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Wedel-Schulauer Tageblatt

17. August 2017 | 18:06 Uhr

Ein historischer Weltenbummler

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

LotsenschonerDer Traditionssegler wird auch in Wedel halt machen

Er hat mehrere Atlantiküberquerungen hinter sich, umsegelte sogar das berüchtigte Kap Hoorn – und nun macht er Halt in Wedel. Die Rede ist vom Lotsenschoner „Elbe No.5“ aus dem Jahr 1883. Es handelt sich laut Betreiber um Hamburgs letztes noch erhaltenes seetaugliches Segelschiff, das vollständig aus Holz gebaut und noch in Betrieb ist.

2002 wurde der Zweimaster nach seiner wechselvollen Geschichte zurück nach Hamburg geholt, wo er beheimatet ist. Gebaut wurde er einst, um an der Elbmündung, einem der rauesten Seegebiete der Welt, die Elblotsen an Bord der nach Hamburg fahrenden Schiffe zu bringen. Daher rührt auch sein Name. In der Heimat wurde der Lotsenschoner aufwendig restauriert und verdient sich seit 2007 seinen Unterhalt durch Fahrten mit Gästen, die erleben möchten, wie vor 130 Jahren gesegelt wurde.

Neu ist der ab dieser Saison eingeplante Stopp in Wedel am Willkomm Höft. Am Montag, 22. Mai, ist die Generalprobe geplant: Ausgehend vom Hamburger Heimathafen Sandtor geht es über Wedel bis nach Glückstadt. Der Lotsenschoner wird dabei von einer 15–köpfigen Crew des Vereins „Freunde des Lotsenschoners“ gesegelt, die ihr geliebtes Schiff ehrenamtlich hegen und pflegen. Die Einnahmen durch die Gäste fließen also in den Erhalt des historischen Schiffs. Sowohl der Besitzverein Stiftung Maritim als auch der Betreiberverein sind gemeinnützig. Der Wedeler Jürgen Schöttner ist Mitglied des Vereins „Freunde des Lostenschoners Elbe No.  5“ und schwärmt von dem Segler: „Er ist so alt wie der Orientexpress und auch so legendär.“ An Bord könne man nicht nur die Landschaft genießen, sondern auch zusehen, wie einst von Hand gesegelt wurde. Gäste könnten sich während der Fahrt frei an und unter Deck bewegen.

Der Lotsenschoner wird nach bisherigem Stand gegen 13 Uhr am Willkomm Höft anlegen. Der Schulauer Traditionshafen kommt für das große Schiff nicht in Frage: Mit 37 Metern Länge, sechs Metern Breite und einem Tiefgang von drei Metern ist das Schiff für das Schulauer Hafenbecken nicht geeignet. Denn dieses hat nach Angaben von Jürgen Schöttner eine Wasserhöhe von vier Metern bei normal Null, also dem Mittelwert, von dem dann Hoch- und Niedrigwasser bei den Tiden abweichen.


Die Elbe hat ihre eigenen Tücken


Der Tidenhub auf der Elbe beträgt aber vier Meter, entsprechend hat der Hafen nur noch zwei Meter Wassertiefe bei Niedrigwasser – zu wenig für Schiffe wie den Lotsenschoner. Zudem sei die nur 15    Meter breite Einfahrt und die Drehung sehr kompliziert, so Schöttner. „Und auch die recht starke Strömung am Hafenkopf hat es in sich“, erläutert er, „gerade mit einem Holzboot ist es riskant“. Das werde sich auch nach dem 400  000 Euro teuren Bau eines neuen Pontons nicht ändern, der das Anlegen historischer Schiffe begünstigen soll.

Bisher wird der neue Hafen nur vom Ewer Gloria angelaufen: Das kleinere Schiff ist ein extra für die Widrigkeiten der Elbe konzipiertes Frachtboot mit Plattboden. Sie wird vom schwimmenden wasserstandsunabhängigen Ponton profitieren, weil damit Passagiere auch bei Niedrigwasser ohne Kletteraktion an Bord kommen. Auch die Gloria hätte wegen der teils mühsamen Einsteigeaktionen ohne Ponton den Schulauer Hafen nicht mehr ewig angelaufen, vermutet Schöttner. Mit seinem Tiefgang von nur 0,64 Metern ohne Ladung könne es auch bei Niedrigwasser passieren. Liege es doch einmal auf, erlaube ihm sein flacher Rumpf, auf dem Schlick zu rutschen, erklärt Schöttner. „Solche Boote muss der Wedeler Hafen künftig akquirieren.“ Denn dort können die Schiffe auch über Nacht bleiben – dafür ist am Willkomm Höft kein Platz. „Der Wedeler Hafen müsste insgesamt besser belebt werden“, meint Segler Schöttner. „Mehr Infrastruktur für Segler würde da helfen. So macht es einfach mehr Spaß“.

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