Eine intensive musikalische Reise

„Islandtief“: Sängerin Hlin Pétursdóttir Behrens (Gesang), Hrólfur Vagnsson (Akkordeon) und Iris Kramer (Flügelhorn, Trompete, Percussions und Komposition) überzeugten im Musikzentrum Schulauer Hof.
„Islandtief“: Sängerin Hlin Pétursdóttir Behrens (Gesang), Hrólfur Vagnsson (Akkordeon) und Iris Kramer (Flügelhorn, Trompete, Percussions und Komposition) überzeugten im Musikzentrum Schulauer Hof.

Das deutsch-isländische Trio „Islandtief“ nimmt sein begeistertes Publikum im Musikzentrum mit in Traumwelten

shz.de von
15. Februar 2018, 16:00 Uhr

Gemeinsam mit dem „Islandtief“ zog ein rundum begeistertes Publikum im Musikzentrum an der ABC-Straße unbeschadet von Wind und Wetter von der Insel mit den Vulkanen und Gletschern mit den unaussprechlichen Namen auf eine musikalische Reise. Natürlich war Island mit all seinen Trollen und Elfen, den einsamen, berauschend schönen und manchmal unzugänglichen menschenleeren Landschaften der Ausgangspunkt. Dann folgte Skandinavien mit den vielen Verwandtschaften als Zwischenstopp. Ein Ausreißer ging in das elegante Frankreich und bei den Zugaben gab’s sogar einen Langzeitflug nach Brasilien.
„Islandtief“ ist ein Trio, das erst ein Jahr gemeinsam spielt. Alle drei haben Wurzeln in Island, aber auch in Hamburg. Da ist die Sängerin Hlin Pétursdóttir Behrens mit ihrer hellen, klaren Sopran-Stimme, die ihre Lieder mit ausdrucksvollen Bewegungen untermalt, dann Hrólfur Vagnsson, der sein Akkordeon virtuos beherrscht und schließlich die Hamburgerin Iris Kramer, ein studiertes Multitalent als Komponistin und mit Trompete, Flügelhorn und Percussions.

Alle drei erschließen mit ihrer Musik wahre Traumwelten, Hrólfur – Isländer nennen keine Nachnamen, brauchen die nur für’s Bürokratische – lässt mit seinem Akkordeon den Sturm an schroffe Küsten rauschen, Iris spricht mit ihrer Trompete als Elfenkönig und Hlin lässt mit ihrer sanften Stimme in einem unendlich traurigen, aber zauberhaften isländischen Wiegenlied Tränen in die Augen steigen.

Das war schon großartig, diese Art und Weise und diese Intensität, mit der die drei nur mit Musik ihr Land beschrieben haben. Gut, ein bisschen erzählt hat Hlin in ihrer Anmoderation schon, meist den Inhalt der Lieder ins Deutsche übersetzt, die Vorliebe der Isländer für geheimnsivolle, tragische Geschichten erklärt. Dabei aber auch temperamentvolle, jazzige Stücke, komponiert von Iris, die beispielsweise den „Kult des Blaubeerpfückens“ auf der Insel so beschrieben hat.

Eine etwas kuscheligere Atmosphäre wäre der sonst so überzeugenden Veranstaltung zu wünschen gewesen, denn „Islandtief“ erzählt von Stürmen, Vulkanasche, Schnee und Eis. Gastgeberin Julia Bernhardt hat vorweg das Publikum wie eine Stewardess im Großraumflieger über Fluchtwege im Katastrophenfall unterwiesen. Das alles benötigt ein bisschen mehr Geborgenheit.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen