Haseldorf : Ein gewagtes Opern-Experiment

Bei öffentlichen Proben konnten Interessierte Mirjam Keller (von rechts) , Eiko Okuno, Charlotte Korthals, Michael Leye und Claudia Brandenburger erleben.
Bei öffentlichen Proben konnten Interessierte Mirjam Keller (von rechts) , Eiko Okuno, Charlotte Korthals, Michael Leye und Claudia Brandenburger erleben.

Béla Bartoks „Herzog Blaubarts Burg“ wird im Pantheater in Haseldorf aufgeführt. Premiere ist am Dienstag, 30. Dezember.

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27. Dezember 2014, 16:00 Uhr

Haseldorf | Spannung, hohe Erwartung, Neugierde, Stille und greifbare Düsternis machen sich breit im kleinen Pantheater an der Deichreihe 29 in Haseldorf, als das Licht ausgeht und zwei schwarz gekleidete Frauen ins grelle Scheinwerferlicht vor den schwarzen Vorhang treten. Es sind die Mezzosopranistinnen Claudia Brandenburger und Charlotte Korthals, welche den fast absurden, knapp gesprochenen Prolog aus der Oper „Herzog Blaubarts Burg“ von Béla Bartok mit dem Libretto von Béla Balázs rezitieren. Er deutet die Grundzüge des Dramas, um die zum Scheitern verurteilte Liebe von Judith zu dem schillernden Herzog Blaubart an, in dessen beängstigende, finstere und traurige Gemäuer seiner Burg sich die Antagonistin begibt.

Der Prolog ohne konkrete Hinweise – welcher auch die Zuschauer mit seinen Fragen wie etwa „Wo ist die Bühne – Außen oder Innen?“ einbezieht – gab dem Theatermacher Michael Leye die Möglichkeit, eine außergewöhnliche und einmalige Interpretation der Oper um den Protagonisten Blaubart auf die Bühne zu bringen. Gemeinsam mit seinem kleinen Ensemble, zu dem auch die beiden Jazz- und Konzert-Pianistinnen Mirjam Keller und Eiko Okuno gehören, hat Leye ein Konzept um die tragische Rahmengeschichte des Originals geflochten, welches von Klassik- bis Folkmusik, von Trauer und Schwermut über Komik und Melancholie reicht. Es ist erstaunlich, aber bei diesem gewagten Experiment wird eine durchgehende, in sich stimmige und harmonische Atmosphäre erzeugt, welche von dem Zuschauer fast mit Verwunderung als solche wahrgenommen wird.

Verblüffend ist, dass es zu keinem störenden Stilbruch kommt, wenn etwa Leye im abgerissenen Parka direkt im Anschluss an die wunderbar gesungene Arie „Ach ich habe sie verloren“ aus Orpheus und Eurydike von Christoph Willibald Gluck zu seiner Gitarre greift und den Gospel „I want Jesus to walk with me“ anstimmt. Die durchgehende und zentrale Frage Leyes unter dem Leitthema „Blaubarts Lieder“ bleibt bei allen Musikstücken, ob Gesang den Tod überwinden könne, ob Liebe immer zum Scheitern verurteilt sei und ob Kunst in der Lage sei, das Unmögliche nicht nur zu wagen, sondern auch zu erreichen.

Die großartigen Darsteller schaffen es durch ihre hohe Kunst, mit sehr unterschiedlichen Werken aus Klassik und Pop – von Mozart, Sting, Schubert, den Beatles, Tschaikowski, Verdi, Purcell, Johnson, Humperdinck und natürlich Bartok – einige Antworten auf derartig komplizierte Fragen zu geben. Ein Besuch im Pantheater lohnt sich.

 

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