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Chor in Wedel sucht neuen Leiter : Die Melodie seines Lebens

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

30 Jahre lang leitete Helmuth Brügmann den Spitzerdorf-Schulauer Männergesangverein. Nun tritt er mit 84 Jahren zurück.

Er stand mit internationalen Stars wie Josephine Baker auf der Bühne, trat jahrelang mit der Band „Die Canaris“ auf, oft gemeinsam mit Schlagerstar Roberto Blanco, er ist in der Hamburger Agentur für professionelle Kirchenmusiker – und seit 1984 Leiter des Spitzerdorf-Schulauer Männergesangvereins: Helmuth Brügmann. Der 84-Jährige tritt dieses Jahr zurück. Er möchte nach 30 Jahren ein bisschen Ruhe haben. Der Chor sucht deswegen einen neuen Leiter.

„Ich war ein Freak, saß immer am Klavier“

Ein Rückblick: Brügmann ist in Moorrege geboren, lebt in Heist. Mit fünf Jahren saß er das erste Mal am Klavier, mit acht bekam er Unterricht in Uetersen. „Das war sehr teuer damals, fünf Reichsmark haben meine Eltern dafür gezahlt. Manchmal brachte ich eine Schale Erdbeeren als Bezahlung“, erinnert er sich. Es war eine gute Investition. Denn er und die Musik, das gehört zusammen wie Violin- und Bassschlüssel beim Klavierspielen. Brügmann sagt von sich selbst: „Ich war ein Freak damals, ich habe immer am Klavier gesessen.“ Meistens spielte er auswendig, noch heute. Die Musik, sie war in seinem Leben nicht die Begleitstimme, sie war die Melodie. Nach seiner Schulzeit erhielt er im Zweiten Weltkrieg ein Stipendium an der Musikhochschule Sondershausen in Thüringen. Trotz der schwierigen Nachkriegszeit absolvierte er erfolgreich ein Musikstudium in Hamburg, er spielt Klavier, Fagott und Kontrabass.

Sein erstes Engagement: beim Soldatensender BFN (British Forces Network) in der Musikhalle Hamburg. Chris Howland moderierte die Sendung.

Brügmann wurde Mitglied im Show-Orchester des Komponisten und Dirigenten Juan Llossas. Viele Tourneen ins Ausland folgten, unter anderem trat er gemeinsam mit Mario Weber und Vico Torriani auf. Für Josephine Baker spielte er auf ihrer Skandinavien-Tour. „Das war natürlich schmeichelhaft, so einen großen Star auf der Bühne am Flügel zu begleiten“, sagt er.

Mit der Band „Die Canaris“ war er ab 1963 unterwegs. 25 Jahre lang traten sie bei Galas und anderen Veranstaltungen auf, vor allem in Norddeutschland. Brügmann bleibt dennoch bescheiden und sagt rückblickend: „Ich habe viel Glück gehabt.“ Er habe zum Beispiel nie eine Bewerbung für seine Anstellungen schreiben müssen. „Alles lief über Empfehlungen.“ Von Glück spricht auch Bernd Schumacher, der Vorsitzender des Wedeler Chores. Glück, dass Brügmann die Leitung übernahm. Damit „läutete er eine neue Ära ein“, so Schumacher. Neue Lieder kamen zum Repertoire hinzu, sie sangen nun vierstimmig – das traute Brügmann den heute 57 Männern zu. Er schrieb viele Stücke um, passte sie an. „Über 600 Arrangements haben wir heute“, sagt Schumacher stolz. Dazu gehören sogar Gospellieder, herausfordernd für einen reinen Männerchor sei das.

Als Brügmann im März 2003 einen Schlaganfall hatte, war die Sorge um ihn groß. Doch nach einem Reha-Aufenthalt sagte er zu Schumacher: „Keine Bange, ich komme bald wieder.“ Das tat er. Und Schumacher gibt zu: „Da hatte ich Tränen in den Augen.“

Am 16. August 1984 war der erste Auftritt unter Brügmanns Leitung, in diesem Jahr wird der Letzte sein. Voraussichtlich zum 30-Jährigen, am 16. August. Mit Sicherheit singen sie dann auch einen ihrer Klassiker: „My way“ von Frank Sinatra. „And now, the end is near. And so I face the final curtain. I’ve lived a life that’s full. I’ve traveled each and every highway. But more, much more than this, I did it my way. “ Heißt es darin. Das passt.

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erstellt am 14.Jan.2014 | 12:00 Uhr

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