Schleswig-Holstein Musik Festival : Ein gelungenere Spontan-Auftritt der Weltstars

Mit einer gemeinsamen Darbietung  aller sechs Musiker endete das facettenreiche Konzert im Haseldorfer Rinderstall.
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Mit einer gemeinsamen Darbietung aller sechs Musiker endete das facettenreiche Konzert im Haseldorfer Rinderstall.

Musik Festival-Auftakt in Haseldorf: Ott, Orlowsky und Landgren ersetzen erkrankten Martin Grubinger.

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16. Juli 2015, 16:00 Uhr

Haseldorf | Viele Klassikfreunde traf die Nachricht von der Erkrankung des Superstars Martin Grubinger in der Rolle des diesjährigen Solisten mit 16 Konzerten beim Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) wie ein Schock. Die Vorfreude auf das Konzert im Haseldorfer Rinderstall mit dem Percussion-As war seit Monaten riesig gewesen. Doch Intendant Christian Kuhnt (Foto) war es gelungen, innerhalb kürzester Zeit hochkarätigen Ersatz zu besorgen.

Kollektives Aufatmen in der Marsch: Die Pianistin Alice Sara Ott, der Posaunist Nils Landgren und die Klezmer-Musiker des David Orlowsky Trios erklärten sich bereit, für Grubinger in der ausverkauften Scheune einzuspringen. „Ich war gerührt, als ich die Zusagen erhielt“, so Kuhnt. Die spontane Hilfe der Musiker betone den familiären Charakter des Festivals.

Hausherr Udo Prinz von Schoenaich-Carolath-Schilden hatte es sich nicht nehmen lassen, einige Gäste in gewohnter Manier – mit Handschlag zu begrüßen. Pianistin Ott eröffnete das Konzert für die gut aufgelegten 800 Besucher. Die zierliche Frau im violetten Hosenanzug spielte drei Paganini-Etüden von Franz Liszt. Das Publikum verfolgte gebannt, wie die deutsch-japanische Musikerin die als Stolpersteine für hervorragende Pianisten bekannten Etüden präsentierte.

Mit nackten Füßen trat die charismatische Pianistin in die Pedalen, bearbeitete die Tasten wie einen Teig. Wie beim Regentropfen-Prélude von Frédéric Chopin gab es für die nachdenklich-melancholische Interpretation donnernden Applaus.

Schwerelose Musik

Nach dem fesselnd-kreativen Vortrag der mehrfachen Meisterschülerin und Preisträgerin der Internationalen Musikakademie für Solisten folgte der Auftritt des David Orlowsky Trios. Orlowsky zählt zu den begabtesten und experimentierfreudigsten Klarinettisten der Welt, trat als Jugendlicher mit Giora Feidman sowie Gidon Kremer auf. Mit ihm zusammen präsentierten Florian Dohrmann am Bass und dem „norddeutschen Jung“ Jens-Uwe Popp an der Gitarre ihre als „Kammerweltmusik“ bezeichnete schwerelose Musik.

Mit Humor moderierte Orlowsky den Konzertpart. „Hier handelt es sich wohl um das kürzeste Konzert, das wir jemals gespielt haben“, scherzte der Musiker. Unter den verträumten Melodien fanden sich Eigenkompositionen Orlowskys, die die Hörer auf eine faszinierende Reise in die Klezmerszene entführte. Das feurige und hochvirtuose Spiel wurde mit Zugabe-Aufforderungen von dem – teilweise sogar aus Hessen angereisten – Publikum honoriert.

Nach der Pause gehörte die Bühne dem schwedischen Posaunisten und Sänger Nils Landgren. Wie Orlowsky präsentierte sich der erfolgreichste europäische Jazzmusiker als spritziger Moderator. „Es ist eine große Freude, dass ich hier stehe. Das ging ja ganz schnell“, begrüßte der als „Mr. Red Horn“ bekannte Musiker sein Publikum. Mit dabei hatte er den Gewinner des Leipziger Jazznachwuchspreises, Philip Frischkorn, der ihn am Klavier begleitete. „Gestern war ich in Hasselburg, heute bin ich in Haseldorf“, so der Musiker. An beiden Orten sei er noch nie gewesen. Um das fehlende Nachtleben zu ersetzen, spielten die Musiker Stücke wie „Nightlife“. Für die Jazzlegende sowie Frischkorn gab es begeisterten Beifall. Mit einem fulminanten gemeinsamen Auftritt aller Musiker endete das facettenreiche Konzert.
 

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