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Kampf gegen Personalnot : Die Wehr in Wedel am Limit

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Brix: Müssen in neuen Dimensionen denken. „Bei Tageseinsätzen sind wir am absoluten Limit“.

shz.de von
erstellt am 05.Jun.2015 | 10:00 Uhr

Wedel | Mehr Einsätze, weniger Leute: Eine Verhängnisvolle Formel, die Wedels Feuerwehr-Verantwortliche Alarm schlagen lässt. „Bei Tageseinsätzen bewegen wir uns am absoluten Limit“, sagt Uwe Brandt, stellvertretender Wehrführer. Gerade einmal 15 von 90 Kräften an normalen Werktagen sind in der Regel verfügbar. Eine erschreckend geringe Zahl, muss Jürgen Brix, als Ordnungsamtsleiter im Rathaus zuständig für Feuerwehrangelegenheiten, konstatieren.

Zwar sei die Wehrfähigkeit noch gegeben – „aber auf niedrigstem Level“ sagt Brandt. „Das, was wir machen müssen, kriegen wir gerade noch hin. Aber es ist absehbar, dass es nicht mehr funktioniert“, so der Hauptbrandmeister, der als einer von drei Feuerwehr-Gerätewarten fest bei der Stadt angestellt ist.

Probleme würden insbesondere die Kleineinsätze bereiten. Während bei Alarmierungen wie Feuer oder „Menschenleben in Gefahr“ noch ausreichend Kräfte mobilisiert werden könnten, sei die Situation etwa bei technischer Hilfeleistung, Amtshilfe für Rettungsdienst und Feuerwehr oder Rauchmelder- und Brandmeldeanlagen-Alarmierungen zunehmend problematisch. Das sind weit mehr als zwei Drittel der zwischen 300 und 350 Einsätzen für Wedels Wehr pro Jahr.

Gründe für die geringe Verfügbarkeit sind vielfältig. Brix und Brandt nennen außer dem Schwund an Aktiv-Kräften vor allem die Arbeitsverhältnisse. Vielfach sind die ehrenamtlichen Feuerwehrleute nicht oder nur schwer abkömmlich. Gemeinsam mit der Verwaltung wird daher nun auf breiter Fläche mobil gemacht, um Wedels Feuerwehr zukunftsfähig zu aufzustellen.


Mission Zukunft für Wedels Wehr

Ordnungsamtsleiter Jürgen Brix nennt ein ganzes Bündel an Maßnahmen und konzeptionellen Überlegungen, die derzeit im Gespräch oder bereits in der Umsetzung sind. Dazu zählt zum einen Mitgliederwerbung – auch auf ungewöhnlichen Wegen. Ganz gezielt hat etwa Bürgermeister Niels Schmidt seine gut 300 Mitarbeiter in einem Schreiben eingeladen zu einer Kennenlern-Aktion, die Lust auf den Dienst für das Wohl der Stadt und seiner Bürger machen soll. Mit guter Resonanz, wie Brix berichtet. Zudem gibt es zwei Dienst-Abende, an denen Interessierte in voller Montur Übungen mitmachen und sich informieren können.

Laut dem stellvertretenden Wehrführer Uwe Brandt wird außerdem an Möglichkeiten gefeilt, um Bauhofmitarbeiter während ihrer regulären Dienstzeit ins Einsatzgeschehen einzubinden. Kooperationen mit dem städtischen Betrieb gibt es bereits, etwa bei der Beseitigung von Ölspuren, für die der Bauhof das entsprechende Spezialfahrzeug und gegebenenfalls auch Menpower vorhält. Unterstützung erhält die Wehr seit kurzem auch durch eine Verwaltungsfachkraft, die dem ehrenamtlichen Vorstand in der Geschäftsführung zuarbeitet.

Brandt erinnert in dem Zusammenhang daran, dass nicht nur das Einsatzgeschehen, sondern auch Brandschutzerziehung – etwa in Schulen, – und Aufklärung zu Pflichtaufgaben der Kommune zählen und zunehmend Kapazitäten binden. Allein in 2014 fielen in diesem Bereich 356 Stunden an.

Wehrführer Michael Rein hat jüngst die Politik über die aktuellen Probleme und mittelfristigen Herausforderungen informiert. Um die Fraktionen dafür zu sensibilisieren, dass man am Ende möglicherweise auch über Personal-Mehrkosten sprechen muss. Denn die günstige Konstellation, dass der ehrenamtliche Wehrführer und sein ebenfalls im Ehrenamt tätiger Stellvertreter Stadtangestellte sind, ist nicht von Dauer. Rein wie auch Brandt haben beide entschieden, mit Ende ihrer Amtszeit 2020 und 2021 nicht erneut zu kandidieren. Eine Wehrführung mit Amtsinhabern aus der freien Wirtschaft? Brandt weiß sicher: „Da bleibt Arbeit liegen.“

„Hier müssen wir Lösungen erarbeiten“, sagt auch Brix. Eine wäre etwa eine Stelle im Rathaus, in der die Feuerwehrangelegenheiten gebündelt werden, zu besetzen mit einem aktiven Feuerwehrmann. Man müsse in neuen Dimensionen denken, weiß Brix: „Das ist eine Herausforderung.“

Feuerwehr-Dienst zum Mitmachen bietet Wedels Wehr an zwei Dienstagen an. Am 9. und 23. Juni jeweils ab 19 Uhr können Interessierte an der Wache in der Schulauer Straße 101 vorbeischauen. Anmeldungen sind nicht erforderlich. Informationen unter Telefon 04103-912210 sowie im Internet unter www.feuerwehr-wedel.net.
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