Ein Feuerwerk der Virtuosität

Die Besucher genossen das Konzert in der umgestalteten Bootshalle Schuppen 1.
1 von 2
Die Besucher genossen das Konzert in der umgestalteten Bootshalle Schuppen 1.

Teufelsgeiger Roby Lakatos bringt das Feuer Ungarns in den Schuppen 1 / Famoses Gesamtpaket begeistert das Publikum

shz.de von
07. Juli 2018, 16:00 Uhr

Ein Feuerwerk der Virtuosität. Teufelsgeiger. Das Feuer Ungarns. An dieser Stelle könnte man womöglich jedes breitgetretene Zitat bringen, das von Virtuosität handelt und doch würde jedes davon auf das Konzert am vergangenen Donnerstag im vollen Maße zutreffen.

Im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals war Violinist Roby Lakatos mit Ensemble zu Gast im Schuppen 1. Das Publikum durfte gespannt sein was es auf die Ohren gab, enthielt das Programm doch lediglich einen einzigen Programmpunkt: „Gipsy Night…mit Pause“.

Der Grund für die wage Beschreibung war möglicherweise, dass man immer wieder bekannte Stücke und Melodien hört, die sich dann verlaufen, in virtuosen Soli enden, um dann schlussendlich ohne größere Zäsur in ein neues Stück überzugehen. Wie sollte man dazu ein Programm verfassen? „Ungarische Tänze mit Solo Parts gefolgt von Swing und feurigen Tanzrhythmen?“

Doch fangen wir von vorne an: Die insgesamt sechs Musiker betraten die Bühne, es wurde ein letztes Mal gestimmt – nichts Ungewöhnliches. Doch schon während des Stimmens begann der Pianist zu spielen, improvisierte, weitere Instrumente stiegen ein. „Stimmen die noch, oder ist das schon das Stück?“, wurde ungläubig gefragt. Erst mit dem Einsetzen von Lakatos war dann klar, dass es endlich losgeht. Während des Stücks wurden von Zymbal-Spieler und Pianist noch kurzer Hand letzte Anweisungen an den Techniker optisch herangetragen.

Aber all das störte das musikalische Erlebnis nicht im Geringsten, allenfalls unterstrich es die Gesamtatmosphäre in der umgebauten Bootshalle. Ungezwungen und unkompliziert. Dabei boten die Musiker dennoch eine Darbietung auf höchstem Niveau.

Lakatos präsentierte, warum er schon als Gast auf einigen der bedeutendsten Bühnen der Welt aufgespielt hat: atemberaubend schnelle Läufe wurden von emotional aufgeladenen Parts durchkreuzt. Genres wie Filmmusik wurden ebenso zum Klingen gebracht wie Jazz. Und das eben alles nicht in einer steifen, einstudierten Art und Weise. Lakatos schritt auf der Bühne umher, forderte seine Musiker zum Duett auf, dirigierte und zentrierte sich wieder in der Mitte der Bühne, um nicht nur sein virtuoses Spiel, sondern auch seine Vielfältigkeit in beeindruckenden Spieltechniken darzubieten.

Und trotz oder vielleicht auch gerade wegen seines Könnens ließ er seinen Musikern Platz, um nicht weniger anspruchsvolle Soli oder gar komplett eigene Stücke zu präsentieren. Der Geiger trat zurück und überließ die Bühne seinem Zymbal-Spieler Jónás Géza, der ihm mit seinem Arrangement des Hummelflugs von Nikolai Andrejewitsch Rimski-Korsakow für kurzer Zeit die Show stahl. Doch am Ende des Abends war es das Gesamtpaket, die Symbiose aller Musiker, die das Publikum zu Standing Ovations bewegte.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen