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Wedel-Schulauer Tageblatt

18. Oktober 2017 | 19:11 Uhr

Wedel : Ein Sparbeschluss ohne Wert

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Ratsmehrheit will dem DRK Wedel 22 000 Euro Zuschüsse für Betreutes Wohnen streichen / Vorstand hält an Vertrag fest

Wedel | „Wenn man sich wohlfühlt, dann wird man auch älter“: Magdalena Heinsohn sitzt im Sessel ihres Appartements im Betreuten Wohnen des DRK Wedel und lacht zufrieden, als sie diesen Satz sagt. Er beschreibt ihre eigene Situation. Sie fühlt sich wohl, und sie wird seit 16 Jahren gern älter in der freundlich-hellen, adrett eingerichteten Wohnung in der Rudolf-Höckner-Straße.

„Das Haus ist toll, genauso die Gemeinschaft hier, und alles ist so schön bequem beieinander.“ Der Gemeinschaftsraum ist im Gebäude, eine der 19 Wohnungen wurde eigens dafür umgebaut. In unmittelbarer Nachbarschaft sind die DRK-Begegnungsstätte mit zahlreichen Angeboten für Senioren sowie die Sozialstation. Und die „Kümmerinnen“, wie sich Gertrud de Lukowicz und ihre Kollegin Brigitte Gensing selbst nennen, kommen auch mindestens einmal am Tag zu jedem Bewohner. Sie schnacken, lesen aus der Zeitung vor, schauen nach dem Rechten, helfen, wo es gewünscht ist.

Regelmäßig wird zusammen gefrühstückt. Es gibt Ausflüge, Feiern. Auch beim lebendigen Adventskalender hat sich das Betreute Wohnen als eine Station angemeldet. „Ich bin hier wie im Urlaub“, so habe jüngst eine Bewohnerin das Gefühl ausgedrückt, wohlbehütet und doch selbstständig zu sein, sagt de Lukowicz. Tatsächlich gilt das Betreute Wohnen des DRK in der Rudolf-Höckner-Straße als „einmalige Form“. Es verfüge über Angebot, das „über das allgemein übliche Maß weit hinausgeht“. So schreibt es Wedels Verwaltung – in einer Vorlage, die in der Konsequenz die Abschaffung eben dieser einmaligen Wohnform vorsieht.

Knapp 22 000 Euro Zuschuss pro Jahr sollen im Rahmen der Haushaltskonsolidierung gestrichen werden. Eine Sparmaßnahme, die eine „deutliche Reduzierung des Angebots“ bedeuten würde. Die Folge: Dem Anspruch des Betreuten Wohnens, wie er bei Vertragsabschluss zwischen Stadt und DRK angedacht war, würde man nicht mehr gerecht werden. Dies schreibt ebenfalls die Verwaltung selbst.

DRK-Vorsitzender Josef Musil teilt diese Einschätzung. Er sagt indes auch: Es wird nicht dazu kommen. Zwar haben CDU, WSI und FDP im Rat die Kürzung besiegelt. Der Betreuungsträgervertrag zwischen Stadt und DRK, der die freiwillige Leistung regelt, läuft jedoch bis Ende 2019. Einseitig kündbar ist er nicht. Und Musil macht deutlich: Das DRK wird nicht aussteigen. Dafür gibt es einen einstimmigen Vorstandsbeschluss.

Sowohl wirtschaftlich als auch ethisch sei ein Ausstieg nicht vertretbar, sagt Musil. Weil er seinen Mitarbeiterinnen Arbeitsgarantien bis 2019 gegeben habe. Weil die Rückzahlung von Förderungen für die besondere Wohnform droht: gut 56 000 Euro für das DRK und 38 000 Euro für die Stadt. Und weil er damit faktisch die Betreuungsverträge mit jedem Bewohner kündigen müsste. Mit Menschen, die sich bewusst für diese besondere Form der Betreuung entscheiden hätten, die ihnen bei niedrigen Mietkosten zuteil werde. Die Wohnungen sind 1994 mit Mitteln der Wohnraumförderung entstanden – in Regie der Stadt. Erst 2007 hat das DRK das Gebäude gekauft.

„Hier steht die Reputation des DRK in Bezug auf Vertragstreue auf dem Spiel.“ Das DRK sei dankbar für alle freiwilligen Leitungen und immer bereit, bei der Haushaltskonsolidierung zu helfen. So habe man auch bei der Begegnungsstätte bereits auf 10 000 Euro Zuschüsse verzichtet. „Aber ich kann nicht sparen, wo ich nicht sparen kann“, sagt Musil.

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