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Familienunternehmen aus Wedel : Eine Schiffsschraube für den Hafen

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Mehr als 100 Jahre widmete sich die Firma Gebrüder Becker der Schiffsbetriebstechnik.

shz.de von
erstellt am 17.Okt.2017 | 16:00 Uhr

Wedel | Das heutige Objekt der Woche gehört zur Industriegeschichte der Stadt und ist dennoch nicht im Technicon zu finden. Die riesige Schiffsschraube mit einem Durchmesser von 2,20 Metern, die für mehr als 100 Jahre Firmenhistorie der Schiffsbetriebstechnik Gebrüder Becker steht, lagert zur Zeit im Wedeler Bauhof.

Jahrzehntelang kündigten die drei silberglänzenden Propellerblätter vor der Niederlassung in der Werkstraße Besuchern schon von Weitem an, was hinter den Mauern geschieht. Dann, vor drei Jahren, kam das Aus der Firma. „2014 hab ich sie abgemeldet“, erzählt Inhaber Claus Becker im Gespräch mit unserer Zeitung eher nüchtern als sentimental. Die Schraube schenkte er der Stadt. Sie sollte eigentlich dort aufgestellt werden, wo das Traditionsunternehmen in Wedel ursprünglich anfing zu produzieren, nämlich am Hafen. Dass dieses Versprechen nach dem Umbau des Hafens eingehalten wird, dafür setzt sich das Team des Technicons beharrlich ein.

Gegründet hat Beckers Großvater, der Motorenbauer Carl Becker, die Firma 1902 in Hamburg. In der Deichstraße 23  K – K steht für Keller – wurden erste Dampfpfeifen für die Hafenbarkassen gefertigt sowie Dieselmotoren gewartet und repariert. Doch schnell wurde es dort zu eng, erzählt der Enkel. Die Firma zog um. Am Anberg unterhalb der Michaelikirche begann die Herstellung von Propellern und Wellenanlagen. Doch auch diese Betriebsstätte kam rasch an ihre räumlichen Grenzen.

Nun schaute sich der Gründer im Umland um – und wurde in Wedel fündig. Das Unternehmen fand in einer alten Fischhalle am Hafen der Rolandstadt ein neues Quartier. Der Umzug 1924 erfolgte übers Wasser. Mit Barkassen wurde das Firmenequipment rübergeschippert. „Es war bestimmt nicht einfach, diesen Umzug zu bewältigen, denn es waren einige Schwermaschinen dabei, darunter eine Drehbank mit einer Länge von neun bis zehn Metern, die wohl einiges gewogen hat“, erzählt Claus Becker.

Von anfänglich sieben, acht Mitarbeitern wuchs das Unternehmen schnell an. Während des Krieges waren es mehr als 20, schätzt der Enkel. Sein Vater übernahm irgendwann die Geschäfte und in den 1960er Jahren dann er selbst gemeinsam mit seinem Bruder Ulf. Man stieg in den väterlichen Betrieb ein, das war halt so, erklärt er ohne Groll. In den 1950er bis 70er Jahren hat Gebrüder Becker fast die ganze Fischereiflotte in Südafrika ausgerichtet. „Wir waren die einzigen in Deutschland, die die Propeller in Edelstahl gefertigt haben.“ Das war teurer und schwerer zu bearbeiten als eine Kupfer-Zink-Legierung, hatte aber den Vorteil, dass Stahl in der Nähe nicht den Zink durch Elektrolyse herausfressen konnte, erklärt Becker.

Claus Becker hat das Unternehmen zusammen mit seinem Bruder in dritter Generation geführt.
Claus Becker hat das Unternehmen zusammen mit seinem Bruder in dritter Generation geführt. Foto: Inge Jacobshagen
 

Das Unternehmen machte gute Umsätze. Was der Produktionshalle am Wedeler Hafen Probleme bereitete, waren die vielen Sturmfluten. Die Februarflut 1962 richtete bereits sehr großen Schaden an, gegen die Wassermassen 1976 half dann kein Sandsack und nichts mehr. „Wir haben nass abgebrochen“, berichtet Becker – und lacht. Doch mit der Erinnerung bleibt ihm auch das Lachen im Halse stecken. Als das Wasser abgeflossen war, bot sich ein Bild des Schreckens. Die Fachwerkwände und Türen waren weggespült. „Wir haben Durchzug gehabt.“ Alles war zusammengebrochen. Allein die Träger der Kräne hielten Teile der Decke fest. „Sie finden sich nicht wieder“, beschreibt er seinen Eindruck damals. Bis zur Schließung 2014 residierte die Firma dann in der Werkstraße. Dass sein Sohn ihm nicht nachfolgen wollte ins Metier, akzeptiert und versteht Becker.

„Wir haben einen Anker, der nicht in Wedel gebaut wurde“, nimmt Gerhard Kuper vom Technicon während des Gesprächs die Frage nach dem Platz für die Beckersche Schiffsschraube wieder auf. Das Team wünsche sich sehr, dass sie rechtzeitig in die Hafenplanungen mit aufgenommen werde.  

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