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Hilfe für Flüchtlinge in Wedel : Ehrenamtliche Helfer haben ein wirksames Unterstützernetzwerk aufgebaut

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Aus einem Runden Tisch, der im vergangenen Herbst karitative Organisationen und Interessierte, die helfen wollen, zusammenführte, ist eine tatkräftige Truppe hervorgegangen.

shz.de von
erstellt am 17.Sep.2015 | 16:15 Uhr

Wedel | „Die Bereitschaft in Wedel, den Flüchtlingen zu helfen, steigt weiter“, freut sich Martin Schumacher. Der Wedeler ist einer von vielen Helfern, die in der Rolandstadt ein breitgefächertes Unterstützernetzwerk aufgebaut und damit eine beeindruckende Willkommenskultur etabliert haben. Aus einem Runden Tisch, der im vergangenen Herbst karitative Organisationen und Interessierte, die helfen wollen, zusammenführte, ist eine tatkräftige Truppe hervorgegangen, die mittlerweile in drei Gruppen wirkt: Es gibt die „Begleiter“, den „Sprachtreff“ und das „Willkommens-Café“.

Begleiter helfen den Flüchtlingen, sich in der Fremde zurechtzufinden. Sie nehmen einen Neuankömmling unter ihre Fittiche, zeigen ihm die Institutionen, gehen mit zum Arzt, zum Amt, zum Rechtsanwalt, übersetzen behördliche Post und helfen bei Schulanmeldungen. Wer sich für eine Begleitung entscheidet, schenkt vor allen Dingen Zeit. 20 Wedeler lotsen zur Zeit einen Flüchtling, weitere Helfer sind willkommen.

Die „Beschaffer“, eine Untergruppe der Begleiter, organisieren und koordinieren Sachspenden. Schumacher und seine Nachbarin Sabine Cole haben sich zufällig in der Aufgabe getroffen und gehen sie mit großem Elan und Einfallsreichtum an. „Freunde von Freunden von Freunden haben immer etwas“, erklärt Cole das Prinzip. Viele hätten Vieles doppelt, das sie gern weggeben. „Ich empfinde es als wunderbar, wie leer mein Keller geworden ist“, erklärt Cole. Sie holten gern Dinge aus Nachlässen und Haushaltsauflösungen ab, ergänzt Schumacher, „aber wir sind kein Räumdienst“, gibt er zu bedenken. Ein großes Lager existiert nicht. Die beiden organisieren Spenden nach Bedarf. Im Grunde seien es immer die gleichen Sachen: Fahrräder, Schulranzen, Wäscheständer, Stehlampen, Fernseher, Bettwäsche, Rucksäcke, Fußbälle, Aktenordner und Teppiche beispielsweise. „Ein Syrer ohne Teppich kann keinen Besuch empfangen“, erklärt Cole. Was sie allerdings nicht bräuchten: Kuscheltiere. Ein großer Teil der Wedeler Flüchtlinge seien alleinreisende Männer.

Jede Woche kommen zehn Menschen

Als private Ergänzung zu den VHS-Kursen haben die Helfer den Sprachtreff eingerichtet. Dort werde versucht, auf unterschiedliche Bedürfnisse einzugehen. Besonderes Augenmerk liegt auf denen, die noch gar nichts können. Und auf älteren Frauen mit Kindern, die häufig an die Wohnung gebunden sind. „Wir freuen uns über jeden ehemaligen Lehrer, der einmal die Woche mit Flüchtlingskindern Schularbeiten macht“, wirbt Schumacher.

Etwa 350 Flüchtlinge hat Wedel bereits aufgenommen, jede Woche kommen zehn Neuankömmlinge hinzu. Erste Anlaufstelle, Informationsdrehscheibe und Austausch-Treff ist für sie das Willkommens-Café, das jeden Dienstag von 15 bis 17 Uhr in der Höbüschentwiete 11 auch für interessierte Wedeler seine Türen öffnet. Mittlerweile kämen jedes Mal 50 bis 60 Besucher. Ein großes Zusammentreffen von „Kannste mal, willste mal, haste mal“, schildert Cole anschaulich. Seit Kurzem ist dort auch W-Lan installiert.

Für die Mobilität sind Fahrräder für die Flüchtlinge sehr wichtig, erklären die Helfer. Fahrradhaus Langbehn, Rolandstraße 1, nimmt ab sofort dienstags von 9 bis 13 Uhr ausrangierte Fahrräder entgegen, um sie kostenfrei zu überholen. Holger Riedel steht dafür mittwochs zwischen 12 und 18 Uhr in der alten Stadtbücherei bereit. Zwei Beispiele engagierter Wedeler Unternehmen. „Bei aller Dankbarkeit für Geld und Sachspenden, am wichtigsten sind noch mehr Menschen, die bereit sind, Zeit aufzubringen, um Flüchtlinge zu betreuen“, formuliert Helferin Ute Wichmann den dringendsten Bedarf. 

„Flüchtlinge willkommen“ heißt der Button auf der Startseite von www.wedel.de, der über Hilfsangebote, Abgabestellen, Spendenaktionen, Adressen und Telefonkontakte informiert. Ansprechpartnerin für die Gruppe „Begleitung“ ist Ingrid Reye: 04103/902211, für die Gruppe „Sprachtreff“ Wiltrud Klein: 0176/72134423 und für die Gruppe „Willkommens-Café“ Heike Brinkop: 04103/918712. Der Integrationsbeauftragte der Stadt Wedel, Joachim Rose, ist unter 0175/1833174 zu erreichen, Behnaz Samadi, VHS-Verantwortliche für Flüchtlingsbegleitung, unter der Nummer 04103/915497.
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