„Die Wedeler sind hart im Nehmen“

Tausende Besucher waren am Sonnabend zur Hauptbühne gekommen und feierten gemeinsam.  Fotos: Bastian Fröhlig
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Tausende Besucher waren am Sonnabend zur Hauptbühne gekommen und feierten gemeinsam. Fotos: Bastian Fröhlig

Sportwelt leidet unter Gewitter und Hagel / Tausende Besucher feiern mit ESC-Teilnehmer Michael Schulte am Sonnabendabend

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17. Juni 2019, 13:00 Uhr

Wedel | Ungläubig war der Blick von Hauke Sievers. Der Organisator des 20. Wedeler Hafenfests hatte kurz vor dem Auftritt von Michael Schulte, im vergangenen Jahr Vierter beim Eurovision Song Contest (ESC), am Sonnabendabend einen Blick über die weiße Plane, die den VIP-Bereich abschirmte, geworfen und konnte nicht fassen, was er sah: „Das ist ja noch richtig voll geworden.“ Tausende Besucher wollten den Top-Act des Hafenfests sehen. Dabei sah es zunächst ganz anders aus.

„Am Freitag war das Hafenfest gut besucht. Der Sonnabend war dann absolut durchwachsen. Wir sind in Sachen Wind und Hochwasser einiges gewohnt, aber das war auch neu für uns“, sagte Sievers. Am Sonnabendvormittag, genau in der Aufbauphase, gab es Starkregen, Blitze und Hagelkörner – teilweise so groß wie Walnüsse. „Als ich auf dem Weg hierher war, habe ich das schlimmste befürchtet. Ich dachte, die Sportwelt ist leer“, sagte Claudia Reinhard, Geschäftsführern von Wedel Marketing. Doch sie irrte sich. „Auf die Wedeler ist einfach Verlass.“ Die Vereine waren wortwörtlich zusammengerückt. Wer sein Zelt schon aufgebaut hatte, suchte Schutz vor dem Unwetter und bot Standnachbarn ein schützendes Dach. „Wir hatten keine Probleme. Plastik kann Hagel nicht ab, aber wir verbringen ja ganze Wochenenden draußen – egal, bei was für einem Wetter“, sagte Markus Emerich von der Mittelaltergruppe Schlangenschrein. „Ich war froh, dass ich nicht mit dem Boot draußen war. Da hätte ich ja einen Helm gebraucht“, sagte Udo Wilkens vom Verein zum Erhalt der Helgoländer Börteboote.

„Ich dachte, jetzt hat uns das Wetter voll erwischt. Die ganze Wiese am Willkomm Höft stand unter Wasser“, berichtete Reinhard. Doch irgendwann ließ der Regen nach und die Sportvereine bauten ihre Angebote auf. „Die Wedeler sind hart im Nehmen“, bilanzierte Reinhard.

Allerdings eher die Aussteller als die Besucher. Denn die blieben fern. „Es tut mir vor allem für die Vereine leid. Marktbeschicker kennen das Geschäft und wissen, dass das Wetter mal gut und mal schlecht ist, aber die Ehrenamtlichen haben so viel Arbeit investiert, die nicht belohnt wird“, sagte Reinhard. Erst am Nachmittag füllte sich zum Entenrennen und mit trockenem Wetter die Hafenmeile. Allerdings war das Unwetter noch nicht durchgestanden. „Wir mussten die Bühne zwischenzeitlich für eine Viertelstunde sperren“, erläuterte Sievers. Windstärke 9 war zu viel und zu riskant für die Künstler. „Es bestand aber keine Gefahr und wir mussten auch nicht über einen Abbruch nachdenken“, sagte Sievers.

Je später der Abend, desto mehr füllte sich die Hafenmeile. „Ich war im vergangenen Jahr schon hier und war begeistert“, sagte Marcel Kruse aus Tangstedt. Annabelle Ahrens aus Halstenbek war bei Facebook darauf aufmerksam geworden und hatte Freundin Saski Schumacher aus Hamburg überzeugt. „Wir wollten den Abend in der Sonne ausklingen lassen. Das Unwetter habe ich für die Uni genutzt“, sagte Schumacher. Anna Jundt und Sinje Rosemann aus Hamburg waren spontan in den Hafenfest-Trubel geraten. „Eigentlich wollten wir in den Beachclub, aber jetzt feiern wir halt hier“, sagten die Freundinnen. Trotz des Wetters? „Es ist Juni“, sagte Jundt und Rosemann vollendete den Satz: „Da wollen wir draußen sein.“

Sonntag gab es dann teilweise fast subtropische Verhältnisse. Die Besucher stürmten schon früh in die Kulturmeile. „Unter dem Strich haben wir etwa so viele Besucher wie im Vorjahr und können absolut zufrieden sein“, sagte Reinhard. Das sah auch Bürgermeister Niels Schmidt (parteilos) so: „Es war wie jedes Jahr eine tolle Veranstaltung. Wir haben Feste für die Wedeler wie das Weinfest oder das Bikefest. Mit dem Hafenfest wollen wir aber Menschen von außerhalb nach Wedel locken und dass ist uns wieder gelungen.“ Auch dank ESC-Teilnehmer Schulte. „Wir wollen Musiker, die man nicht auf jedem Stadtfest sieht. Und da haben wir in den letzten 20  Jahren einiges geboten. Das wollen wir auch zukünftig beibehalten.“

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