierabend – sehe es beim Regenwasser anders aus. „Da können die Rohre teilweise nicht groß genug sein. In Zeiten wie jetzt laufen die Leitungen trocken, aber bei Starkregenereignissen muss einiges an Wasser bewegt werden“, so der Bauingenieur. Genau auf solche Ereignisse will er die Stadt vorbereiten.

„Wir haben jetzt bestes Wetter, aber wir wissen auch, wie solche Phasen hier oftmals enden: mit einem Starkregen“, sagt Seydewitz. „Mir ist das Risiko bekannt, wenn ich mich jetzt hier hinsetze und sage, wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und dann kommt plötzlich so ein Regenereignis wie am Vatertag im Hamburger Osten. Dann wären auch wir überfordert.“ Daher könne er – trotz aller Vorkehrungen – eine Überflutung nie komplett ausschließen. „Wir haben Simulationsmodelle für die Kanalisation und nutzen den Kostra-Atlas des Deutschen Wetterdienstes, der analysiert, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein bestimmtes Regenereignis an einem bestimmten Ort eintrifft“, erläutert Seydewitz. Daraus müsse dann eine wirtschaftliche Lösung entwickelt werden. „Wenn wir auf alles vorbereitet sein wollen, würde alles größer und die Gebühren würden steigen. Das muss im Verhältnis bleiben“, so der SEW-Chef.

Gute Zusammenarbeit

Durch die gute Zusammenarbeit von Stadtentwässerung, Stadtentwicklung, Regionalplanung und anderen Abteilungen im Wedeler Rathaus werde schon frühzeitig bei Bauprojekten über die Entwässerung nachgedacht. Seydewitz ist Befürworter von doppelt genutzten Grünflächen, die beispielsweise bei einem 20-jährigen Regenereignis, also einem Starkregen, der in dieser Form alle 20 Jahre vorkommt, geflutet werden. „Damit kann der Abfluss gedrosselt werden und generell ist es ja schön, Grün vor der eigenen Haustür zu haben“, sagt Seydewitz. „Auf alles können wir nicht vorbereitet sein, aber grundsätzlich sind wir gut aufgestellt“, bilanziert Seydewitz. Notfalls setze er auf Hilfe: „Wenn gar nichts mehr geht, haben wir in Wedel eine sehr gute Freiwillige Feuerwehr, die nicht erst fragt, wer verantwortlich ist, sondern ehrenamtlich und unentgeldlich hilft. Das kann man gar nicht ausreichend würdigen. Das ist aus unserer Sicht die allerletzte Rettung, aber wichtig für das Gesamtgebilde.“ Grundsätzlich seien die jährlichen Niederschlagsmengen übrigens konstant. „Über das Jahr gesehen, ist es gleich, aber der punktuelle Starkregen hat zugenommen und das auch im Winter. So etwas gab es früher nicht“, erläutert Seydewitz. Der stadteigene Betrieb könne nicht das Klima verändern, aber die Infrastruktur an die Auswirkungen anpassen.

Zukünftig müsse sich das derzeit 17-köpfige Team Gedanken machen, wie Informationen und Daten noch besser digital aufbereitet und nutzbar werden. „Das ist ein Thema, das uns als Behörde in Zukunft stark fordern wird“, sagt Seydewitz.

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