Eine Bühne für das Plattdeutsche

Umwerfend komisch waren die beiden „jungen Platten“ Noah Lüchau (links, 14) und Momme Wulff (16) bei dem Sketch über die Nacht am 50. Hochzeitstag.
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Umwerfend komisch waren die beiden „jungen Platten“ Noah Lüchau (links, 14) und Momme Wulff (16) bei dem Sketch über die Nacht am 50. Hochzeitstag.

Erfolgsveranstaltung „Eeten un Theoter“ im Haselauer Landhaus / Speeldeel und die „jungen Platten“ traten auf

shz.de von
07. März 2018, 16:00 Uhr

Hin und wieder scheint die Zeit in der Haseldorfer Marsch einfach still zu stehen. Das beste Beispiel dafür ist die seit zehn Jahren andauernde Erfolgsgeschichte der Veranstaltung „Eeten un Theoter“ im Haselauer Landhaus. Das dreitägige plattdüütsche Event ist ein untrügliches Zeichen für den Wunsch der Menschen nach Tradition und vergnügliche Abende, an denen alle Pein und Alltagssorgen vergessen werden.

Am vergangenen Wochenende ließen sich auch in diesem Jahr wieder insgesamt fast 500 Gäste aus Marsch, Geest und dem Umland bei dem Platt-Highlight mit leckerem Essen, Trinken, urkomischen Sketchen, Vorführungen der „jungen Platten“, Musik und einem Einakter von der Elmshorner Speeldeel im „komodigen“ Landhaus verwöhnen. Vor zehn Jahren hatten der damalige Chef und heutige Ehrenvorsitzende der Elmshorner Speeldeel Gert Richert und Gastwirt Otto Lienau die Idee zu einem großen Graue-Erbsen-Essen im Haselauer Landhaus in Verbindung mit Geschichten und Theaterstücken aus längst vergangenen Zeiten auf Plattdüütsch.

Ganz im Zeichen des Gedankens, die Traditionen auf dem Land für ein breites Publikum zu bewahren, entstanden so die gemischten Abende, an denen allerdings keine graue Erbsen mehr serviert werden. Diesmal garnierte der Juniorchef und Landhauskoch Jan Hermann Lienau den „Theaterteller“ mit einem traditionellen Rübenmalheur mit Wurst und Rauchfleisch.

Bereits bei der Begrüßung des Vorsitzenden der Speeldeel, Reinhard Glantz, der sich für das Mitmachen bedankte, und der Rede von Richert, der sich wiederum über die Elmshorner und das Engagement der „jungen Platten“ freute, war die gemeinsame Liebe aller Beteiligten zur „besten Sprook der Welt“ zu spüren. Wie anrührend Geschichten in der offiziell anerkannten niederdeutschen Sprache anmuten können, zeigte sich bei der Erzählung über den Knecht Hannes und seinen treuen Schimmel, die Richert unter dem Motto „Schicksol, schetterig un schön“ einfühlsam vorlas.

Danach folgten einige Auftritte der „jungen Platten“, die mit großer Hingabe und voller Stolz von Plattmeister Richert unterrichtet werden und von der Co-Trainerin Elsbeth Kruse auf der Bühne vorgestellt wurden. Sehr amüsant war die Geschichte „Zähne holen“ mit Noah Lüchau (14) und dem für den erkrankten Finn Beutler eingesprungenen Momme Wulff (16), die in Häubchen und alten Nachtgewändern auftraten. Auch Lea Kruse (9), Nika Schmahl (9) und Nieke Kleinwort (12) eroberten die Herzen der Gäste und erstaunten mit ihrem tollen Plattdüütsch.

Vor der Pause sorgte Profi Richert mit seinen genialen, aber völlig irrwitzigen Amanda-Geschichten für Lachsalven und tosenden Applaus. Am Ende begeisterten die Schauspieler der Speeldeel zum Jubiläum mit dem Einakter „Korl Gramlich regeert“ von Jens Exler. Bauer Sophus Bockhoff (Werner Flick) will sich drücken und überredet den Knecht Karl Gramlich (Wilhelm Schnoor), ihn für eine Weile zu vertreten.

Der blüht in seiner Rolle auf und bringt viel Schwung und Verwirrungen ins Hofleben, worin auch die Ehefrau Alwiene (Daniela Paradies), die Tochter Erna Bockhoff (Annika Krohn-Lindemann) und ihr Verlobter Uwe Bock (Marcel Jung) verwickelt sind. Regie führten Richert und Glantz, das Bühnenbild war von Bruno Gradtke, Christian Hinsch und Dennis Blaedtke. Verantwortlich für das Gesamtprogramm zeichnete –wie immer – Gerd Richert.

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