Ein Porträt über eine Generation

Die Filmemacherinnen Margot Neubert-Maric   (links) und Gisela Tuchtenhagen  (rechts) haben Gisela Thoms und deren Freundinnen mit der Kamera begleitet und den Film 'Bingo - toletzt entscheed jümmers dat Glück'  gedreht.pt
Die Filmemacherinnen Margot Neubert-Maric (links) und Gisela Tuchtenhagen (rechts) haben Gisela Thoms und deren Freundinnen mit der Kamera begleitet und den Film "Bingo - toletzt entscheed jümmers dat Glück" gedreht.pt

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18. Januar 2013, 01:14 Uhr

Wedel | Die Vorbereitungen für die Wedeler Premiere des Films "Bingo - toletzt entscheed jümmers dat Glück" befinden sich auf der Zielgeraden. Morgen ist es dann soweit: Der dokumentarische Heimatfilm wird ab 19 Uhr im Theatersaal der Ernst-Barlach-Schule im Tinsdaler Weg 44 aufgeführt. Es ist die erste größere Veranstaltung, die der Verein "Kino in Wedel" im neuen Jahr durchführt. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, Film und Kino wieder in Wedel stattfinden zu lassen.

Unsere Zeitung hat die beiden Filmemacherinnen Gisela Tuchtenhagen und Margot Neubert-Maric getroffen und wollte wissen, wie sie darauf gekommen sind, diesen Film zu machen. "Die Idee entstand 2006 bei den Dreharbeiten zu unserem ersten Heimatfilm-Projekt Hohnbeer-Fest ", sagt Neubert-Maric im Tageblatt-Gespräch. "Das ist ein traditionelles Männerfest in Heide, wo viel Bier konsumiert und nur plattdütsch gesprochen wird. Obwohl wir beide aus der Region sind, wuchs bei dieser Arbeit in uns gleichzeitig die Faszination an der plattdeutschen Sprache und für die Menschen, die sie noch täglich sprechen. Danach wollten wir gern auch einen Film über Frauen in plattdeutscher Sprache machen."

Schnell war klar, dass es Frauen aus der Generation der 1933 bis 1945 geborenen sein mussten, die porträtiert werden sollten. "Man sieht die Frauen dieser Generation, die ja oft auch als die verlorene Generation bezeichnet wird, auf der Straße mit ihren Einkaufstaschen und ahnt, was sie alles durchgemacht haben müssen", erklärt Neubert-Maric. "Diesen Frauen wollten wir ein Gesicht geben." Tuchtenhagen ergänzt: "Oft hören wir hinterher von Zuschauerinnen, dass ihre Lebensgeschichten ganz ähnlich verlaufen sind."

Nachdem die Idee geboren wurde, ging die Suche nach den Protagonistinnen los. "Ein Freund riet uns, die Lokalpresse einzuschalten", sagt Neubert-Maric. "Und Gisela hatte noch einen alten Kontakt zu Radio Nora. Darüber liefen unsere Aufrufe zum Mitmachen an diesem Projekt. Und die Resonanz war sehr gut."

Gerade der gemeinsame Gebrauch der plattdeutschen Sprache stellte sich schnell als hilfreich für den Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung zu den Protagonistinnen heraus. Beide Filmemacherinnen beherrschen das Platt von Kindesbeinen an. Und dadurch seien die Frauen im Film auch viel offener und freier in ihren Erzählungen über ihr Leben gewesen, sagen die beiden.

Plattdeutsch ist nicht das einzige Element, das Darstellerinnen und Regisseurinnen verbindet. Auch das Bingo-Spiel, das den "roten Faden" für die Handlung bildet, stellt eine Gemeinsamkeit dar. "Meine Mutter füllte damals jede Woche Lotto-, Toto- und Bingo-Scheine aus, weil sie hoffte, uns irgendwann mit einem großen Gewinn auf die Gewinnerstraße zu bringen. Hat leider nie geklappt", erinnert sich Neubert-Maric an ihre eigene Jugend in den Sechzigern.

Über ihr neues Projekt mögen die beiden Grimme-Preisträgerinnen noch nicht so viel erzählen. Nur so viel: "Es geht ums Sterben und ums Aussterben." Arbeitstitel: "Utbüxen kann keen een".

Bei der morgigen Aufführung des zirka 85 Minuten langen dokumentarischen Heimatfilms werden die Filmemacherinnen vor Ort sein. Im Anschluss stellen sie sich den Fragen des interessierten Publikums. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei. Über eine kleine Spende würde sich der junge Verein allerdings sehr freuen.

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