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Kraftwerk Wedel : „Die Genehmigung muss entzogen werden“

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Anwohner berichten von neuem Partikelregen mit Ätzschäden an Autos und Terrassen. Habeck: Emissionen sind weiter zu reduzieren.

shz.de von
erstellt am 07.Sep.2017 | 18:11 Uhr

Wedel | Neue Welle der Empörung in Wedels Kraftwerks-Nachbarschaft: Wie Kerstin Lueckow, Sprecherin der Bürgerinitiative (BI) „Stopp! Kein Mega-Kraftwerk Wedel“, mitteilte , kam es am Mittwoch wieder zu Partikelausstößen aus den Schloten des Steinkohle-Meilers von Vattenfall. Mit gravierenden Folgen: Auf Pkw-Lack  seien deutliche Ätzflecken erkennbar, die nicht mehr zu entfernen seien.  Auch Terrassen in Kraftwerksnähe wiesen bleibende helle Flecken auf  an Stellen, wo Partikel niederregnen können. 

Laut Lueckow ist es der achte Vorfall dieser Art seit Anfang August, also nach der Revision. Vattenfall hat aus Sicht der BI sowohl was die Anzahl der Ausstöße als auch was die Schäden angeht die rechtliche Anordnung zur Minderung der Partikel-Emissionen inklusive Nachweis  nicht geschafft. „Was nützt das Nachweisen, wenn es hier Partikel regnet wie blöde und wir haufenweise Schäden zu beklagen haben“, sagte Lueckow. Die BI fordert daher nun von der Landesregierung respektive der Aufsichtsbehörde, dem Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR): „Die Betriebsgenehmigung muss entzogen werden.“

Keine Hinweise auf Gesundheitsgefahr

Davon ist in einer auf gestern datierten Mitteilung  aus dem zuständigen Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt Natur und Digitalisierung (MELUND), unterzeichnet von Minister Robert Habeck (Grüne) selbst, keine Rede. Tatsächlich sei  nach der Revision wiederholt von Partikelausstößen berichtet worden. Das LLUR habe  mehrfach die Wohngebiete besichtigt und Partikelproben genommen, die teilweise dem Kraftwerk zugeordnet werden konnten. Zudem seien Proben aus dem Kraftwerksschornstein genommen worden, die von einem unabhängigen Labor auf die chemische Zusammensetzung untersucht würden. Eine abschließende Stellungnahme stehe noch aus. Nach ersten Ergebnissen sei jedoch weiterhin keine Gesundheitsgefahr erkennbar, so Habeck. Er versichert aber: „Den neuerlichen Beschwerden vom 6. September wird das LLUR selbstverständlich nachgehen.“

Insgesamt hätten die durchgeführten Maßnahmen nach aktuellem Kenntnisstand zu ersten Verbesserungen geführt, heißt es aus dem Ministerium. Lediglich beim Anfahren komme es noch zu Emissionen kleinerer und insgesamt deutlich weniger Partikel. Zwar könne bei einem Kraftwerk dieser Größenordnung keine Null-Emission erwartet werden. Die Situation sei jedoch weiter nicht befriedigend, so Habeck. Die Partikelimmissionen seien weiter zu reduzieren. Auch Vattenfall selbst sehe da Nachbesserungsbedarf. Mit dem Betreiber seinen weitere Schritte vereinbart worden.

Entscheidung bis Oktober

Eine Ursache für den Partikelregen sei eine zu reichhaltige Eindüsung von Kalkhydrat gewesen. Die Menge sei kurzfristig reduziert worden. Bis Anfang 2018 werde eine besser steuerbare Dosierungsanlage eingebaut. Auf Grundlage des Nachweisberichts von Vattenfall, der  derzeit ausgewertet werde, entscheide das LLUR bis Anfang Oktober, ob kurzfristig weiter Maßnahmen zur Emissionsminderung getroffen werden müssen, heißt es aus dem MELUND.

Laut Habeck stellt Vattenfall auf Aufforderung des LLUR zudem parallel zur Bergerhoff-Messung wieder zwei Prüfplatten auf. So soll Art, Umfang und Zeit von Partikelausstoß dem Kraftwerk besser zugeordnet werden können. Lueckow reagiert gestern mit Unverständnis auf die Minister-Reaktion: „Von Verbesserung kann keine Rede sein. Satt eine Minderung hat es eine Verschlimmerung gegeben.“ Die Emissionsereignisse hätten nicht nur zugenommen, sondern die Partikel seien auch größer geworden. „Das LLUR muss unverzüglich einschreiten, so kann man hier nicht wohnen“, so Lueckow. „Das Umweltamt ist schließlich da, um die Bürger zu schützen, nicht die Betreiber.“

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