Die Multi-Power-Frau

Karin Kost neben einer ihrer am Elbufer entstandenen Fotografien.
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Karin Kost neben einer ihrer am Elbufer entstandenen Fotografien.

Das Porträt: Fotografieren ist ihre Leidenschaft, aber auch in vielen anderen Bereichen ist Karin Kost aktiv

shz.de von
01. März 2018, 16:00 Uhr

Karin Kost geht spazieren, wenn sie Entspannung sucht. Was sie an Unerledigtem von gestern mit sich herumträgt, gleitet ab. Was sich als zukünftige Hürden vor ihr aufbauen will, verblasst für eine Weile. Und umso intensiver erlebt sie den Moment. Um den nicht gleich wieder zu verlieren, ist sie mit Kamera unterwegs. Fotografieren ist ihre Leidenschaft.

Viel mehr als ein Hobby! Wer sie auf Facebook findet (kostbar photography by karin kost), kommt angesichts der fotografierten Vielfalt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Gerne verblüfft sie mit nebensächlichen Details, die durch ihre Linse aus der Unscheinbarkeit heraustreten und bedeutungsvoll werden. Das Hinterteil eines Eichhörnchens etwa, das sich gerade durch einen Zaun zwängt, eine träge Katze, die einen Schraubenzieher anblinzelt, von ablaufendem Wasser gekräuselter Strand, schmelzendes Eis an Fensterscheiben, ein zerschlissener Reifenschlauch.

Wenn sie nicht am Elbufer in Wedel flaniert, dann vielleicht in Schottland, Irland, Spanien oder Skandinavien. Überall dort, wie sie mit dem Wohnmobil Ferien machen kann. Reisen ist Kosts zweite Leidenschaft.

Bei der Fülle ihres fotografischen Werkes könnte man vermuten, sie mache unentwegt Ferien. Weit gefehlt. Die Wahl-Wedelerin schafft es auf kaum begreifliche Weise, an vielen Orten und in vielerlei Funktion ihre Wirkung zu entfalten. Ehrenamtlich ist sie Vorsitzende der Wedeler Tafel, beruflich erledigt sie die Lohn- und Finanzbuchhaltung für das Kinderhaus am Pinnasberg in Hamburg-St. Pauli. Nebenbei studiert sie am Hamburger ILS-Institut für Lernsysteme.

Nicht zuletzt ist sie Ehefrau und Mutter. Nach Wedel kam sie 1994, weil die Rolandstadt in ihren Augen der beste Ort war, ihre beiden Söhne großzuziehen. Dass ihr Mann gebürtiger Wedeler ist, hat die Entscheidung sicherlich mitbeeinflusst. Kaum hier angekommen, hat sich Kost gleich in der lokalen Politik engagiert. Sie gehörte bis 2007 der SPD-Fraktion an, als Bürgerliches Mitglied im Planungsausschuss. Der damalige Mangel an Kita-Plätzen trieb sie an. Die Politik sei sehr spannend gewesen, erinnert sich Kost an diese Zeit.


Eigentlich wollte sie Friseurin werden

Ihr langjähriger Hamburger Arbeitgeber, die Hamburg-Mannheimer Versicherungs AG, fusionierte 1997 und gehört seitdem der Ergo Group in Düsseldorf an, mehrheitlich wiederum von der Munich Re kontrolliert. Das kostete sie ihren Arbeitsplatz als Chefsekretärin. So kam Kost auch beruflich in Wedel an, zunächst als leitende Verwaltungskraft der Arbeiterwohlfahrt, danach in der Verwaltung der MIKO Kinder- und Jugendhilfe, dann als Fachassistentin der Agentur für Arbeit. Danach war sie eine Zeit lang Personalsachbearbeiterin der „Badebucht“, dann noch einmal zurück zur Arbeitsagentur, diesmal als Arbeitsvermittlerin mit Beratungsaufgaben in Uetersen und dann noch ein paar Monate als Event-Organisatorin der City-Copter am Flugplatz Heist.

Dabei wollte die gebürtige Kapitänstochter aus Emden, Ostfriesland, eigentlich Friseurin werden. Als Fernziel schwebte ihr Maskenbildnerin vor. Doch den Traum musste Kost sich abschminken. Schuld war die sogenannte „Friseur Krätze“, die ihr das Arbeiten mit den ätzenden Chemikalien der Kosmetikindustrie unmöglich machte.

Kost träumte daneben aber auch von einem guten Verwaltungsjob. Schon als Zwölfjährige hatte sie einen Schreibmaschinenkursus absolviert. Stenografie beherrschte sie ebenfalls und da ihre Familie inzwischen nach Bremen übergesiedelt war, gab es bei der Jobsuche große Auswahl. Die Radiofirma „Nordmende“ wurde 1983 ihr erster Arbeitgeber.

Das alles ist schon eine spannende, wechselvolle Lebensgeschichte, aber noch immer nicht komplett. Es fehlt der sportliche Aspekt: In ihrer Jugend hat Kost sich als Kunstturnerin Sporen erworben. Inzwischen ist sie unter die Bogenschützen gegangen und trainiert beim TSV Holm – gemeinsam mit ihrer vierköpfigen Familie. Außerdem nimmt sie Schlagzeugunterricht an der Musikschule in Sülldorf.

Wann also findet sie Zeit zum Müßiggang, zum Spazierengehen am Elbufer? Sie scheint das selbst nicht recht zu wissen. Aber sie geht dort spazieren. Ihre wunderschönen Fotos beweisen das.

Einige ihrer Werke sind in den Räumen der Tafel zu sehen, im Kronskamp 132, andere in der Bahnhofstraße 30 bei „Fähe – Mode und Accessoires“. Und natürlich im Internet auf ihrer Homepage unter www.kostbar-photography.net.



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