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Datenturbo für Wedel : Die Stadtwerke steigen beim Breitband ein

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Schnelles Internet bis Januar 2016. „WedelNet“ soll Internet, TV und Telefonie bieten.

shz.de von
erstellt am 26.Mär.2015 | 10:00 Uhr

Wedel | Davon hat Wedel lange geträumt: Bis spätestens Januar 2016 steht ein nahezu flächendeckendes Hochgeschwindigkeitsnetz für die Rolandstadt. Es wird Surfen, Telefonieren, Fernsehen über das Internet mit einer Geschwindigkeit von bis zu 100 Mbit/s ermöglichen. Dies teilten die Stadtwerke Wedel mit.

Der städtische Versorger nutzt in Kooperation mit der Telekom als Netzbetreiber den Breitband-Ausbau, um selbst ins Telekommunikationsgeschäft einzusteigen – nicht nur in Wedel. Auch in Holm, in Teilen von Hetlingen und im Hamburger Westen bis Blankenese werden die Stadtwerke Internet, Telefonie und TV über die Datenleitung anbieten. Name der neuen lokalen Telekommunikations-Marke: „WedelNet“.

Die Telekom setzt bei dem Netzausbau auf die so genannte Vectoring-Technik. Sie ermöglicht es, die Daten über die vorhandene Kupfer-Telefonleitung ins Haus zu schicken. Damit entfallen Installationen und Erdarbeiten auf Privatgrundstücken.

Bis Januar 2016 soll der Datenturbo gezündet werden. „Wir freuen uns, dass die Stadtwerke ein neues Geschäftsfeld erschließen und  ein nachhaltiger Beitrag zur Verbesserung der Infrastruktur geleistet wird“, sagte Bürgermeister Niels Schmidt gestern während einer Pressekonferenz. Der Investitionsanteil der Stadtwerke in den Netzausbau liegt bei einer halben Million Euro.

Vorstellung des neuen Geschäftsfeldes

„Ab heute sind wir auch Internet-Anbieter“. Es klang fast euphorisch, als Stadtwerke-Geschäftsführer Adam Krüppel am Mittwoch das neue Geschäftsfeld des städtischen Versorgers vorstellte: „WedelNet“. Spätestens ab Januar 2016 gibt’s Internet, Telefonie und Fernsehen über die Datenleitung im Zeichen der neuen lokalen Marke.

Beim Einstieg ins Telekommunikationsgeschäft kooperiert der Wedeler Versorger mit dem deutschen Branchenriesen Telekom. Der Vertrag für die Netznutzung steht bereits. Das Netz selbst soll bis Ende des Jahres nahezu flächendeckend ertüchtigt werden. „Es ist eine Leistung der Stadtwerke, dass wir jetzt an diesem Punkt sind“, sagt Aufsichtsratsvorsitzender Michael Kissig.

Das Versorgungsunternehmen steckt rund eine halbe Million Euro in die neue Infrastruktur. Eine überschaubare Summe angesichts von 40 Millionen Euro, die für den Bau eines eigenen Glasfasernetzes kalkuliert worden sind. „Diese Investition wäre nicht realisierbar gewesen“, sagt Krüppel. Bereits vor Jahren habe man sich daher auf die Suche nach einer risikoloseren und günstigeren Lösung gemacht.

Die heißt Vectoring und nutzt die vorhandenen Kupfer-Telefonleitungen, um Daten mit bis zu 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) in die Häuser zu bringen. Den Netzbetrieb stellt die Telekom sicher. Damit müssen die Stadtwerke kein eigenes Personal dafür bereithalten. Anders bei der Technik beim Kunden selbst. Hier soll ein Rundum-Sorglos-Paket angeboten werden. 24 Stunden an sieben Tagen die Woche Service: „Wir kommen auch Heiligabend und wechseln einen defekten Router noch um 22 Uhr aus“, wirbt Krüppel für sein neues Produkt.

Vectoring erklären die Stadtwerke als Technik, die mit den vorhandenen Kupferkabeln das Internetnetz bis zu viermal schneller macht. Für den Ausbau  sind Glasfaserkabel nur bis zu Schaltschränken zur Kabelverteilung der Leitungen innerhalb eines Fernsprech-Ortsnetzes notwendig. Danach wird die „Vectoring-Technik“ in den Verteilerkästen  eingeführt. Noch in 500 Meter Entfernung vom Verteilerkasten lassen sich an der bereits vorhandenen Telekomdose Geschwindigkeiten bis zu 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) realisieren. Neuverkabelung in Haus und Garten entfallen. Beim Hochladen bietet Vectoring bis zu 40 Mbit/s.

Alles aus einer Hand und vor Ort, als Leistung des lokalen Traditionsunternehmens selbst: Genau mit diesem Pfund will „WedelNet“ wuchern. Und sich gegen die Konkurrenz durchsetzen – etwa die Telekom selbst. Denn nutzen können das ertüchtigte Netz auch andere Anbieter. Dass die Telekom dabei die Stadtwerke als so genannten Reseller, als Unternehmen, das Dienstleistungen ihrerseits weiterverkauft, unter Vertrag genommen haben, sei deutschlandweit ein Novum, so Krüppel.

Bürgermeister Niels Schmidt begrüßte gestern ausdrücklich den Vorstoß der Stadtwerke. Es gebe nicht unerhebliche Bereiche in Wedel, die im Telekommunikationsbereich unterversorgt seien. Schmidt nannte etwa das Moorweggebiet und das Elbhochufer. „Das wird sich bis Anfang 2016 verbessern.“

Zudem sei diese Dienstleistung ein weiterer Baustein, um Paketlösungen für Investoren bei Ansiedelungen und Grundstücksvermarktungen bieten zu können, so Schmidt. Kissig sieht gute Chancen für das neue Geschäftsfeld selbst. Es gehe nicht nur darum, die Versorgung in Wedel zu verbessern: „Das muss sich auch rechnen und wirtschaftlich sein.“ Kunden können die Stadtwerke nicht nur in Wedel, sondern auch in Holm, Teilen von Hetlingen sowie Rissen, Sülldorf, Iserbrook und Blankenese werben. Auch dort wird der Datenturbo bis Anfang 2016 gezündet.

Bleibt die Frage nach den Preisen – eben die blieb gestern offen. Derzeit werden sie noch kalkuliert und sollen so früh wie möglich kommuniziert werden, sagte Krüppel auch mit Blick auf die Mitbewerber. Der Preis könne indes nicht der einzige Faktor sein, so Schmidt. Er baue auch auf das Vertrauen der Bürger in einen lokalen Anbieter, verdeutlichte der Bürgermeister. Dazu Kissig: „Wir werden vielleicht nicht die billigsten, aber konkurrenzfähig sein.“

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