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Wedel : Ein neues Gesicht für „Am Marktplatz 1“

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Im zweiten Anlauf: Stadt erteilt Einvernehmen für Abbruch. Eigner Ullrich Langbehn: Erhalt war keine realistische Option.

shz.de von
erstellt am 17.Mär.2016 | 16:30 Uhr

Wedel | Geht alles nach Plan, zeigt sich 2017 ein neues Gesicht im Gebäude-Ensemble rund um Wedels Altstadt-Kern. Die Stadt hat ihr Einvernehmen für den Abbruch des alten Bauernhauses Am Marktplatz 1 erteilt. Auch die Abbruchgenehmigung liegt Eigner Ullrich Langbehn bereits vor. Jetzt wartet er auf die Baugenehmigung, um sein Neubauvorhaben zu realisieren: Geplant ist ein Mehrfamilienhaus mit acht Wohneinheiten, optisch angelehnt an das aktuelle Bestandsgebäude.

Ein Bauprojekt in sensiblem Bereich: Rund um den Roland gilt eine Erhaltungssatzung, die vorhandene Häuser als besonders schützenswert ausweist. Eben dies war der Grund, warum die Grünen im ersten Anlauf Bedenken anmeldeten. Also gab es einen Ortstermin und eine zweite politische Runde. Und damit einen zweiten kritischen Vorstoß der Grünen.

Man habe sich überzeugen können, dass das Haus in einem bejammernswerten Zustand sei, so Grünen-Fraktionschef Olaf Wuttke. Offenkundig sei lange nicht in den Erhalt investiert worden, so Wuttke – adressiert an den Eigner, aber auch an die Verwaltung. Es sei unverständlich, dass die Stadt den Verfall nicht verhindert habe: „Es gibt Möglichkeiten bis hin zu einem Instandsetzungsgebot“, so Wuttke. Mit dem Abriss drohe wieder ein Stück des Gesichts der Altstadt verloren zu gehen, so der Grünen-Sprecher. „Und wir haben nicht mehr viele erhaltenswerte Bauten.“

Langbehn verfolgte die Diskussion im Publikum als stiller Zuhörer. Am Tageblatt-Telefon erklärte der Wedeler Unternehmer: Er habe das Haus, das zwischen seinen beiden Grundstücken lag, 2009 gekauft – in der Absicht, es zu erhalten. Die Architekten jedoch, mit denen er sich an die Untersuchung eines möglichen Sanierungsvorhabens gemacht habe, hätten dringend davon abgeraten, in den Bestandsbau zu investieren. „An dem Haus war wirklich nichts gemacht worden“, so Langbehn. Zudem sei über die Jahrzehnte von dem um 1900 errichteten Gebäude kaum mehr etwas übrig gewesen. Langbehn: „Da gibt es allenfalls ein paar historische Balken. Das Ursprungshaus existiert praktisch gar nicht mehr.“ So sei etwa die Fassade mit simplen Riemchen verkleidet worden, ein Anbau wurde einfach rangesetzt, und auch das Dach sei nicht im Urzustand. „Vermutlich war das einmal reetgedeckt“, so Langbehn.

Die Süd-Perspektive: Links der Ist-Zustand, rechts der geplante Neubau, der 2017 stehen soll.
Die Süd-Perspektive: Links der Ist-Zustand, rechts der geplante Neubau, der 2017 stehen soll. Foto: W2A Architekten
 

Drei Mietparteien hätten in dem Gebäude gewohnt, als er es übernahm: Er habe gewartet, bis die Mieter etwa Neues gefunden hätten, „ohne jemanden rauszuklagen.“ Zuletzt zog laut Langbehn in diesem Jahr eine alte Dame aus, die ins Seniorenheim gegangen sei.

Die Grünen waren nicht die einzig Fraktion, die Kritik an dem Projekt übte. Was die SPD bemängelte, waren indes Details der Neubaupläne. Manfred Eichhorn, planungspolitischer Sprecher der Sozialdemokraten, machte deutlich: Seine Partei erwarte, dass statt sechs Parkplätzen, die nur teilweise auf dem Grundstück selbst ausgewiesen werden sollen, acht direkt am Haus geschaffen werden sollen. „Wenn nicht, werden die Fahrzeuge garantiert im öffentlichen Raum abgestellt“, monierte Eichhorn.

Konsequenz: Eichhorn wie auch Wuttke sorgten für zwei Enthaltungen bei dem ansonsten von breiter Mehrheit getragenen Abbruch-Einvernehmen.

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