„Wedel Will’s Wissen“ : Die Internetplattform steht vor dem Aus

Die Internetseite wird über die Pilotphase von einem halben Jahr nicht hinauskommen.
Die Internetseite wird über die Pilotphase von einem halben Jahr nicht hinauskommen.

Die Fraktionen streichen zukünftig die Mittel für das Bürger-Beteiligungs-Portal.

shz.de von
21. Januar 2015, 14:00 Uhr

Wedel | Bürgerbeteiligung über das Internet: Es war ein Experiment, das die Stadt mit dem Portal „Wedel Will’s Wissen“ als Form der aktiven Öffentlichkeitsarbeit angeschoben hat. Es wird über die Pilotphase von einem halben Jahr nicht hinauskommen. Mit breiter Mehrheit erteilte der Finanzausschuss der Verwaltung eine Absage, was die gewünschte Finanzierung des Angebots angeht.

Wie berichtet wären nach der kostenlosen Anfangszeit künftig 16.000 Euro pro Jahr für www.wedelwillswissen.de fällig. Geld, das die Politik angesichts der Haushaltslage nicht bereit ist auszugeben. Einzig die Linke stimmte für eine Fortführung. Damit wird auch das abschließende Nein im Rat zur Formsache.

Jörg Amelung, Projektverantwortlicher bei der Stadt, hatte zuvor noch einmal für die Fortsetzung geworben. Die Pilotphase sei ermutigend, auch wenn das Portal noch kein durchschlagender Erfolg sei. Die Verwaltung habe aber auch zunächst bewusst zurückhaltend agiert. Amelung hob den Mängelmelder als besonders positiv heraus: Er schaffe Transparenz, die Bürger könnten die Bearbeitungsfortschritte direkt verfolgen.

Grünen-Faktionschef Olaf Wuttke dagegen zeigte sich nicht so begeistert. Der Mängelmelder sei sicher sinnvoll. Er könne sich jedoch nicht vorstellen, dass sich das Instrument nicht auch auf Wedel.de unterbringen ließe. Was etwa den Bürgerdialog angehe, sei gar nichts gelaufen. „Da gibt es bessere Plattformen“, so Wuttke. Er konstatierte: Dafür sind 16.000 Euro zu viel Geld.

Amelung hielt dagegen: Das Portal sei sehr wohl dialogfähig. Man müsse sich nur langsam an solche Prozesse gewöhnen. „Das muss auch händelbar sein.“ Es seien zahlreiche Module der Plattform noch nicht genutzt worden. Auf Wedel.de dagegen seien sie gar nicht möglich, so Amelung.

Wolfgang Rüdiger (SPD) befand: „Das System ist wunderbar.“ Aber auch angesichts von nur 382 registrierten Nutzern könne man 16.000 Euro in der aktuellen Finanzlage Wedels besser anlegen. Bei der WSI klang das so: „Es hat seinen Wert, aber es passt nicht in die Hauhaltssituation.“ Dies sagte Finanzausschusschef Stephan Bakan.

Gefahr der „Kannibalisierung“

Ähnlich sah es Waldemar Herrmann (FDP). Zurzeit würden Einschnitte „in ganz anderen Bereichen“ vorgenommen. „Ich glaube, dass es der Bürger eher versteht, wenn wir hier sparen als woanders.“ Herrmann plädierte für eine kostenneutrale Lösung auf Wedel.de. Nicht möglich, erklärte Amelung wiederholt – oder aber deutlich kostenintensiver.

CDU-Fraktionschef Michael Kissig hatte da seine Zweifel. Er warnte zudem vor einer „Kannibalisierung“ von zwei verschiedenen Angeboten der Stadt im Internet. Zumal man etwa die auf dem neuen Portal angebotene Bürgersprechstunde auf Wedel.de erwarten würde. Außerdem werde bei dem Betrag von 16  000 Euro ausgeblendet, dass das Angebot auch Personalkosten verursache, so Kissig. „Und wir reden hier von einer Ausweitung der freiwilligen Leistungen – und das bei unserer Haushaltslage.“

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