Wedel : Ein klares Jein zur Autofähre

Diese Fähren könnten zwischen Wedel und Jork fahren.
Diese Fähren könnten zwischen Wedel und Jork fahren.

Die Stadt legt ihre Bewertung vor und empfiehlt dringend weitere Gutachten. Unwägbarkeiten in Sachen Verkehr, Wirtschaft und Finanzen.

shz.de von
18. Juni 2014, 16:00 Uhr

Wedel | Soll sich Wedel hinter das Autofähren-Projekt von Becker Marine Systems stellen und helfen, die Pläne zu forcieren? Diese Frage treibt derzeit die Politik um, die den Ball zuletzt Richtung Stadt gespielt hatte: Ein Chancen-Risiken-Abwägung soll her, so der Planungsausschuss. Die liegt jetzt vor. Tenor: Aus Wedels Verwaltung gibt’s aktuell ein klares Jein für die Fährverbindung vom BusinessPark ins Alte Land.

Tourismus, Infrastruktur / Verkehr, Arbeitsmarkt, Wirtschaft / Märkte, Konflikte und Finanzierung: Sechs Themenfelder hat die Stadt auf der Suche nach einem Standpunkt durchleuchtet. Ergebnis: Die geplante Elbfähre böte Chancen, die touristische Attraktivität Wedels zu steigern, Berufspendlern Wege zu erleichtern und die Stadt durch zusätzliche Verkehrsanbindungen auch als Wirtschaftsstandort zu stärken. Allerdings seien derzeit Folgen in Sachen Verkehrszunahme und Infrastrukturkosten sowie wirtschaftspolitische Auswirkungen nicht abzuschätzen. Die Stadt empfiehlt daher „dringend“ ein Gutachten zu Verkehr, Arbeitsmarkt und Wirtschaftlichkeit fertigen zu lassen – „möglichst auf Kosten der Elblinien-Betreiber, heißt es in einer 13-seitigen Vorlage für den Haupt- und Finanzausschuss am 23. Juni.

Ein sensibles Thema einmal mehr: der Verkehr. Mit einem Fassungsvermögen der Fähre von 60 Pkw sei zumindest phasenweise mit einer höheren Belastung zu rechnen. Durch die Fähr-Linie könnte daher das ohnehin durch den BusinessPark zu erwartende höhere Kraftverkehrsaufkommen noch verstärkt werden, heißt es in dem Verwaltungs-Papier.

Denn es sei nicht abzusehen, inwieweit die Fähre – wie vom möglichen Betreiber angeführt – tatsächlich zur Verbesserung der Pendlerströme führt. Vor diesem Hintergrund müsse auch geprüft werden, ob der geplante Ausbau des Knotenpunkts Industriestraße/Rissener Straße dann noch ausreiche.

Was die prognostizierte Erweiterung der Absatzmärkte Richtung Niedersachsen für Mittelständler und Dienstleister angeht, ist die Verwaltung ebenfalls zurückhaltend bis skeptisch: Hier wird die Gefahr aufgezeigt, dass der Effekt auch in andere Richtung funktioniert. Wenn nämlich die Betriebe aus dem bevölkerungsärmeren Teilen Niedersachsens sich ihrerseits den Markt in Wedel und Umland sowie Hamburgs Westen erschließen.

Konflikte sieht die Stadt zum einen bei der Zeitachse: Die Fährpläne kollidieren mit dem B-Plan-Verfahren, das eben keinen Hafen vorsieht und auf Grund seiner Komplexität vorangetrieben werden solle. Zumal nach Einschätzung der Stadt für die Fähre ein mindestens zweijähriges Planfeststellungsverfahren nötig wäre. Zum anderen befinde sich der Fähranleger innerhalb der 350-Meter-Sicherheitszone für das Ammoniaklager des Kraftwerks. Daraus würden sich Einschränkungen für einen öffentlichen Zugang ergeben.

Schließlich das Geld: Die Höhe der Kosten für einen notwendigen Hafenausbau stehe noch nicht fest. Ebensowenig, wer sie trägt, heißt es in dem Pro-Kontra-Papier. Und: „Von dem künftigen Betreiber der ‚elblinien‘ sollte die Vorlage eines Gesamtfinanzierungskonzepts ohne finanzielle Beteiligung der Stadt erwartet werden.

Der Haupt- und Finanzausschuss tagt Montag, 23. Juni, ab 19 Uhr im Rathaus, Raum „Caudry“.
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