zur Navigation springen
Wedel-Schulauer Tageblatt

22. Oktober 2017 | 07:03 Uhr

Wedel : „Die Kunst ist ein Gottesgeschenk“

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Kulturforum Wedel präsentiert Arbeiten von Thomas Plum im Rathaus. Besucher erwarten Stillleben und farbintensive Erlebniswelten.

shz.de von
erstellt am 06.Feb.2015 | 16:00 Uhr

Wedel | Thomas Plum, locker in Jeans, T-Shirt und Sakko gekleidet, wirkt zurückhaltend und ernst. Das schmale Gesicht des 60 Jahre alten Malers hellt sich jedoch auf, wenn er über seine Kunst sprechen kann. „Ich habe die Kunst vererbt bekommen, mein Vater war auch Maler. Sie ist ein Gottesgeschenk.“ Nein, eine andere Arbeit kann er sich nicht vorstellen. „Der Drang Kunst zu machen, ist in mir, das ist mein Leben.“

Zur Eröffnung der aktuellen Ausstellung mit Werken von Thomas Plum im Wedeler Rathaus „Weiter geht’s im Weltgedümmel“ hießen sowohl Wedels Stadtpräsidentin Renate Palm als auch die Vorsitzende des Wedeler Kulturforums, Monika Dohmen, den Künstler willkommen.

Außer den annähernd 50 Gäste waren betrüblicherweise auch Rettungssanitäter und Notarzt erschienen – Andreas Braun, der als Redner angekündigt war, hatte einen Schwächeanfall erlitten. Für ihn sprang spontan ein Freund des Künstlers ein, Martin Dickel, und hielt stellvertretend die schriftlich fixierte Rede Baums. Darin ging es unter anderem anlässlich einer geplanten Ausstellung um einen Container voller Bilder: „Beim Auspacken breitete sich der wunderbare Plum-Kosmos vor uns aus, wir dachten an Rembrandt, van Gogh, Miro. Plums Bilder sagen: ‚Nichts ist, wie es scheint.’“ Eine schöne Charakterisierung Plums künstlerischer Intention.

Thomas Plum hat in Hamburg und Wien Freie Malerei studiert und eine Ausbildung zum Gemälderestaurator absolviert. Nach vielen Jahren in Hamburg lebt er nun im schleswig-holsteinischen Schönberg. „Ich wollte raus aus der Stadt, die wurde mir zu eng und zu voll mit Yuppies“, erklärt er seinen Rückzug aufs Land. Eine Flucht vor Oberflächlichkeit. Der gebürtige Mönchengladbacher sucht die Auseinandersetzung.

Wie kommt er zu seinen Themen und Motiven? „Mit offenen Augen durch die Welt gehen, das genügt“, sagt der Künstler. Stilistisch sei er verhaftet in der niederländischen Malerei des Barock und Rembrandt. Stillleben eigneten sich seiner Ansicht nach besonders, um Zeitgesche-hen darzustellen. Plums Bilder sind meist großformatige, farbintensive Erlebniswelten, die Geschichten erzählen. Eines seiner Anliegen ist Gesellschaftskritik. Er fordert den Betrachter auf, genau hin- und hineinzuschauen.

Sehgewohnheiten werden durchbrochen

Durch ungewöhnliche Zusammenstellungen und Anordnungen entstehen fast surreale Suchbilder, in denen mit Sehgewohnheiten gebrochen wird. Dem Maler geht es darum, aufmerksam zu machen, aufzurütteln. Wie in dem Bild „Was soll’s“, auf dem ein junges Paar sich scheinbar desinteressiert über eine Brüstung lehnt, während darunter in einer Collage ein Kämpfer mit Kalaschnikow, ein Kanonier, ein chinesischer General, dazwischen ein erschrockenes Kind und ein Mensch in Schutzanzug mit Gasmaske zu sehen sind – Protagonisten aktueller Katastrophen, die von vielen ignoriert werden.

Plum fokussiert auf ein Thema, indem er kontrastiert, scheinbar Unvereinbares zusammenbringt. Außerdem spielt er nach eigener Aussage gern mit der Doppel-deutigkeit. Dadurch soll dem Betrachter die Freiheit gelassen werden, individuell über die Bildaussage zu entscheiden.

Oder er nimmt Alltägliches wie italienische Espressotassen, die er vergrößert in den Mittelpunkt des Bildes stellt und ihre Bedeutung somit überhöht, was wiederum ihren Stellenwert in Italien verdeutlicht. Im Pop-Art-Charakter ist Plums neuestes Bild „Chicaz“ gemalt, das plakativ eine Reihe von aufgetakelten jungen Frauen zeigt. Sie alle ziehen den Betrachter mit ihren Blicken hinein ins Gemälde, fordern ihn scheinbar auf, zu wählen. Ein visueller Angriff, der sagt: „Komm her, entscheide dich.“

Die ungewöhnliche Ausstellung ist noch bis zum 6. März im Wedeler Rathaus zu sehen, der Eintritt ist frei.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen