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Wedel : Die Stadt plant einen Zehn-Millionen-Coup

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

6,9 Millionen Euro Erträge in 20 Jahren: Investition bei der Stadtsparkasse soll zur Haushaltssanierung beitragen. Es handele sich um ein „geringes, vertretbares Risiko“.

Wedel | Geldnot macht erfinderisch. Mit einem Zehn-Millionen-Euro-Coup will Wedel auf neuen Wegen zu neuen Einnahmequellen kommen. Der Deal: Die Stadt leiht sich Geld zu aktuellen Top-Zins-Konditionen und legt es bei der Stadtsparkasse an, um selbst satt Zinsen zu kassieren. So viel, dass der Zehn-Millionen-Kredit bedient wird und dabei eine sechsstellige Summe über ist, die in den Stadtsäckel fließen kann.

Gut drei Millionen Euro sollen so in den kommenden zehn Jahren für Wedel zusammenkommen. Über den gesamten Investitionszeitraum von 20 Jahren verspricht sich die Kämmerei fast 6,9 Millionen Euro von dem Geschäft.

Die Details: Die Stadt nimmt über ein Kommunaldarlehen zehn Millionen Euro zu einem Zinssatz von etwa 2,3 Prozent auf. Die Tilgung wird so gestaltet, dass über besagten 20-Jahre-Zeitraum noch fünf Millionen Euro Restschuld stehen bleiben. Die Stadt investiert ihrerseits fünf Millionen Euro in einen so genannten nachrangigen Sparkassenbrief, ebenfalls mit einer Laufzeit von 20 Jahren. Das Ganze fest verzinst, zum Zeitpunkt der Modellrechnung mit rund 4,4 Prozent pro Jahr.

Die anderen fünf Millionen Euro gehen an die Sparkasse zwecks Erhöhung des Kernkapitals. Der Zinssatz dafür liegt bei sechs Prozent pro Jahr. Bedeutet für Wedel laut Rechnung der Verwaltung: Unterm Strich bliebe ein Netto-Ertrag von durchschnittlich knapp 344 000 Euro pro Jahr. Entspricht einer durchschnittlichen Verzinsung von 3,44 Prozent – Tilgung und Kreditzinsen bereits rausgerechnet. Und laut Stadt sind auch keine Steuern mehr für diese Erträge fällig, weil sie unter die Vermögensverwaltung fallen.

Für Bürgermeister Niels Schmidt liegen die Vorteile dieses Geschäfts klar auf der Hand: „Es wäre eine Win-Win-Situation.“ Für die Stadt gebe es eine sichere Rendite, und die Stadtsparkasse könne durch Stärkung ihres Eigenkapitals ihr Geschäftsvolumen erhöhen. Wobei Schmidt betont: Für das Finanzunternehmen besteht keineswegs die Notwendigkeit einer solchen Eigenkapitalstärkung. Die Sparkasse Wedel sei gesund, würde schon heute die Kriterien nach Basel III erfüllen und eine angemessene Rendite erwirtschaften. Sie habe zudem habe die Möglichkeit, dieses Geschäft auch mit anderen Partnern zu machen, so Schmidt. „Aus enger Verbundenheit zu der Stadt hat sie es aber Wedel angeboten, um angesichts der Finanzlage die Möglichkeit zu bieten, laufend Erträge zu generieren“, so der Verwaltungschef.

Und die Risiken? Die bewertet die Verwaltung als „gering“ und „vertretbar“. Schmidt: „Hinter dem Konstrukt steht die Seriosität des Sparkassenverbands.“ Es sei davon auszugehen, dass dieser und die Sparkasse selbst gegebenenfalls einer möglichen Schieflage entgegenwirken lange bevor es an das von Wedel eingesetzte Kapital gehe. Selbst im Unterstützungsfall hätten Sparkassen zudem Zinszahlungen auf zusätzliches Kernkapital geleistet. Und Sparkassenpleiten seien bisher weder dagewesen noch wahrscheinlich.

Der Haupt- und Finanzausschuss wird sich in der nächsten Sitzung mit der Beschlussvorlage befassen. Grundsätzlich hat das Gremium im Vorfeld bereits der Vorbereitung dieses Geschäfts zugestimmt.

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erstellt am 27.Aug.2014 | 12:00 Uhr

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