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Vielfältigkeit in Schwarz-Weiß : Elbmarschenhaus zeigt Fotos aus der Arbeitswelt in der Marsch

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Das Elbmarschenhaus zeigt Fotos von Kirsten Heer aus der Arbeitswelt in der Marsch. Die Werke sind bis Ende August zu sehen.

Haseldorf | Edelgard Heim hatte leicht reden: „Jetzt kann unsere Kirsten endlich mal ihre Hände in den Schoß legen und einfach nur zugucken, was hier passiert“, meinte die Leiterin des Elbmarschenhauses gutgelaunt. Ihre Zuhörer freuten sich mit ihr, denn viele waren Freunde von Kirsten Heer. Die aber lächelte eher erschöpft, denn sie hatte in schwüler Sommerhitze bis zum letzten Moment geschuftet, um ihrer Ausstellung vor der Vernissage den letzten Schliff zu geben. Bis zum 27. August zeigt sie „Menschen in der Marsch bei der Arbeit“, Schwarz-Weiß-Fotos von unglaublicher Eindringlichkeit.

Meistens ist Heer im Elbmarschenhaus anzutreffen, wenn andere Künstler ausstellen. Dann interviewt sie, füllt ihren Schreibblock mit Notizen, fotografiert das Geschehen und eilt durch die Räume, um nichts zu verpassen. An solchen Tagen ist es ihre Aufgabe, für unsere Zeitung über die Vernissagen anderer zu berichten. Diesmal war sie die gefeierte Künstlerin, aber ihre Hände in den Schoß legen? Das ging gar nicht. Hier hing ein Bild noch nicht ganz perfekt, dort brauchte die Blumendekoration letzte arrangierende Griffe. Kein noch so kleines Detail entging ihrem kritischen Blick. Und dann waren da ja auch die Gäste, die ihre Hinwendung erwarteten. Ein paar Worte hier, ein kurzes Gespräch da, ihre eigene Vernissage war für die Fotografin eher ein besonders intensiver Arbeitstag.

Kirsten Heer hat über Jahre hinweg „Menschen in der Marsch bei der Arbeit“ fotografiert.
Kirsten Heer hat über Jahre hinweg „Menschen in der Marsch bei der Arbeit“ fotografiert. Foto: Stolzenberg

Die Freude der Besucher an ihren großformatigen Fotos belohnte sie dafür. Die Kraft dieser Bilder ist aber auch faszinierend. Sie erzählen unpathetisch direkt Geschichten von Menschen aus der Nachbarschaft in ihrem beruflichen Alltag. Der Dachdecker, der Schornsteinfeger, der Schmied sind dabei, mal ist die Feuerwehr am Brandort im Einsatz, mal kümmern sich Menschen um ihre Tiere, Pferde, Kühe oder Schafe. Es sind Momentaufnahmen, die Lebensläufe umspannen, Körper und Gesichter, die von einem langen Arbeitsleben geprägt wurden.

Das alles in Schwarz-Weiß. Das schafft einerseits Distanz zwischen Betrachter und Motiv, es sind eben zwei Welten, die sich begegnen. Andererseits aber befördert es den Wunsch, sich in die Geschichte hineinzuversetzen, der Momentaufnahme in Gedanken nachzuhängen, sie in den Farben der eigenen Fantasie auszugestalten und zu beleben. Kirsten Heer fotografiert seit ihrer Kindheit. Beim berühmten Profi Michael von Gimbut hat die heute 64-Jährige in den frühen 1970er Jahren das Handwerk von der Pike auf gelernt, damals noch analog mit Filmstreifen in der Kamera. Die gestalterischen Möglichkeiten beim Entwickeln und Bearbeiten der Fotos in der Dunkelkammer haben sie fasziniert. 1977 eröffnete sie in Hamburg ihr erstes eigenes Fotostudio.

Ab 2010 wechselte Heer zur digitalen Fotografie. „Ich bin selbst erstaunt, wie sehr mich dieses Medium fasziniert und jeden Tag neu begeistert“, stellt sie heute fest und räumt ein: „Ich konnte mir nie vorstellen, die gleiche oder gar bessere Schwarz-Weiß-Qualität zu erzielen wie in der guten alten Dunkelkammer.“ Das Fotografieren, „das Malen mit Licht“, sei ihre Sucht. Dabei gehe es ihr stets um die Schönheit, sei es im Antlitz eines alten Gesichts, sei es in der Weite der Natur, sagt Heer. Was sie damit meint, überträgt sich sehr schnell auf jeden Besucher der Ausstellung im Elbmarschenhaus.

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erstellt am 21.Jul.2017 | 16:00 Uhr

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