Ein festlicher Jahresausklang

Angelika Buchholz (links) und Ute Dehmel glänzten in perfekter Harmonie an der Viola da Gamba und an der Blockflöte.
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Angelika Buchholz (links) und Ute Dehmel glänzten in perfekter Harmonie an der Viola da Gamba und an der Blockflöte.

Drei ausgezeichnete Musiker verzaubern mit einem ungewöhnlichen Abschlusskonzert in der Haseldorfer Kirche rund 50 Besucher

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02. Januar 2018, 16:00 Uhr

In der alten Haseldorfer Dorfkirche St. Gabriel wird traditionell an Silvester das zurückliegende Jahr mit einem festlichen Konzert verabschiedet. Für den Kirchenmusiker Jörg Dehmel war es auf Grund der großen Nachfrage zum Lutherjubiläum bereits das 25. Konzert in diesem Jahr. Nach den vielen Highlights wie Solo-Orgelkonzerten, Messen oder der Brockes-Passion mit Solisten, dem Chor Cantate und Orchester war es kaum vorstellbar, das bisher Gehörte noch zu übertreffen. Tatsächlich gelang es Dehmel aber nach der Begrüßung der etwa 50 Gäste zum diesjährigen Jahresabschlusskonzert im Rahmen der Haseldorfer Kirchenmusik e.V. , alle Erwartungen zu übertreffen.

In kleiner Besetzung mit der großartigen Blockflötistin Ute Dehmel, der wunderbaren Angelika Buchholz an der Viola da gamba und dem brillanten Dehmel, der abwechselnd an der Orgel oben auf der Empore oder unten im Altarraum auf dem Cembalo glänzte, schafften es die drei eingespielten Barockexperten, die Kirche in einen Musiktempel zu verwandeln. Ausgewählt hatten sie Triosonaten der Komponisten Dieterich Buxtehude (1637-1707), Johann Sebastian Bach (1685-1750) und Joseph Bodin de Boismortier (1689-1755), die auf meisterliche Art sich widerspiegelnde, verschachtelte, ineinander übergehende, schwebende, jubelnde oder tirilierende Melodien in ganzheitlicher Harmonie wiederzugeben verstehen.

Besonders schön war die Triosonate Nr.3 in g-moll von Bach, die von allen Musikern oben auf der Empore intoniert wurde und die Idee der Triosonate mit zwei gleichrangigen (Ober)-Melodiestimmen über einem Generalbass in Perfektion umsetzte. Die Altblockflöte von Ute Dehmel verschlang sich geradezu mit der Viola da gamba von Buchholz, die hier die ungewöhnliche Aufgabe hatte, eine zweite Oberstimme zu spielen. Zusammen mit der Orgel von Dehmel entstand ein wunderbarer Einklang mit den kaum noch auseinander zu haltenden Instrumenten. Aber auch das Präludium in g-moll von Buxtehude wie auch seine Triosonate Nr.1 in F-Dur, die Triosonate Nr.1 in G-Dur von Boismortier und die Pastorella F-Dur von Bach begeisterten das Publikum und forderten ihre musikalische Fantasie.

Zur „Pastorella“ erzählte Jörg Dehmel im Anschluss des Konzertes die Geschichte, dass vor einigen Jahren Haseldorfer Grundschüler nach ihrem Klang Bilder gemalt hätten. Sie seien so unterschiedlich, vielfältig und bunt gewesen wie die Musik Bachs selbst. Die Kinder waren begeistert von den unzähligen Klangfarben.

Zwischen den Musikstücken rezitierte Jörg Dehmel noch drei beeindruckende Texte. Von Hanns Dieter Hüsch las er den Psalm „Was macht, dass ich so fröhlich bin“, von Dietrich Bonhoeffer „Von guten Mächten treu und still umgeben“ und von Wilfried Schmickler „Die Gier“. Ein Gedicht, das die Zuhörer in seiner Wahrheit über die schlimmste Sucht der Menschheit erschauern ließ. Doch die Reinheit des Konzertes war es, die das Publikum verzauberte und es am Ende des Konzerts viel Applaus spenden ließ.

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