Zeugen gesucht : Empörung über Schmierereien vor dem Haus von Hetlingens Bürgermeisterin

Auf dem Asphalt in der Schulstraße in Hetlingen sind ebenfalls Schmierereien zu finden.
Auf dem Asphalt in der Schulstraße in Hetlingen sind ebenfalls Schmierereien zu finden.

Sachbeschädigungen vor dem Haus von Hetlingens Noch-Bürgermeisterin und in zwei weiteren Straßen.

shz.de von
12. Juni 2018, 14:00 Uhr

Hetlingen | Monika Riekhof ist sichtlich betroffen. Die Noch-Bürgermeisterin von Hetlingen (Kreis Pinneberg) ist geschockt von einer Parolen-Aktion, die in der Nacht zu Sonntag in ihrer Gemeinde passiert ist. „Damit bist nicht Du persönlich gemeint“, versucht Michael Rahn von der Freien Wahlgemeinschaft (FW) Hetlingen die Christdemokratin zu trösten, der er am Donnerstag während der konstituierenden Sitzung des Gemeinderats im Amt folgen wird. Gemeinsam mit Polizist Thorsten Ibs, der für die Betreuung der Gemeinde zuständig ist, besichtigt Rahn den angerichteten Schaden. 

Schriftzug am Sonntag entdeckt

Entdeckt haben die Riekhofs den Schriftzug „No CDU“ vor ihrem Grundstück am Sonntagmorgen gegen 8.20 Uhr. Er wurde laut Ibs vermutlich mit einer Farbrolle aufgebracht. Mit dicken Farbspritzern sind zudem das Zauntor und ein roter Ziegelsteinpfeiler verdreckt, das gleich dahinter stehende Familienauto hat aber nichts abbekommen.

Der Gartenzaun der Familie Riekhof ist bespritzt.
Andrea Stange
Der Gartenzaun der Familie Riekhof ist bespritzt.
 

Dass die Täter bei ihrem Vorhaben nicht bemerkt wurden, grenzt an ein Wunder. Denn am Rand der kleinen Wohnstraße steht eine Laterne, mehrere Anwohner haben direkten Einblick auf diese Fläche. Riekhof und ihre Familie haben von der Aktion nichts mitbekommen. Weitere Hetlinger CDU-Fraktionsmitglieder sind nicht davon betroffen, antwortet die Bürgermeisterin auf Nachfrage unserer Zeitung. Bedroht worden seien sie und ihre Familie auch nicht.

Spur führt Richtung Dorfmitte

Riekhofs hatten sofort versucht, die noch nicht ganz durchgetrockneten Schmierereien zu beseitigen. Aber trotz des Einsatzes eines Hochdruckreinigers war der Farbe nicht beizukommen. Neben den Pflastersteinen wurden auch in die Straße versenkte Verschlussdeckel des Wasserbeschaffungsverbands beschmiert. Die Spur der Schmierereien geht entlang der Hauptstraße Richtung Dorfmitte. Es wurden Verkehrsschilder übermalt. Auf der Fahrbahn der Straße Blink steht „No Merkel“, auf dem Asphalt der Schulstraße wurde „Merkel muss weg“ und „No CDU“ aufgetragen.

An der Hauptstraße wurden Schilder übermalt.
Andrea Stange
An der Hauptstraße wurden Schilder übermalt.

„Das sind Pegida und AfD-Sprüche“, kommentiert Rahn. „Am schlimmsten ist es, dass es in einem Fall einen persönlichen Bezug gibt“, sagte er. Der Täter müsse gewusst haben, dass in diesem Haus die Hetlinger Bürgermeisterin lebe. Der Schriftzug sei so aufgebracht, dass sie ihn beim Betreten der Straße lesen könne.

CDU nimmt bei Facebook Stellung

Die örtliche CDU nimmt bei Facebook zu dem Vorfall Stellung: „Wir finden es bedauerlich, dass man offenbar nicht willens oder in der Lage ist, Kritik an uns auch anders als durch die Verwirklichung des Straftatbestandes des Paragraphen 303 II Strafgesetzbuch auszudrücken. Der oder die Täter sollten wissen, dass wir jederzeit für im Rahmen unserer Rechtsordnung geäußerte Kritik offen sind, das haben wir nicht zuletzt im Haustürwahlkampf und bei unseren zahlreichen Wahlkampftrecker-Veranstaltungen bewiesen.“ Riekhof betont aber auch: „Es muss ja kein Hetlinger sein.“

Die Politiker hoffen nun, dass sich Zeugen melden. Der entstandene Sachschaden soll von einer Fachfirma beseitigt werden. Die Kosten können sich auf mehrere tausend Euro belaufen. Hinweise nimmt Ibs unter Telefon (0 41 03) 21 65 entgegen. Sie können vertraulich behandelt werden.

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