Eine Sonate wie ein Kriminalspiel

Sie spielten Cello: Jasmin Stümke (l.) und Friederike Weilbeer
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Sie spielten Cello: Jasmin Stümke (l.) und Friederike Weilbeer

Atemberaubende Klänge: Viel Beifall für Kantor Freimut Stümke und das „Unikum“ von Julius Reubke / „Bühne junger Künstlerinnen“

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25. März 2014, 13:42 Uhr

Es fing ganz friedlich an, aber nach dem Schlussakkord wollte der Beifall kein Ende nehmen. Das Orgelkonzert in der Wedeler Christuskirche mit Kantor Freimut Stümke bescherte ein unerwartetes Highlight: Die Sonate von Julius Reubke, mit der das Programm beschlossen wurde, entpuppte sich als musikalisches Kriminalspiel. Selten sah man Zuhörer so gebannt auf ihren Sitzen und fasziniert von atemberaubenden Klängen.


Orgelerlebnis voller Faszination


Das Stück in c-moll über den 94. Psalm war sicher nicht nur ausgesucht worden, weil der Komponist am 23. März seinen 180. Geburtstag hatte. Es bietet wie kaum eines sonst für den Organisten die Möglichkeit, seine Künste zu zeigen – ebenso wie die breite Klangpalette des großen Instruments. Da Reubke nicht die Popularität eines Bach oder Mendelssohn-Bartholdy hat, war es eine gute Idee, zuvor etwas Information über den Komponisten zu geben.

Dies tat kurz und treffend ein Gast aus Essen. Raoul Manuel Kisselbach ist nicht nur ein Stümke-Freund aus alten Zeiten, sondern auch Organist und Musikwissenschaftler. Und so erfuhr man, dass Julius Reubke ein Schüler des berühmten Komponisten Franz Liszt gewesen ist. Der wiederum gilt als bekannt dafür, dass er Noten zu Papier bringt, die mitunter kaum zu spielen sind, eben sehr schwer und kompliziert.

Reubkes Sonate hingegen ist so gerade noch machbar. Allerdings konnte einem in der Christuskirche schon schwindlig werden, wenn man sah, mit welchem Tempo Stümkes Finger unterwegs waren. Da brauchte es schon die Assistenz seiner Frau, um die verschiedenen Register zu ziehen. Heraus kam dabei ein Orgelerlebnis voller Faszination und Spannung.

Kisselbach hatte die Sonate trefflich als „Unikum der Musikgeschichte“ bezeichnet. Da Komponist Reubke bereits mit 24 Jahren an Tuberkulose verstorben war, ist sein Werk vergleichsweise klein. Mit Johann Sebastian Bach verhält es sich gerade anders herum. Von ihm gab es eine Choralpartita und ein Präludium zu hören. Ebenso hatten sich Friederike Weilbeer und Jasmin Stümke diesen Komponisten ausgesucht, um im Rahmen der „Bühne junger Künstlerinnen“ zu zeigen, was sie mit dem Violoncello drauf haben.

So bot das Gesamtkonzert ein abwechslungsreiches Programmm, Jugend – Info – Virtuosität. Schon am kommenden Sonntag um 17 Uhr geht es weiter: Kantorei und Vokalensemble der Christuskirche geben die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach. Karten gibt es im Kirchenbüro (Feldstraße 32), im Buchhaus Speyer (Bahnhofstraße) und an der Abendkasse.

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