Die vielen Facetten der Kunst

Heinz Wernicke startet seine Kunst-Installation.
Heinz Wernicke startet seine Kunst-Installation.

Experimentell: Photo.Kunst.Raum-Team stellt im Stadtmuseum und im Immanuelturm Unikat-Bücher, Fotos, Filme und Installationen aus

shz.de von
05. Juli 2018, 16:00 Uhr

Carmen Oberst knipst wo sie geht und steht. Und auch ihr künstlerischer Mitstreiter lässt die Videofunktion seines Fotoapparats laufen, während das Team um die Hamburger Künstlerin vom neuesten Ausstellungsprojekt in Wedels Stadtmuseum und im Turm der Immanuelkirche berichtet. Alles scheint den Künstlern Material, Leben ein kreativer Akt. „Ich denke in Netzwerken“, erläutert Oberst, die ihr Hamburger Atelier Photo.Kunst.Raum als Treffpunkt, Ideen-Werkstatt und kreative Kraftzelle versteht. „Ich versuche Verbindungen herzustellen, in erster Linie zwischen Menschen, aber auch zwischen Kunstorten.“ Gemeinsam mit acht weiteren aus ihrem Team macht die Gruppe wieder einmal Station in Wedel. Die poetische Schau, die am kommenden Sonntag, 8. Juli, von 15  bis 17 Uhr Vernissage feiert, ist mit dem Titel „Wasser – Wolken – Wind – Freudenquell und Naturgewalten“ überschrieben und zeigt Unikat-Bücher sowie Fotografien, Filme und Installationen.

Zwar hängen Fotoarbeiten ganz klassisch an der Wand, doch auch auf Unkonventionelles dürfen sich die Besucher freuen. „Mir ist der zweite Blick wichtig“, kommentiert Wieland Beck seine Inszenierung, für die er ein dreigliedriges Foto schief hinter eine Vitrine geklemmt hat, die er so im Stadtmuseum vorgefunden hat. Er beziehe die Gegebenheiten mit ein, erklärt er. Auch Alltägliches wie den Treppenbogen nutzt Beck für seine Kunst. Der Betrachter werde so auf Entdeckungsreise geschickt, die ihn zu genauem Hingucken animiere.

Heinz Wernicke hat mitten in den Raum eine Installation platziert, die alte Fotos in lange Streifen schneidet. „Ich mache nichts kaputt“, sagt er lachend. „Ich mache etwas neues daraus.“ Wichtig ist dem Künstler das, was entsteht: der Haufen, der unter der Maschine immer größer wird. Darauf ist wiederum ein Projektor gerichtet, der Comic-Videos von Oberst abspielt. Für Wernicke ist das ein zweifacher Ausdruck von Wandel und Lebendigkeit. Die Projektionsfläche verändert sich ständig und der Film liefert fortwährend bewegte Bilder. Der Besucher dürfe in seine Installation übrigens gern eingreifen, betont er. Ein Zuschauer habe zum Beispiel schon einmal die Streifen genommen und miteinander verwebt, so Wernicke lachend.

Im hohen Turm der Immanuelkirche hat Helena Rennkamp ihre Rauminstallation „Erlösung“ aufgebaut. Drei neue, großformatige Arbeiten – Acryl, Öl und Tusche auf Leinwand – hängen dort. Sie sind als Fortsetzungen ihrer vergangenen Ausstellung „Letters to Universe“ gedacht, in der sich die Künstlerin mit dem Sterben im Mittelmeer auseinandersetzte. Der mit altem Segelstoff überzogene Hocker in der Mitte, auf den sich der Besucher gern hinsetzen darf, soll an ein Floß oder Rettungsboot erinnern, erläutert Rennkamp. Steine und kleine Schälchen – Seelengefäße – bilden die Verbindung vom Boden zu den Bildern.

Sie habe den starken Wunsch, im Hier und Jetzt zu leben, erläutert Oberst, die stets quirlig auf ihr Gegenüber zugeht. Um auch die Kapazitäten für ihre experimentellen Projekte dort heraus zu entfalten, klärt sie weiter auf. Für die Vernissage hat die Künstlerin eine Performance vorbereitet.

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