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Forst Klövensteen : Entschleunigung im Wildgehege

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Auf dem Gelände im Forst Klövensteen ticken die Uhren anders. Attraktion sind die Wildschweine.

shz.de von
erstellt am 10.Aug.2017 | 13:00 Uhr

Wedel | Ein Besuch im Wildgehege Klövensteen bedeutet in erster Linie Urlaub von Hektik und Stress. Hier ticken die Uhren anders, hier wird der Besucher zur Entschleunigung regelrecht gezwungen. Seine Lehrmeister darin sind die Tiere. Sie machen es vor. Sie zeigen sich nur, wenn sie Lust haben. Egal, wie viele Menschen vor ihren Käfigen warten. Ob und wann sie die Nase rausstrecken, bestimmen sie selbst.

Sind die Schlaglöcher auf dem Parkplatz vor dem Wildpark, die sich dort trotz Neugestaltung immer noch wie eine Kraterlandschaft auftun, erst einmal glücklich umschifft, kehrt in dem Moment für den Besucher Ruhe ein, in dem er den Fuß auf den Waldboden setzt. Nadelwaldduft steigt in die Nase, der Atem flacht ab, es kann losgehen.

Beim Tageblatt-Testbesuch am Sonntagvormittag sind bereits um 10 Uhr in der Früh erstaunlich viele Neugierige mit mir vor Ort. Nicht nur Familien mit kleinen Kindern, auch mittelalte Paare ohne Anhang, Senioren und junge Liebespärchen schlendern durch hohe Tannen, Fichten und Laubbäume. Frettchen, Waschbär und Nerz mögen sich noch nicht zeigen. Gemeinsam stehen wir trotzdem geduldig vor den Käfigen und warten. Aber bis auf den strengen Duft tut sich nichts. „Die Eulen sind bestimmt schon wach“, sagt eine Mutter zu ihrem Jungen. Der läuft los. Ich schließe mich an.

Die Eulen sind Uhus. Nach konzentriertem Suchen entdecke ich zwei in hohen Tannenwipfeln sitzen. Ihre Voliere ragt hoch hinaus. Als ein Vogel einen Flugversuch startet, relativiert sich mein Eindruck sofort. „Wie will der Uhu denn in dem Gitterkasten fliegen“, schießt es mir durch den Kopf. Da haben es die Wildschweine schon besser. Die Wildpark-Rotte darf sich in einem großen, landschaftlich abwechslungsreichen Gebiet tummeln.

Hier gibt es endlich etwas zu sehen. Nicht nur der Junge, auch ich kann den Tieren stundenlang zuschauen. Eines schubbert sich an einem Stein, ein zweites wühlt mit sichtlichem Vergnügen mit der Schnauze im Schlamm. Zwei junge Eber streiten sich kurz, doch die Machtverhältnisse sind schnell geklärt. Kommt ein dickes Zentnerschwein dahergetrottet, springen die anderen eilfertig auseinander. Jetzt werden auch ganze Bäder im grünen Tümpelwasser genommen, andere Tiere sulen sich ausgiebig im Modder.

Das Wildschweingehege ist nicht nur groß, es ist auch äußerst betrachterfreundlich angelegt. In weitem Bogen kann man das Gelände umkreisen. Ein geräumiger Hochstand ermöglicht zusätzlich einen exklusiven Blick von oben. Von hier sind jetzt auch die vielen Frischlinge zu erkennen, die sich bewegungsfreudig und neugierig auf die Welt dennoch immer in der Nähe der Wildsäue herumdrücken. Eine volle Kinderstube, in der es drunter und drüber geht.

Vis-à-vis der Wildschweine ist das Reich des Damwilds. Doch seit Füttern streng verboten ist im Gehege, kommen die Rehe nicht mehr zum Zaun. Am Sonntag springen einige Kitze auf und jagen davon, als sie uns bemerken. Egal, ich bin bereits restlos entspannt in der Naturzeit angekommen und schlendere zum Eingang zurück. Und wie zur Belohnung, steckt doch noch das Frettchen seinen Kopf aus der Behausung und gönnt sich etwas frisches Wasser.

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