Ein Tag zum Schutz der Vielfalt

Uwe (von links), Noah, Silke und Finja Arning versuchten gemeinsam die verschiedenen Eier den entsprechenden Vögeln zuzuordnen.
Uwe (von links), Noah, Silke und Finja Arning versuchten gemeinsam die verschiedenen Eier den entsprechenden Vögeln zuzuordnen.

Naturschützer informieren über Tierarten / Während immer mehr Insekten sterben, steigen die Bestände der Fischotter

shz.de von
19. Juni 2018, 16:00 Uhr

„Es muss definitiv etwas passieren“, sagte Uwe Helbing, Betreuer des Naturschutzbunds (Nabu) im Naturschutzgebiets Haseldorfer Binnenelbe mit Elbvorland, Sonntag anlässlich des „Tags der Artenvielfalt“ rund um das Elbmarschenhaus. „Klar muss man viel tun und man kann sich darüber streiten, welche Arten man erhalten muss. Viele Arten sind nicht so beliebt, aber ich will nicht anfangen in gute und böse Tierarten zu unterscheiden“, sagte Helbing.

Während die Besucher versuchten, verschiedene Eier den Vogelarten zuzuordnen, erinnert sich Helbing an seine Kindheit. „Wenn man mit dem Auto durch die Landschaft gefahren ist, war die Windschutzscheibe voller Insekten. Heute ist da kaum noch was“, sagte er. Das derzeit viel diskutierte Insektensterben sei vermutlich auf zu intensive Landwirtschaft zurückzuführen. „Weniger Insekten bedeuten weniger Bestäubung, aber auch weniger Nahrung für gewisse Tierarten. Irgendwann leiden wir darunter. Da müssen wir einen Weg zurück finden“, sagte Helbing. Wie der aussehen kann, wisse er nicht. „Vielleicht ist es irgendwann zu spät, wenn man mit einer großen Lösung reagiert. Ich hoffe es nicht“, so der Schutzgebietsbetreuer.

Viele Fragen gab es an Wolfgang Springborn und Andreas Scheck, Wolfsbetreuer des Landes Schleswig-Holstein, die an ihrem Stand über den Wolf informierten. „Es gibt da sehr differenzierte Meinungen, ob man den Wolf erhalten muss oder nicht“, sagte Scheck. Probleme bereite der Wolf vor allem Nutztierhaltern. „Aber auch da gibt es Möglichkeiten, die Tiere zu schützen“, sagte Scheck. Die Wahrscheinlichkeit Wölfe in freier Natur anzutreffen seien sehr gering. „Sie sind an sich scheu und haben gar kein Interesse an Kontakt mit Menschen. In einem Flächenland wie Schleswig-Holstein ist es sehr unwahrscheinlich, einem Wolf zu begegnen“, sagte Scheck.

„Ich träume davon, mal einen in freier Natur zu sehen“, sagte Berit Koscheda, Helferin im Raum der Kreisjägerschaft Pinneberg im Elbmarschenhaus, während sie einen präparierten Fischotter in den Händen hielt. „Es ist sehr erfreulich, dass wir in Quickborn und Pinneberg wieder Tiere entdeckt haben“, sagte Koscheda. Wie viele Fischotter derzeit im Kreis Pinneberg leben, sei nicht bekannt. „Wenn die Population wächst, lässt sich bestimmt mal erfassen, wie viele es sind. Erstmal können wir nur nachweisen, dass sie hier leben“, sagte die Jägerin. Der Fischotter galt im 19. und 20. Jahrhundert als Mörder von Lämmern, der Jagdhunde unter Wasser zieht und ertränkt. Das Bundesamt für Naturschutz listete die Fischotter 1990 als „vom Aussterben bedroht“. In Schleswig-Holstein galt der Fischotter als fast ausgestorben.

„Da ist das Ding“, sagte Wiebke Scheenberg vom Deutschen Verband für Landschaftspflege lachend und zeigte auf eine Pflanze. „Das ist der Schierlingswasserfenchel, über den beim Thema Elbvertiefung so viel diskutiert wird“, sagte sie. Da er nur im Bereich der Elbe wachse, reiche es nicht aus, ihn nur wiederanzusiedeln. „Die Standorte werden mittlerweile knapp“, erläuterte Scheenberg. Das könne durch natürlich Veränderungen der Elbe oder bauliche Veränderungen der Sielstrukturen gelingen. „Wir müssen bessere Lebensbedingungen schaffen. Das gilt nicht nur für den Schierlingswasserfenchel, sondern für viele seltene Tier- und Pflanzenarten“, betonte Scheenberg.

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