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Die Tücken der Hilfsbereitschaft : Die Tücken der Hilfsbereitschaft

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Sozialkaufhaus lehnt Tisch-Spende eines Wedelers ab. Awo-Projektleiter rechtfertigt Vorgehen mit dem Konzept der Einrichtung.

Wedel | Gerhart Hartmann wollte nur helfen. Seinen ausrangierten Esstisch wollte der Wedeler einer Flüchtlingsfamilie zur Verfügung stellen und wandte sich daher an die Stadt. Dort verwies man ihn an das Sozialkaufhaus der Arbeiterwohlfahrt (Awo). Als die Mitarbeiter das Möbelstück abholen wollten, erlebte Hartmann jedoch eine unliebsame Überraschung. „Die haben den zerlegten Tisch fünf Sekunden angeschaut und sofort gesagt: ‚Der hat Gebrauchsspuren, den können wir nicht an die Stadt verkaufen’“, erinnert sich der Wedeler.

Hartmann ist sauer. „Es waren Kratzer in der Tischplatte, aber da kann man doch einfach eine Tischdecke drüberlegen.“ Viel mehr ärgert sich Hartmann aber, weil bei ihm der Eindruck entstanden ist, die Awo würde mit der Not der Flüchtlinge Profit machen.

Wolfram Gambke ist Projektleiter der Awo und für die Sozialkaufhäuser im Kreis zuständig. „Es tut mir leid, wenn sich der Herr vor den Kopf gestoßen gefühlt hat“, betont er im Gespräch mit dieser Zeitung. Falls sich die Mitarbeiter im Ton vergriffen haben sollten, bedaure er dies. Das Vorgehen sei jedoch grundsätzlich korrekt gewesen. Ja, das Sozialkaufhaus verlange Geld für Möbel und Kleidung. Auch wenn die Stadt Wedel einkauft, um Flüchtlingswohnungen auszustatten. Gewinn werde jedoch auf keinen Fall gemacht. „Wir sind gemeinnützig und dürfen keinen Profit machen – im besten Fall steht am Ende eine schwarze Null.“ Von den Einnahmen werden die laufenden Kosten gedeckt. Die Sozialkaufhäuser müssen Verkaufs- und Lagerräume anmieten, Fahrzeuge leasen und Mitarbeiter bezahlen. Zu den Festangestellten kommen Ehrenamtler und Mitarbeiter, die vom Jobcenter gestellt und so wieder ins Berufsleben eingegliedert werden. Die Sozialkaufhäuser sollen damit sowohl Arbeitslose fit fürs Berufsleben machen und Menschen mit schmalem Geldbeutel eine günstige Möglichkeit zum Einkaufen bieten. Wer ins Sozialkaufhaus kommt, sei aber ein Kunde, kein Bittsteller, so Gambke. Es wird also nichts verschenkt, die Waren seien aber auch in einem sehr guten Zustand. In diesem Punkt käme es häufiger zu Missverständnissen. Gambke: „In den Augen der Leute sind ihre alten Möbel vielleicht kein Sperrmüll, aber im Sozialkaufhaus können wir sie nicht anbieten.“ Ein kostenloses Angebot für Flüchtlinge wolle man im Sinne der Gleichbehandlung nicht vorhalten. „Wir überreichen aber jedem Neuankömmling einen Gutschein über 15 Euro zum Einkauf in den Sozialkaufhäusern“, so der Projektleiter.

Die Wohnungen der Flüchtlinge werden von der Stadt Wedel mit einem Tisch, einem Bett, Stühlen und einem Schrank ausgestattet, erklärt Stadtsprecherin Stefanie Bossen. Diese Möbel beziehe die Verwaltung unter anderem auch von der Awo. „Für einen Tisch zahlen wir dann zwischen 20 und 50 Euro“. Ein eigenes Möbellager wäre für die Kommune ein zu großer logistischer Aufwand, daher könnten keine Privatspenden direkt angenommen werden.Diese Lücke füllen ehrenamtliche Helfer aus der sogenannten „Beschaffer-Gruppe“. Ein Ansprechpartner ist Martin Schumacher. „Wir haben ein Lager in der Stadt und holen einmal in der Woche Möbel ab“, berichtet der Flüchtlingshelfer. Das System funktioniere gut. Wer Möbelstücke verschenken möchte, erreicht Schumacher unter der E-Mail-Adresse schumacher@elbekontor.de.

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erstellt am 16.Mär.2016 | 16:00 Uhr

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