Wedel : Ehrendes Andenken an KZ-Opfer

„De Lofstem“ am Mahnmal: 80 Puttener Sängerinnen und Sänger stimmen zu Ehren der KZ-Opfer Choräle an.
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„De Lofstem“ am Mahnmal: 80 Puttener Sängerinnen und Sänger stimmen zu Ehren der KZ-Opfer Choräle an.

Besuch aus Putten zur Gedenkveranstaltung in der Rolandstadt: Über Leid und Schuld sind Freundschaften gewachsen.

shz.de von
18. November 2013, 12:00 Uhr

An den Bussen herrscht Wiedersehensfreude, als die Gäste aus Putten vor der Gebrüder-Humboldt-Schule ausstiegen und mit ihren Wedeler Gastgebern zusammentrafen. Schon auf dem kurzen Fußweg bis zur Mensa entspannen sich freundschaftliche Gespräche, so beginnt die Begegnung – 69 Jahre, nach dem Oktober 1944, als Nazischergen 661 Puttener Männer in Konzentrationslager verschleppten, einige auch in die Außenstelle Wedel des KZ Neuengamme. 552 von ihnen kamen damals um.

Das ehrende Andenken an die Opfer ist für deren Nachfahren zu einem jährlich wiederkehrenden Anlass für die Reise nach Norddeutschland geworden. Dass daraus eine Art Städtefreundschaft wurde, hat viel mit den Wedelern zu tun, die auch diesmal wieder keine Mühe scheuten, den Besuchern ein herzliches Willkommen zu bereiten. Bis ins letzte Detail war alles sorgsam organisiert, die Mensa für das gemeinsame Mittagessen liebevoll geschmückt, das Menü einfallsreich aus einem mageren Budget hervorgezaubert, danach die Weiterfahrt zum Friedhof mit dem eigentlichen Gedenken auf Mahnmal für die Naziopfer minutiös geplant.

Die Besucher aus Putten waren beeindruckt: „So perfekt kriegen wir das nicht hin, wenn die Wedeler uns besuchen“, gestanden einige von ihnen ein. Anders sah das Irmgard Jasker vom Arbeitskreis der Stadt Wedel gegen Rechtsradikalismus und Ausländerfeindlichkeit, die seit etwa 20 Jahren die Begegnungen mit den Puttenern koordiniert: „Bei denen werden wir immer geradezu fürstlich bewirtet. Wir dagegen können ihnen mit unseren knappen Mitteln gerade mal Würstchen mit Kartoffelsalat vorsetzen“, meinte sie kleinlaut. Aber das Essen war Nebensache.

Zu Herzen gehende Begrüßungsworte

Jaskers schlichte, zu Herzen gehende Begrüßungsworte machten deutlich, welch großartigen Beitrag zur Überwindung von Hass und Leid Menschen aus Putten und Wedel im Laufe zurückliegender Jahrzehnte geleistet haben. Dass sie sich heute auch mit unbeschwertem Humor begegnen können, demonstrierte Maarten Slooves in seiner Erwiderung. Pastor Hans-Günter Werner sprach die Tischgebete, Pieter Dekker von der Puttener Stiftung Oktober 44 rief das Unrecht und Elend in Erinnerung, das auch heute noch den dunklen Hintergrund der jährlichen Begegnungen bildet. Sein Wunsch: Es möge als lebendige Erinnerung zukünftige Generationen vor solchen Grausamkeiten bewahren. Grußworte einiger Politiker beendeten den Auftakt.

Danach ging es zum Friedhof. Mit knapp 120 Personen waren die Puttener in diesem Jahr angereist. Etwa 80 von ihnen waren Sängerinnen und Sänger im Chor „De Lofstem“. Ihr stimmgewaltiger Auftritt am Gedenkstein schuf den würdevollen Höhepunkt und Abschluss des Stopps in Wedel, ehe die Reise der Puttener weiterging – nach Ladelund, dem KZ-Standort an der dänischen Grenze, an dem sich Holländer und Deutsche seit Jahrzehnten am Volkstrauertag begegnen.

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