Wohnbauprojekt : Die Sorge um ein altes Stück Wedel wächst

Seit Erteilung des Einvernehmens, das einen Erhalt des Hauses in der Pinneberger Straße 2 einschließt, scheint das Gemäuer von 1898 zunehmend zu verfallen. Das rief die Grünen auf den Plan.
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Seit Erteilung des Einvernehmens, das einen Erhalt des Hauses in der Pinneberger Straße 2 einschließt, scheint das Gemäuer von 1898 zunehmend zu verfallen.

Das Gemäuer von 1898 an der Pinneberger Straße 2 verfällt zunehmend. Politiker fordern Erhalt.

shz.de von
09. Februar 2018, 12:00 Uhr

Wedel | Farbe blättert ab von der Fassade, Bauzaunteile sind verschoben oder umgeworfen, Risse ziehen sich über weite Teile der Außenwand – einer von so beträchtlicher Größe, dass es scheint, gleich würde ein Teil des Hauses abbrechen: Das alte Wohngebäude neben der abgebrochenen ehemaligen Schlosserei in der Pinneberger Straße 2 – es bietet ein trauriges Bild des Verfalls. Ein Bild, das nicht unbemerkt blieb in der Politik, die im April 2016 mit dem Einvernehmen für ein Wohnbauprojekt inklusive Altbausanierung an dieser Stelle etwas ganz anderes vor Augen hatte.

Entsprechend besorgt waren die Grünen, die das Thema im Planungsausschuss auf den Tisch brachten. Insbesondere der augenscheinlich wachsende Riss in der Fassade brachte Fraktionschef Olaf Wuttke zu der lauten Überlegung, ob nicht ein Instandsetzungsgebot – die behördlich angeordnete Behebung der Mängel – angebracht wäre. „Welche Möglichkeiten sieht die Stadt?“, fragte Wuttke. „Es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass gewartet wird, bis nur noch ein Abriss infrage kommt.“

Hintergrund: Es war der Erhalt des Gemäuers aus dem Jahr 1898, das seinerzeit ausschlaggebend für die Zustimmung des Planungsausschusses zu dem Bauprojekt gab. Das Mehrfamilienhaus, das neben dem Altbau und im rückwärtigen Teil entstehen und 14 Wohnungen haben soll, stieß bei mehreren Fraktionen auf Kritik.

Instandsetzung zur Auflage gemacht

„Fantasielos“, heiß es etwa von der SPD, die gegen das Vorhaben votierte, während die Grünen von „Tristesse“ sprachen. Martin Schenk vom Hamburger Architektenbüro Schenk und Waiblinger hatte seinerzeit beschwichtigt: Es handle sich um ein frühes Projektstadium. Klar sei jedoch, dass der Altbau „mehr strahlen soll“ als der Neubau.

Es gebe die Auflage, dass das historische Gebäude erhalten bleibt, teilte die Verwaltung zu Wuttkes Vorstoß mit. Die Stadt habe dies im Blick. Erst im Sommer 2017 sei die Baugenehmigung erteilt worden, die drei Jahre Gültigkeit habe. Mittlerweile sei auch ein Baubeginn angezeigt. Dass die Arbeiten derzeit ruhen, sei mutmaßlich den Witterungsbedingungen geschuldet.

Das reichte Wuttke nicht aus. „Aber aufgefordert zur Sicherung hat man den Bauherrn nicht?“, stellte er mehr fest als er fragte. Auch Martin Schumacher (FDP) hakte ein: Eigentlich entspreche der Neubau nicht dem Altstadtcharakter, aber in Kombination mit dem Altbau sei das Projekt akzeptzabel, fasste der Liberale den Tenor der Diskussion bei der Erteilung des Einvernehmens zusammen. „Wenn man das Gebäude nun verfallen lässt, erlischt dann auch das Baurecht?“ überlegte auch Schumacher laut.

Auf Tageblatt-Anfrage hieß es gestern von Schenk und Waiblinger: Dem Unternehmen HS Bau sei nach wie vor sehr am Erhalt des historischen Hauses gelegen. Der Altbau werde sehr aufwändig saniert, die Fassade zur Straße in ihrer jetzige Form bleibe bestehen. Aktuell vertiefe ein Statiker die ersten Berechnungen. Die Verzögerung erklärte Architektin Sara Masoumi unter anderem mit einer späten Erteilung der Baugenehmigung. Ihr Büro habe die Ausführungsplanung mittlerweile an einen örtlichen Architekten abgegeben.

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