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SPD-Klönschnack in Wedel : Die Elbhochufer-Anwohner sind auf Zinne

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Kritik an Sperrmüllbergen, Parkplatzmangel und Kraftwerk. Sozialdemokraten wollen mit Netto-Pächter verhandeln.

shz.de von
erstellt am 23.Mai.2016 | 16:50 Uhr

Wedel | Vermüllung des Stadtteils, zu wenige Parkplätze, das Kraftwerk vor der Haustür und Rüpelradler auf dem Elbwanderweg: Die Bewohner des Elbhochufers brachten gestern beim Politischen Klönschnack der Wedeler SPD im Stadtteilzentrum mittendrin alles auf den Tisch, was ihnen auf der Seele lag.

„Man überlegt sich am Wochenende schon, ob man lieber den HVV nutzt oder doch erst nach Hause fährt, wenn die Besucher des Altenheims und am Willkomm Höft weg sind“, sagte eine Anwohnerin. Die Betroffenen forderten eigene Parkplätze. „Es steht nicht für jeden Anwohner ein Parkplatz zur Verfügung“, sagte der SPD-Vorsitzende Lothar Barop. Auf den Netto-Parkplatz, der oft frei sei, habe die Stadt keinen Zugriff. Kerstin Lueckow von der Bürgerinitiative „Stopp! Kein Mega-Kraftwerk Wedel“ berichtete von Gesprächen mit dem Pächter: „Er würde die Plätze gern zur Verfügung stellen, Pächter des Parkplatzes ist aber die Netto-Zentrale. Da muss die Stadt mal Kontakt aufnehmen.“

SPD-Ratsherr Manfred Eichhorn heizte die Diskussion deutlich an: „Die Situation, die Sie hier haben, haben Sie selbst geschaffen, weil jeder von Ihnen ein Auto hat.“ Nach dem lautstarken Protest der Einwohner beschwichtigte er: „Nicht ganz ernst gemeint. Aber als Fakt müssen Sie derzeit damit Leben, dass keine Parkplätze in ihrem Quartier geschaffen werden können.“ Willy Boom forderte eine Lösung für Wohnwagen und -mobile, die Stellplätze blockieren: „Es reicht mir nicht, wenn Sie sagen, wir können da nichts tun.“ Die SPD will nun ihrerseits das Gespräch mit dem Netto-Betreiber suchen. Zudem wolle man prüfen, ob ein Parkverbot für Wohnwagen und -mobile möglich sei.

Das Thema Müll wird sich nicht so leicht lösen lassen. „Müll ist ein ganz großes Problem hier“, sagte eine Anwohnerin. „Wo Müll ist, bekommt er schnell Junge“, bestätigte Barop. „Wir investieren pro Woche etwa 40 Stunden nur für das Thema Müll“, berichtete Immobilenverwalterin Erika vom Bruch, die zahlreiche Wohnungen im Quartier betreut. „Ich nehme zur Kenntnis: Der Mensch ist ein unvollendetes Wesen“, sagte Eichhorn. Boom war sicher: „Das Müllproblem werden Sie nicht lösen können. Die Menschen sind nicht edel genug. Das Parkplatzproblem können wir lösen.“

Anwohner und Politiker waren sich einig: Das Müllproblem ist nicht zu lösen.
Anwohner und Politiker waren sich einig: Das Müllproblem ist nicht zu lösen. Foto: Fröhlig
 

Der weitere Betrieb des Kraftwerks, die festgestellten zu hohen Quecksilberwerte und die Lärmentwicklung brachten die Einwohner richtig auf Zinne. „Es wird getrickst und gemauschelt. Da ist ein Filz da oben, der nicht mehr nachzuvollziehen ist. Es geht nicht mehr um die Bürger, sondern nur um Kapital“, schoss Boom gegen die Landesregierung. Zeit der Messungen, Häufigkeit, Absprachen mit Betreiber Vattenfall – die Liste der Vorwürfe wurde immer länger.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Thomas Hölck forderte die Bürgerinitiative auf, klare Beweise vorzulegen: „Dann kann ich auch etwas machen.“ Lueckow kündigte weitere Proteste an: „Mit motzen ist es nicht mehr getan. Am 18. Juni werden wir demonstrieren.“ Bisher habe man 100.000 Euro in Klagen investiert. „Das Geld wird nicht ausgehen“, so Lueckow. Eine Spenderin habe zugesagt, jeden Cent, den die Initiative in den kommenden vier Wochen erhält, zu verdoppeln.

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