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Haseldorf/Moorrege : Die Marderhunde erobern die Marsch

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Der Moorreger Jäger Helmut Fricke hat die tierischen Einwanderer mit der Kamera beobachtet.

shz.de von
erstellt am 04.Apr.2015 | 16:00 Uhr

Haseldorf/Moorrege | Wölfe heulen noch nicht auf dem Deich, nachts aber treibt ein anderer tierischer Neubürger fast unbemerkt in Marsch und Geest sein Unwesen. Mit Kameras hat sich der Moorreger Jäger Helmut Fricke einen Überblick verschafft, wie sehr sich der Marderhund in der Region vermehrt hat. Das Ergebnis hat den Pharmazeuten im Ruhestand überrascht: „An allen zehn Stellen, die beobachtet wurden, tauchten praktisch in jeder Nacht Pärchen auf.“ Fricke geht davon aus, dass zwischen 50 und 100 Marderhunde in der Haseldorfer Marsch leben. „Damit haben wir einen zusätzlichen Faktor für einen weiteren Rückgang unseres Niederwilds“, resümiert Fricke.

Hase, Fasan, Rebhuhn – sie sind Leckerbissen für den Marderhund, ebenso Bodenbrüter wie Kiebitz und Lerche. Wie weit er auch heimische Raubwildarten verdrängt, sei noch nicht zu beurteilen, sagt Fricke. Der überaus scheue und nachtaktive pelzige Einwanderer versucht jedoch gern, Fuchs- und Dachsbaue zu besetzen, da er selbst keine Erdhöhlen baut.

Ein typisches Bild seiner nächtlichen Wandereigenschaften war im Außendeich auf der Brücke zum Naturschutzgebiet und im übrigen Außendeichgelände zu beobachten. Fricke: „Ich glaube, dass sich unter diesen Umständen am Boden brütende Vogelarten in den Naturschutzgebieten ohne Bejagung des Raubwildes schwer tun, ihre Gelege durchzubringen.“ Der Moorreger plädiert dafür, dass der Marderhund im Naturschutzgebiet bejagt werden sollte, was derzeit verboten ist. „Es kann nicht im Sinne des Naturschutzes sein, wenn die Bodenbrüter gefährdet sind“, so Fricke.

Jäger Helmut Fricke forscht mit Kameras in der Haseldorfer Marsch.  (Foto: Andrea Stange)
Jäger Helmut Fricke forscht mit Kameras in der Haseldorfer Marsch. (Foto: Andrea Stange)
 

Fuchs und Dachs haben offenbar Respekt vor dem neuen Mitbewerber. Auch das haben die nächtlichen Kamera–Recherchen ergeben. Wer beim Fressen die Priorität hat, wird in den kurzen Schwarz-Weiß-Video-Clips deutlich: erst kommt der Marderhund, Füchse trauen sich nicht ans tote Reh, der Iltis frisst nachts, tagsüber tun sich Raben gütlich.

Wie kann der Marderhund am weiteren Vormarsch gehindert werden? Fricke nennt die Fallenjagd. Die aber wird kritisch gesehen und ist sogar teilweise verboten. Fricke: „Artenschutz in einer dicht besiedelten Kulturlandschaft wie Deutschland bedarf einer Steuerung, um nicht die einen Arten zu Lasten der anderen zu gefährden.“

Der Marderhund stammt ursprünglich aus dem östlichen Sibirien, dem nordöstlichen China und Japan. Für Europa ist er ein Neozoon, also ein tierischer Neubürger. Im 19. Jahrhundert wurden Marderhunde in Westrussland ausgesetzt, um deren Fell zu nutzen. Zwischen 1928 und 1950 wurden in der Ukraine etwa 10.000 Tiere ausgesetzt. Seit 1960 breitet sich die Art in Deutschland aus. (Quelle: Wikipedia)
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