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Sie sorgen für Sicherheit an der Elbe : Die DLRG-Retter läuten die Wachsaison im Strandbad ein

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Es geht wieder los: Ehrenamtliches Engagement an Wochenenden mit professioneller Ausrüstung.

shz.de von
erstellt am 09.Mai.2016 | 12:30 Uhr

Wedel | Der Elbstrand in Wedel: Wachleiter Jon-Henry Stockhusen, Michael Süling, Technischer Leiter Einsatz, und Martin Leuschner, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), beobachten einen Vater mit seinem Sohn, die bei Niedrigwasser einem großen Tanker nachschauen. „Die bekommen gleich nasse Füße und der Hund geht baden“, prognostiziert Schockhusen und zeigt in Richtung des neuen Wedeler Hafens. Denn von dort nähert sich eine Querwelle. Die beiden Spaziergänger schauen nur auf das Wasser, das vom Schiff zunächst angesaugt worden war und nun als Welle zum Strandbad zurückkommt. Die Welle von der Seite sehen sie nicht. Sekunden später erfüllt sich die Vorhersage. Die Welle trifft die Beine von hinten und der Hund muss kurz paddeln, um nicht unterzugehen.

„Baden ist an den Elbstränden offiziell nicht erlaubt, man kann aber nicht verhindern, dass Menschen dort ins Wasser gehen“, sagt Süling. Die Aufgabe der Lebensretter sei es, auf die Gefahren hinzuweisen. Von Freitag um 20 bis Sonntag um 18 Uhr ist die Station am Strandbad durchgehend mit sechs oder sieben Einsatzkräften besetzt. „Bei Brückentagen versuchen wir die Besetzung ebenfalls aufrecht zu erhalten“, sagt Süling rückblickend auf Christi Himmelfahrt und den Brückentag am Freitag. „Irgendwer hat immer frei und ist dann hier vor Ort“, sagt er. Wenn es die Einsätze erfordern, können die ehrenamtlichen Helfer in der Station auf Hilfe bauen. Die „Schnelle Einsatzgruppe“ (SEG) besteht aus 22 Mitgliedern und kann jederzeit zusätzlich alarmiert werden. Zudem unterstützen die Feuerwehr und auch die DLRG-Stationen aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen im Notfall. „Die Zusammenarbeit klappt sehr gut“, lobt Stockhusen und Süling ergänzt: „Erst wird geholfen und dann der Schriftkram erledigt.“

„Am Wochenende hatten wir eine tückische Kombination“, bilanziert Süling. Warme Temperaturen und an Vatertag reichlich Alkohol sorgten für besondere Aufmerksamkeit beim Wachteam. Doch insgesamt blieb es ruhig. Schnittverletzungen, Verbrennungen beim Grillen und alkoholbedingte Ausfälle gehören an solchen Tagen zum Alltag. „Das alles können wir perfekt abdecken“, sagte Süling. 88 Einsätze verzeichneten die Lebensretter an Land und im Wasser im vergangenen Jahr. „Kleine Hilfeleistungen wenn jemand ein Pflaster braucht oder ähnliches, zählen wir nicht mit. Das wäre gar nicht machbar“, sagt Leuschner. Denn die Lebensretter sind ehrenamtlich vor Ort.

„Es ist vielen vielleicht nicht klar, aber wir bekommen keinen Cent für unsere Arbeit und finanzieren unser Material aus Spenden“, erläutert Leuschner. „Wir haben hier kein Aldi-Equipment, sondern hochwertiges Material“, sagt Stochhusen. Dies koste entsprechend. Unterstützung von Kommune oder Kreisen gäbe es kaum. Dabei stünde die Anschaffung eines neuen Bootes und eines Einsatzfahrzeuges an. Leuschner: „Wir sind immer auf Spenden angewiesen.“ Süling würde sich zudem zusätzliche Helfer wünschen: „Eine vierte Wachgruppe wäre klasse.“

Aus der Wachstation koordinieren die DLRGler – hier Finn Mehrens – die Einsätze zu Land und zu Wasser. Sie haben den Schiffsverkehr immer im Blick.
Aus der Wachstation koordinieren die DLRGler – hier Finn Mehrens – die Einsätze zu Land und zu Wasser. Sie haben den Schiffsverkehr immer im Blick. Foto: Fröhlig
 

Vor allem geht es den Lebensrettern aber auch darum, die Besucher des Strandbads zu informieren. „Es ist wichtig, Gefahren richtig einzuschätzen, auf die Anweisungen vom DLRG zu hören und Kinder nicht unbeaufsichtigt zu lassen“, mahnt Leuschner. Doch trotz aller Warnungen nehme die Anzahl der Einsätze laut Süling zu. „Es ist wie auf der Autobahn. Je mehr los ist, desto mehr passiert.“ Laut Stockhusen werde das Material auf der Elbe immer größer: „Viele überschätzen sich, und es ist mehr Leichtsinn im Spiel.“ Die Warnung von Leuschner: „Am Besten ist es, sich nicht in riskante Situationen zu begeben.“ Gegen die Strömung der Elbe könne niemand anschwimmen. Wer doch in eine Gefahrenlage gerate und mitgerissen werde, solle mit der Strömung schwimmen. „Man würde nur Kraft verschwenden, wenn man versucht, einen festen Punkt anzusteuern“, sagt Stockhusen. „Gegen die Elbe hat keiner eine Chance.“

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