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Zu Besuch bei Indiens freien Frauen : Dokumentation in der Stadtbücherei Wedel

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Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Stadtbücherei Wedel zeigt am 29. April zwei Dokumentarfilme über das matriarchalisch lebende Volk der Khasi.

shz.de von
erstellt am 09.Apr.2016 | 10:00 Uhr

Wedel | Dagmar Margotsdotter-Fricke blickt in die Ferne, um ganz nahe liegende Probleme zu lösen. Die Wedelerin erforscht Matriarchate auf der ganzen Welt und glaubt, dass wir viel von diesen Gesellschaften lernen können. Am Freitag,29. April, zeigt sie drei Dokumentarfilme zu diesem Thema in der Wedeler Stadtbücherei im Rosengarten 6. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei, die Filme werden von 14 bis 20 Uhr mit Pausen gezeigt.

Vor etwa einem Jahr stellte Margotsdotter-Fricke den Film „Wo die freien Frauen wohnen“ vor, der von ihren Reisen zum Volk der Mosuo in China berichtete. Diesmal soll der Fokus auf dem indischen Subkontinent – ein Teil der Welt, bei dem viele Europäer erstmal nicht an Gleichberechtigung und fortschrittliche Frauenbilder denken. Im Nordosten des Riesenstaats, im Bundesstaat Meghalaya leben die Khai, ein Volk von 1,1 Millionen Menschen. Die Gesellschaft der Khasi ist matrilinear und matrilokal organisiert, ein Umstand, der auch in der Verfassung verankert ist. Während des Filmnachmittags zeigt Margotsdotter-Fricke gemeinsam mit Uschi Madeisky die Filme „Die Töchter der sieben Hütten“ und „Die Tochter – eine Clansaga aus dem Matriarchat der Khasi“. Die beiden Dokumentationen von 1997 und 2011 begleiten eine Khasi-Großfamilie.

Die Khasi kennen traditionellerweiser – bis auf Schmuck – kein Privateigentum. Das Oberhaupt eines Clans ist eine Frau und zwar die jüngste Tochter einer Familie. Diese übernimmt die Verantwortung und verwaltet den Besitz des gesamten Clans. Diese „Khaddu“ behält die Position meist ein Leben lang und vererbt sie dann wieder an ihre jüngste Enkelin. „Die jungen Frauen können das Amt allerdings auch ablehnen“, betont Margotsdotter-Fricke. Die Matriarchats-Expertin stellt außerdem klar, dass die „Khaddu“ keine absolute Macht ausübt. „Entscheidungen werden nach dem Konsensprinzip getroffen, es wird sehr viel geredet . Es sieht im ersten Moment umständlich aus, dafür halten die Beschlüsse dann auch lang.“

Ein weiteren Einblick in matriarchalische Völker erhalten Gäste der Stadtbücherei durch dasie Fotopräsentation „Matriarchal Journeys“ von Beatriz zu Hohenlohe. Die Fotografin und Ethnologin besuchte zahlreiche matriarchalische Kulturen auf der ganzen Welt. Ihre Fotos werden als Video in Dauerschleife während des Filmnachmittags zu sehen sein.

Margotsdotter-Fricke ist der Ansicht, dass auch die westlichen Gesellschaften viel von matriarchalische Kulturen lernen können. Beispielsweise das Konsensprinzip, Respekt vor der Selbstbestimmung der Frauen sowie ein Fokus auf soziale Werte statt Gewinnstreben.

Für Dagmar Margotsdotter-Fricke umfasst der Begriff „Matriarchat“ eine Gesellschaft, die nach Familienclans unterteilt ist, die ihre Abstammung über die mütterliche Linie ableiten (Matrilinearität), Ahnenverehrung mit Bezug auf mütterliche Figuren  und eine relativ egalitäre Lebensweise pflegen. Margotsdotter Fricke stellt aber selbst klar, dass keineswegs alle Merkmale in allen „matriarchalischen“ Kulturen vollständig ausgeprägt sein müssen. Dennoch gilt eine derartig umfassende Definition einer Gesellschaft als „matriarchalisch“ in der Völkerkunde  als umstritten. Die einzelnen Elemente Matrilinearität und Matrilokalität (der Ehemann wird Teil der Familie seiner Frau und lebt dort) sind aber von vielen Völkern auf der ganzen Erde bekannt. Derartige Sozialstrukturen gibt es oder gab es  beispielsweise bei den Minangkabau auf Sumatra, den Mosuo in China, den Tuareg in Nordafrika und den nordamerikanischen Irokesen und Navajo.
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