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Serie: Wedeler Feuerwehrmenschen : Eine Kameradin unter 93 Kräften

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Die 22-jährige Bente Andresen ist aktuell die einzige Frau bei Wedels Freiwilliger Feuerwehr. Kein Sonderstatus.

shz.de von
erstellt am 19.Jun.2015 | 10:00 Uhr

Wedel | Bente Andresen hat keine Angst anzupacken oder sich mal schmutzig zu machen. Denn das gehört für die 22-jährige Oberfeuerwehrfrau bei der freiwilligen Feuerwehr einfach dazu. Ebenso wie die Begrüßung beim Dienstabend. „Wenn es dann heißt ,Moin Männer‘, dann ist das halt so“, sagt die gebürtige Wedelerin. Andresen ist derzeit die einzige Frau unter 93 aktiven Rettungskräften in der Rolandstadt.

Wie ist es, als Frau mit so vielen Männern zusammenarbeiten zu müssen? „Für mich ist es nicht schwierig“, sagt Andresen. 2004 trat sie in die Jugendfeuerwehr ein. „Mein Vater war schon in der Jugendfeuerwehr, ich bin einfach damit aufgewachsen. Und ich war immer beeindruckt von den großen roten Autos“, so die 22-Jährige. Seit 2011 – als sie in die aktive Wehr wechselte – rückt sie selbst aus. Mittlerweile hat sie den Lehrgang für Atemschutz absolviert und kämpft an vorderster Front gegen Feuer. Dass sie eine Frau ist, spiele dabei keine Rolle. „Die Führungskräfte wissen genau, wo sie jemanden einsetzen können“, sagt Andresen. Geschlechtsdiskussionen gebe es nicht. Genießt sie das Alleinstellungsmerkmal? „Das ist mir völlig egal. Je mehr Leute da sind, desto besser, denn dann können mehr mit anpacken. Da dürfen gerne auch ein paar Frauen dabei sein“, so die Wedelerin.

Im Freundeskreis sei die Feuerwehr immer wieder Thema: „Wenn in Wedel ein Einsatz war, bekomme ich regelmäßig SMS-Nachrichten von meinen Freunden. Die fragen ,Warst du dabei?‘“ Mittlerweile seien auch klassische Feuerwehrabkürzungen keine böhmischen Dörfer mehr: „Sie sind total stolz, wenn sie wissen, was RTW heißt. Das benutzten sie dann selbst. Das finde ich niedlich“, sagt Andresen. RTW steht für Rettungstransportwagen. Sie ist verwundert, wie wenig andere Menschen über die Feuerwehr wissen: „Viele sehen nur: Da kommen Menschen mit roten Autos. Aber was die sonst machen und woher sie kommen, weiß keiner. Vor allem nicht, dass es alles freiwillig ist.“ Daher rät Andresen, einfach einmal einen Dienst mitzumachen. Denn Feuerwehr sei nicht zu erklären, sondern müsse erlebt werden.

Erlebt hat die 22-Jährige schon einiges. Beim Bootsunglück im Wedeler Yachthafen, bei dem Anfang Juni 2014 ein 24-jähriger Wedeler und ein 28-jähriger Hetlinger ihr Leben verloren (diese Zeitung berichtete), meldete sie sich bewusst für den Einsatz. „Es war schon vorher klar, dass die vermissten Personen nicht mehr leben“, sagt Andresen und ergänzt: „Die ersten Leichen waren extrem.“ Taucher bargen die leblosen Körper. Anschließend wurde der Einsatz mit der Wehrführung besprochen. „Jeder wird sensibilisiert, auf andere zu achten, ob sich jemand anders verhält als sonst“, erläutert die Feuerwehrfrau und lobt die Kameradschaft: „Bei schwierigen Einsätzen hilft der Zuspruch der Kameraden.“

Heißt es nicht, dass Männer schlechte Zuhörer sind? Andresen schüttelt den Kopf: „Wenn einen etwas belastet, ist man dankbar, reden zu können. Es sind Ausnahmesituationen für alle. Da funktioniert die Kommunikation.“ Die Feuerwehr sei das verbindende Thema der heterogenen Gruppe, die vom Handwerker bis zum Ingenieur und Arzt reiche. „Alle haben die gleiche Einstellung und Haltung“, sagt Andresen, die sich über weitere Feuerwehrfrauen freuen würde. Einen Rat hat sie allerdings: „Wenn man mit hohen Hacken ankäme, gäbe es sicherlich Gelächter.“

Mitmachen: Die Feuerwehr Wedel sucht neue Kameraden. Wer sich engagieren möchte, kann bei einem Mitmach-Abend am Dienstag, 23. Juni, vorbeischauen und sich informieren. Beginn: 19 Uhr an der Feuerwache, Schulauer Straße 101. Kontakt: 04103-912210. www.feuerwehr-wedel.net
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