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Wedel-Schulauer Tageblatt

15. Dezember 2017 | 09:36 Uhr

Wedel : Die Lücken der Schulkindbetreuung

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Jessica Harmstorf benötigt dringend einen Platz in den Morgenstunden für ihre Tochter. Nachfrage laut Stadt zu gering.

shz.de von
erstellt am 13.Apr.2016 | 12:30 Uhr

Wedel | Jessica Harmstorf lebt in Wedel – ihre Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement absolviert die 34-Jährige aber im Hamburger Osten, in Hamm. Für die Mutter dreier Kinder bedeutet das: morgens um sieben das Haus verlassen, zwei Mal in der Woche sogar um sechs Uhr. Die einjährige Tochter wird dann in der Krippe betreut, die fünfjährige in der Kita – noch. Doch wenn sie im Sommer in die Schule kommt, steht die Mutter vor einem Problem.

„Ich möchte sie nicht allein zur Schule schicken und meinem zwölfjährigen Sohn auch nicht die ganze Verantwortung für die Geschwister aufbürden“, so Harmstorf. Sie benötige dringend einen Schulkindbetreuungsplatz in den Morgenstunden vor dem Unterricht. Doch ein solches Angebot gibt es in der Rolandstadt nicht. Die einzige Alternative ist die Hortbetreuung in der DRK-Kita im Moorweggebiet. „Dort sind aber alle Plätze bereits intern besetzt“, sagt die Mutter. Der Unterricht an der Moorwegschule beginnt um 8.30 Uhr – für den Nachmittag gibt es ein Betreuungsprogramm.

Harmstorff, die vorher selbstständig war, hat sich anderthalb Jahre um die Umschulung bemüht. In Wedel fand sie keinen Ausbildungsplatz. Eine private Lösung ist bisher noch nicht in Sicht. „Unsere Eltern leben nicht in der Gegend.“

Zuständig für die Schulkindbetreuung in Wedel ist Eike Binge von der Stadtjugendpflege. Sie hat Verständnis für Harmstorfs Situation. Eine Schulkindbetreuung am Morgen sei aber momentan angesichts der Haushaltslage und der kleinen Zielgruppe nicht darstellbar. „Es gab vor etwa acht Jahren einmal eine Betreuungsgruppe am Morgen. Zuletzt hat man sich dort nur noch um vier Kinder gekümmert“, so Binge. Eltern, die auf eine Betreuung am Morgen angewiesen seien, wären die Ausnahme in Wedel. Ein weiteres Problem: Die Nachfrage sei großen Schwankungen unterlegen. „Oft sagen die Eltern dann ab der zweiten Klasse: Jetzt kann das Kind auch mal allein zu Hause bleiben oder den Schulweg allein gehen.“ Da Personal eingestellt werden müsse, bräuchte die Stadt aber eine gewisse Planungssicherheit.

„Wenn wir Schulkindbetreuung am morgen einführen wollen, bräuchten wir mindestens eine vollständige Gruppe – also 25 Kinder. Außerdem müssten wir eine gewissen Planungssicherheit haben.“ Außerdem müssten diese Kinder alle aus dem Einzugsbereich einer Schule kommen. In einem solchen Fall könnte sich die Politik mit der Einrichtung befassen und möglicherweise Gelder bereitstellen. Die reguläre Schulkindbetreuung am Nachmittag baute die Stadt Anfang März aus. Auf Beschluss der Politik erhielt die Altstadtschule eine und die Moorwegschule zwei neue Gruppen zusätzlich. Insgesamt entstanden so 75 neue Betreuungsplätze. Die Maßnahme kostet die Stadt jährlich 80.000 Euro.

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