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Wedel-Schulauer Tageblatt

24. August 2017 | 07:07 Uhr

Wedel : Ein Anker für die Jüngsten

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Neues Hilfsprojekt Kinderschutzbund gründet Gruppe für Kinder psychisch erkrankter Eltern.

Wedel | Für Bonny Redelstorff geht ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung: Der Kinderschutzbund Wedel bietet eine neue Gruppe an. In ihr sollen Kinder psychisch erkrankter Eltern Unterstützung finden. „Seit vier Jahren geht das in meinem Kopf herum“, berichtet Redelstorff. Jetzt ist dem Kinderschutzbund eine größere Spende zugegangen. „Es kann losgehen“, sagt die Initiatorin und strahlt übers ganze Gesicht.

Psychische Erkrankungen werden innerhalb einer Familie oft weitergegeben, erklärt die ehemalige Krankenschwester und Gestalttherapeutin, die zwar schon in Rente ist, sich von ihren Aufgaben in der psychosomatischen Abteilung im Asklepios Krankenhaus Rissen allerdings noch nicht ganz verabschieden kann. Vier Tage im Monat arbeitet sie dort noch. Ein Baby nimmt den Gesichtsausdruck seines Gegenübers ab, egal ob es ein trauriger Blick oder ein fröhliches Lächeln ist, erklärt Redelstorff. Das prägt. Kinder psychisch erkrankter Eltern leiden nicht nur unter ihrer Lebenssituation. Sie fühlen sich oft auch noch schuldig.

Hier will die Gruppe ansetzen. „Wir wollen den Kindern einen Erlebnisraum eröffnen“, erklärt Laura Lomberg, eine der drei Gruppenleiterinnen, die die Initiatorin für das Projekt gewinnen konnte. Den Kindern soll die Möglichkeit für eine Auszeit gegeben werden, erklärt Lomberg weiter. Sie sollen sich auf sich selbst konzentrieren können. Sie sollen sich erholen dürfen. Und sie sollen erfahren, dass sie nicht allein sind. Dass es auch andere Kinder mit dem gleichen Hintergrund gibt.

Melissa Rath und Lena Volkmann sind die anderen beiden Gruppenleiterinnen. Gemeinsam bilden die drei jungen Frauen ein kompetentes Team. Lomberg, 26, Sozialpädagogin, und Volkmann, 19, sozialpädagogische Assistentin, kommen aus der Praxis. Rath, 23, steuert den theoretischen Background bei. Sie hat einen Bachelor in Psychologie. Möglicherweise klinkt sich auch noch eine ausgebildete Therapeutin mit ins Team ein, Redelstorff führt gerade entsprechende Gespräche, aber sicher sei es noch nicht. Eine begleitende Fortbildung haben die drei Gruppenleiterinnen in Kiel gerade absolviert. Weitere sollen folgen. Der Kinderschutzbund bietet fortlaufend Kurse an.

Der Austausch untereinander ist für die Kinder wichtig, erklären die drei. Aber auch die Gruppenleiterinnen stehen für Fragen zur Verfügung. Lomberg erläutert: „Wir geben den Kindern Antworten. Zum Beispiel darüber, was psychische Erkrankungen überhaupt sind. Sie sollen erfahren, dass es nicht verboten ist, darüber zu reden.“ Wunsch der drei ist es, auf Augenhöhe zu kommunizieren. Die Kinder sollen einfach einmal Zeit haben, Kind zu sein, bringen sie es auf den Punkt. Sie stellen aber auch klar: „Wir sind für die Kinder da, aber wir machen keine Therapie.“

Redelstorff freut sich, dass sie junge Menschen für ihre Idee begeistern konnte. Die Kinder bekommen einen schnelleren Zugang, und sie haben weniger Hemmungen ihnen gegenüber, ist sie sich sicher.

Für die Treffen stehen der Gruppe, die den Namen „Anker“ tragen soll, Räume in der Villa zur Verfügung. Die liegt schön zentral, freut sich Redelstorff. Ende Februar solls losgehen. Geplant ist, dass die Gruppe vierzehntägig dienstags von 16.30 bis 18 Uhr zusammenkommt. Zielgruppe sind Grundschulkinder zwischen sechs und elf Jahren. Maximale Gruppenstärke sind acht Teilnehmer. Zu Beginn werden auch mit den Eltern Gespräche geführt. Sie sollen wissen, in welche Hände sie ihre Kinder geben und sich selbst ein Bild von der Idee machen können.

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erstellt am 04.Feb.2017 | 16:00 Uhr

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