Die Villa: Wedel steigt ein

Betrieb des Beratungszentrums ab 2019 in Stadt-Regie / Mitarbeiter werden übernommen

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10. November 2018, 16:00 Uhr

Bisher waren es Beratungen und Beschlüsse hinter verschlossenen Türen. Jetzt hat der Rat in öffentlicher Sitzung beschlossen: Die Stadt wird das Beratungs- und Kommunikationszentrum Die Villa ab 2019 als städtische Einrichtung betreiben und die Mitarbeiter auf 1,4 Stellen für die Fortführung des Angebots übernehmen. Ein Beschluss mit deutlicher Mehrheit, lediglich die CDU hat sich enthalten.

Die Christdemokraten bemängelten ein unkonkretes Konzept, das auch durch städtische Übernahme nicht konkreter werde, so der CDU-Sozialausschussvorsitzende Julian Fresch. Da seine Partei keine Aussicht auf eine Mehrheit habe, werde sie auch den Antrag aus dem Fachausschuss, nach alternativen Räumlichkeiten für die Angebote zu suchen, nicht erneut stellen, so Fresch. CDU-Fraktionschef Michael Kissig monierte zudem, dass die Zielgruppe, die in der Leistungsvereinbarung mit dem ehemaligen Träger Miko Kinder- und Jugendhilfe beschrieben war, nicht erreicht worden sei und drängte auf bessere Kontrollinstrumente. Bürgermeister Niels Schmidt (parteilos) verwies daraufhin auf Jahresberichte, die in der Vergangenheit nicht von der Politik beanstandet worden seien.

Tatsächlich hätten vor allem jüngere Menschen angesprochen werden sollen, sagte Schmidt gestern auf Nachfrage. Es sei aber zu erkennen, dass im Schnitt die Nutzer merklich älter als in Kinder- und Jugendzentrum oder in der Teestube seien und das die offenen Beratungsangebote stark von Menschen in psychischen Belastungssituationen genutzt würden, so Schmidt. Auch diesem zunehmenden Bedarf will Wedel nach der Betriebsübernahme weiter nachkommen. Schmidt nannte offene Angebote für Menschen in Belastungssituationen, Bewerbungshilfe und Berufsorientierung auch für Ältere und Menschen mit Migrationshintergrund sowie offenen Angebote für Erwachsene in den Abendstunden als Beispiele der Villa-Arbeit. Was die Zukunft der Musik-Initiative mit Band-Keller und kleiner Bühne im Haus angeht, sieht Schmidt keinen Handlungsbedarf. „Das Thema stand nicht auf der Tagesordnung, und wir wollen auch die räumliche Struktur nicht ändern“, so der Bürgermeister.

Die Übernahme des Betriebs in dem städtischen Gebäude sei nahezu kostenneutral für Wedel. Neben der Fortführung eines notwendigen Angebots biete sich für die Stadt zudem eine größere Flexibilität: So könnten die Mitarbeiter im Bedarfsfall auch an anderen Stellen eingesetzt werden. Zudem stünden keinen Vertragsbindungen mit anderen Trägern im Weg, sollte das Gebäude doch einmal zur Disposition stehen. Aktuell sei dies nicht der Fall, sagte Schmidt, zumal sich gezeigt habe, dass es anderenorts in Wedel keine Kapazitäten für die Angebote gebe.

SPD, Grüne, WSI, FDP und Linke begrüßten ausdrücklich die Fortführung des Betriebs der Villa in Eigenregie. Gerade Menschen mit „schwierigen Biografien“ bräuchten eine zentrale Anlaufstelle als psychosoziales Zentrum, so Heidi Keck (SPD). Die Villa halte ein „niedrigschwelliges Angebot für Personengruppen, die dies dort auch annehmen“ vor, hob Andrea Spangenberg (FDP) hervor.

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