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Wedel : Entscheidung über Gaskraftwerk-Bau wird erneut vertagt

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Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Neue Aufregung um Wedels Kohlekraftwerk: Wollen Hamburg und Vattenfall den Meiler am Elbufer womöglich sehr viel länger laufen lassen als bisher bekannt?

Hamburg/Wedel | Hamburg wird das Kohlekraftwerk in Wedel mindestens bis 2021 weiterlaufen lassen. Wie aus Senatskreisen verlautet, ist eine Ersatzlösung für die Fernwärmeversorgung vorher nicht realisierbar. Die offizielle Entscheidung dazu dürfte die Wärmegesellschaft Hamburg am 8. Dezember treffen. Einher gehen wird der Beschluss mit der neuerlichen Vertagung einer Entscheidung für den Bau eines Gas- und Dampfturbinenkraftwerks (GuD) am selben Standort. An der Wärmegesellschaft hält Vattenfall drei Viertel, Hamburg ein Viertel. Eigentlich wollten die Eigner bis Ende 2015 festlegen, ob sie für knapp eine halbe Milliarde Euro ein GuD in Wedel errichten, um das veraltete Steinkohlekraftwerk zu ersetzen.

„Wir brauchen noch Zeit, um Konzepte für eine Neuausrichtung der Fernwärmeversorgung zu prüfen“, hatte Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) vorige Woche erklärt. Seine Partei und die Hamburger Umweltverbände lehnen den Neubau eines fossilen Kraftwerks ab und setzen auf einen Mix zumeist alternativer Energieformen für die Versorgung von 180.000 Haushalten mit Heizwärme. Die SPD und ihr Bürgermeister Olaf Scholz halten dagegen einen größeren Gasmeiler weiter für notwendig, um eine sichere Versorgung zu gewährleisten. Allerdings gilt das Thema alternativer Fernwärme als Herzensprojekt des grünen Koalitionspartners. Daher haben die Partner vereinbart, sämtliche Alternativen zum GuD zunächst gründlich abzuklopfen.

Vattenfalls Interessenlage ist eine andere. Der schwächelnde Energiekonzern muss seinen Anteil am Hamburger Wärmenetz samt Kraftwerken spätestens 2019 an die Stadt verkaufen. Bis dahin, so das Kalkül der Schweden, ließe sich mit dem abgeschriebenen Wedeler Altmeiler noch einiges an Geld verdienen. Ambitionen, die GuD-Pläne zu verwirklichen und dafür 350 bis 450 Millionen Euro zu investieren, haben die Vattenfall-Manager nicht. Bau und Betrieb fossil befeuerter Kraftwerke gilt in Zeiten der Energiewende als betriebswirtschaftlich unattraktiv. Das Unternehmen zieht es vor, das Steinkohlekraftwerk für rund 80 Millionen Euro nachzurüsten, um die ab 2017 geltenden strengeren Umweltauflagen zu erfüllen und dann noch mehrere Jahre zu betreiben.

Für Aufregung sorgte gestern ein Medienbericht, wonach sich Scholz mit der Vattenfall-Spitze bereits auf eine Laufzeitverlängerung bis 2026 geeinigt habe. Dementis folgten prompt. Es gebe „keinen Deal, keine Geheimnisse und keine Entscheidung“, wies Scholz’ Sprecher Jörg Schmoll die Angaben der „Bild“-Zeitung zurück. Kerstan teilte mit, am 8. Dezember werde es keine Entscheidung über einen Weiterbetrieb bis 2026 geben.

Der Bau des Großgaskraftwerks in Wedel gilt schon länger als unwahrscheinlich. Umweltschützer riefen die Stadt dazu auf, ein schlüssiges Konzept zur Wärmeerzeugung mit alternativer Erzeugung vorzulegen. Eine Nutzung des Kohlemeilers über 2021 hinaus wäre wegen der CO2-Emissionen unverantwortlich, so BUND-Landesgeschäftsführer Manfred Braasch.

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erstellt am 26.Nov.2015 | 12:00 Uhr

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