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Wedel : Die ersten drei Stolpersteine der Stadt sind installiert

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Künstler Gunter Demnig installiert Wedels erste drei Stolpersteine zum Gedenken an Karl Timm, Betty Elkeles und Helene Johannsen.

Wedel | Als Karl Timm sterben musste, war er noch keine 23 Jahre alt. Der Wedeler wurde am 3. November 1942 um 6.20 Uhr in einem Wald bei Dresden erschossen. Der Wehrmachtssoldat war zu spät in die Kaserne zurückgekehrt, nachdem er seine Freundin besucht hatte. Für das Naziregime Grund genug, ihn zum Tode zu verurteilen. Heute existiert nicht einmal mehr ein Foto von Timm. Doch seit gestern erinnert ein messingfarbener Stolperstein an das Schicksal des jungen Soldaten. Der Künstler Gunter Demnig hat die Plakette in den Boden der Bahnhofstraße eingelassen. Timms jüngerer Bruder Gerhard war bei der Zeremonie anwesend. Er lebt immer noch in Wedel.

Anschließend zog Demnig und die Gäste weiter in die Gärtnerstraße 17. Dort lebte einst die in Hamburg geborene Betty Elkeles. 1915 war sie in die Rolandstadt gezogen, ab dem 7. Januar 1928 lebte sie im Alters- und Pflegeheim der Stadt. Am 23. September 1940 wurde die Jüdin in die Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel verlegt und dort noch am selben Tag ermordet. Elkeles wurde 55 Jahre alt.

Den dritten Pflasterstein ließ Demnig zum Schluss im Schlosskamp 31 in den Boden ein. Diese Adresse war die Heimat von Helene Johannsen, geborene Struckmeryer. Die Wedelerin war die Frau des Kolonialwarenhändlers Theodor Johannsen, der ab 1915 eine Nährmittelfabrik in der Hafenstraße betrieb. 1908 zeigte Helene Johannsen erstmals Anzeichen einer psychischen Erkrankung. 1940 wurde sie in die Pflegeanstalt Meseritz-Obrawalde verlegt. Ihr Schwiegersohn Wilhelm Ladiges wurde 1944 über ihren Tod informiert.

Das des hingerichteten Soldaten und der beiden Opfern des Euthanasieprogramms ab jetzt in dieser Form gedacht wird, ist das Verdienst von Schülern der Gebrüder-Humboldt-Schule (GHS). Besonders die Morde an Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen waren Thema der Projektgruppe unter Leitung von Lehrerin Sonja Strecker. 17 Schülerinnen und Schüler, damals in der 9. und 10. Klassenstufe, stürzten sich in die Recherchearbeit und ließen nicht locker, bis die Politik der Verlegung der Stolpersteine zustimmte. Zuvor waren die Ergebnisse im Rahmen einer Ausstellung im Stadtmuseum präsentiert. Finanziert haben die Jugendlichen die Mahnmale selbst durch das Sammeln von Spenden.

Schüler legten Rosen am Stolperstein für Karl Timm nieder. (Foto: Willuhn)
Schüler legten Rosen am Stolperstein für Karl Timm nieder. (Foto: Willuhn)
 

GHS-Schulleiter Andreas Herwig sagte: „Ich bin stolz auf meine Schüler.“ Die Stolpersteine erinnerten an vergangenes Unrecht und mahnten, so etwas nie wieder geschehen zu lassen. Herwig: „Es ist nötig, es ist wieder nötig, es ist zunehmend nötig.“ Auch Bürgermeister Niels Schmidt (parteilos) freute sich, dass sich junge Menschen mit der Zeit der „dunklen Barbarei auseinandersetzen.“ Es sei ein gutes Signal, dass diese Generation nicht bereit sei, die Verbrechen der Nazi-Zeit zu vergessen. „Mögen die Stolpersteine dazu beitragen, dass Wedel, solche Zeiten nicht mehr erleben muss“, wünschte sich Schmidt.

 

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erstellt am 03.Dez.2015 | 00:32 Uhr

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