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Diakonie stockt das Personal aufWedel : Die Diakonie stockt das Personal auf

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

lüchtlingsbetreuung: Sandra Lüpping verstärkt das bestehende Team. Aufgaben haben sich in den letzten zwei Jahren gewandelt.

shz.de von
erstellt am 02.Aug.2017 | 16:00 Uhr

Wedel | „Damit wäre unser Team komplett“, freute sich Ludger Fischer, Leiter des Diakonievereins Migration gestern bei der Vorstellung von Sandra Lüpping. Die 25-Jährige wird die Flüchtlingsbetreuer Hüseyin Inak und Manuela Treff zukünftig bei der Integrationsarbeit in der Gärtnerstraße unterstützen, wo auch die Fahrradwerkstatt und der Nähtreff untergebracht sind.

„Es war gar nicht so einfach, einen geeigneten Kandidaten zu finden“, sagte Fischer bei der Präsentation seiner „Wunschkandidatin“. Schließlich sei sie keine blutige Anfängerin, sondern habe die Heftigkeit der Flüchtlingswelle live mitbekommen – damals noch als ehrenamtliche Helferin. Die Bewerbung trudelte einen Tag vor Ablauf der Bewerbungsfrist bei ihm ein.

„Meine Mutter hat mir die Stellenanzeige weitergeleitet und meinte: ,Das ist doch was für dich.’ Ich habe mich dann sofort beworben“, erläuterte Lüpping grinsend. Die neue Mitarbeiterin des Diakonievereins Migration wuchs im Kreis Plön auf. In Flensburg absolvierte sie ein pädagogisches Studium, das sie im Juni erfolgreich abschloss. „Ich wollte natürlich arbeiten, hätte aber nicht gedacht, dass es so schnell geht“, sagte Lüpping. Während des Studiums unterrichtete die zertifizierte Daz-Lehrerin (Deutsch als Zweitsprache) bereits aushilfsweise an Schulen und war Lehrkraft an der Volkshochschule (VHS) Flensburg, wo sie auch als ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuerin half. „Mein Vater ist ehrenamtlich im Kirchenkreis Nord aktiv und meine Mutter in der Flüchtlingshilfe. Das hat mich wohl geprägt, auch ehrenamtliche tätig zu werden“, sagte Lüpping.

Seit 2014 ist sie ehrenamtliche in der Flüchtlingsbetreuung – seit gestern hauptberuflich. Während eines Auslandssemesters in Marokko lernte Lüpping zudem Arabisch. „Ich kann mich auf jeden Fall in der Sprache verständigen“, sagte die neue Mitarbeiterin, die sich selbst als offen für neue Kulturen, motiviert und aufgeschlossen beschrieb. „Ich will verschiedene Menschen mit verschiedenen Kulturen und Konfessionen kennenlernen, auf sie zugehen. Ich habe Lust, die erfolgreichen Projekte weiterzuführen und auszubauen und das bestehende Team zu unterstützen und zu entlasten.“

„Es wird sicherlich etwas Einarbeitungszeit kosten, aber ihre Energie und ihr Wille werden uns auch einen neuen Schub für unsere Arbeit geben“, sagte Treff. „Die Arbeit hat schon sehr auf unseren Schultern gelastet. Es ist schön, dass wir nun Unterstützung bekommen“, sagte Inak. „Wir haben die ersten Fortbildungen gebucht, damit alle auf einem einheitlichen Wissensstand sind“, so Fischer zu den ersten Aufgaben der neuen Mitarbeiterin.

Seit dem Jahr 2008 wurden 6696 Flüchtlinge auf die Gemeinden im Kreis Pinneberg verteilt. Wedel wurden 715 Geflüchtete zugewiesen. Der Höhepunkt der Flüchtlingswelle wurde Ende 2015 erreicht. Im November des Jahres wurden 644, im Dezember 692 Flüchtlinge im Kreis Pinneberg untergebracht. Im Jahr 2016 hat sich die Zahl der zugewiesenen Flüchtlinge von 3278 im Jahr 2015 auf 1454 mehr als halbiert. Im Jahr 2017 kamen bisher 156 Flüchtlinge in den Kreis, von denen 22 in Wedel leben. Aktuell laufen 2529 Asylverfahren im Kreisgebiet.

Die Aufgaben für Lüpping und das Team sind vielfältig: Migrationsberatung, Hilfe bei der Integration, offene Sprechstunden und viele Besuche in den Flüchtlingsunterkünften. Allerdings habe sich das Aufgabenspektrum deutlich verändert. „Unser ursprünglicher Auftrag war die Neuankömmlinge in Empfang zu nehmen. Das wurde zunächst vom Ehrenamt hervorragend geleistet und dann kam das Hauptamt dazu“, erläuterte Fischer. Die Erstversorgung, rechtliche Hilfestellungen und vor allem Sprachförderung waren die Hauptthemen auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle. „Erstversorgung ist Erstversorgung. Diese Arbeit ist vorbei. Jetzt geht es um Integration“, erläuterte Inak. Denn die Situation der Flüchtlinge sei weiterhin problematisch. „Viele leben in prekären Verhältnissen, auch wenn sie eine Wohnung haben und keinen Hunger leiden müssen. Es ist für viele ein Problem, ihren Lebensunterhalt nicht aus eigener Kraft bestreiten zu können. Dadurch entstehen Probleme“, erläuterte Fischer. Es gebe keine passenden Arbeitsplätze für die Flüchtlinge. Oft seien nur Jobs im Niedriglohnsegment möglich. „Viele Erwachsene sind gezwungen, nichts zu tun. Es fehlt ihnen eine Perspektive“, sagte Treff. Daher sei es eine der Hauptaufgaben der Integrationsarbeit, diese Perspektiven zu schaffen. „Es entsteht Frust, weil der Familiennachzug nicht möglich ist und es keine echte Zukunftsperspektive gibt“, erläuterte Fischer.

Experten sehen in der Perspektivlosigkeit eine Gefahr zur Radikalisierung. „Wenn Menschen eine Perspektive bekommen, ist es das beste Mittel dagegen“, sagte Fischer. „Wir haben das sehr genau im Blick“, erläuterte Inak. Bestehe der Verdacht einer Radikalisierung werde das Gespräch gesucht. „Wir laden uns dann zu einem Tee ein. Bisher hatten wir nichts, was wir nicht mit einem Gespräch lösen konnten. Dann sind diejenigen wieder aufgewacht“, sagte Treff. „Wir sind bei dem Thema sehr wachsam“, ergänzte Inak. „Daher ist Integration so wichtig. Das passiert aber nicht über Wochen, sondern dauert Jahre“, so Treff. Dafür wurde nun auch das Team in Wedel verstärkt, um noch intensiver mit den Geflüchteten zu arbeiten.

Der Diakonieverein Migration bietet in der Gärtnerstraße 5 drei offene Sprechstunden an. Die neue Flüchtlingsbetreuerin Sandra Lüpping, Telefon 0173-6513890, ist dienstags von 9 bis 12Uhr vor Ort. Manuela Treff, Telefon 0174-4156698, ist mittwochs von 14 bis 17 Uhr und  Hüseyin Inak, Telefon 0176-48517396, donnerstags von 14 bis 17 Uhr anzutreffen. Außerhalb der offenen Sprechstunden können telefonisch individuelle Termine vereinbart werden.
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