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Hafenausbau – nein danke! : Die Bürger sind gegen die Ausbaupläne

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

20 Anlieger protestieren gegen CDU-Investitionspläne. Der Tourismus wird als Belastung angesehen.

Haseldorf | Hafenausbau – nein danke! Unter diesem Motto stand die jüngste Sitzung des Haseldorfer Gemeinderats am Dienstagabend im Haseldorfer Hof. 20 Bürger waren gekommen, um während der Einwohnerfragestunde Front zu machen gegen Bürgermeister Uwe Schölermann (CDU) und dessen Visionen zur Attraktivitätssteigerung des kleinen Hafens.

Während die Vereidigung von Wehrführer Ingo Wittke auf weitere sechs Jahre zum Ehrenbeamten in gewohnter Harmonie verlief, zeigte die Fragestunde einmal mehr die Kluft zwischen Politik und Anliegern der Straße Achtern Dörp, dem engen und verwinkelten Zubringer zum Hafen. „Wir haben vom Plan gehört, verstehen können wir nicht, warum wir nicht einbezogen wurden“, sagte Hendrik Schlittke. Der Hafen sei schon jetzt rappelvoll, der Deich werde von Privatfahrzeugen befahren. Die Gesamtbelastung durch Besucher sei schon jetzt sehr hoch. „Wir sind Opfer der Tourismuspolitik“, wetterte Schlittke.

Tourismus-Frontfrau Annegret Hamster plädierte ebenfalls dafür, den Hafen als „schönen Elbehafen“ zu belassen. Seit 1984 ist die Haseldorferin Gästeführerin, hat Tausenden die Schönheiten der Haseldorfer Marsch als deren Botschafterin nahe gebracht. Tourismus sei in Haseldorf schon jetzt ein Selbstläufer: „Ich wüsste kein Dorf, in dem mehr angeboten wird und zwar das ganze Jahr über.“ Kritisch ist Hamster inbesondere bezüglich der Wohnmobil-Platz-Planung. „Sollen die in den Modder gucken?“, fragte sie. Da der Hafen tideabhängig sei, werde es bei einer Schwimmerlaubnis zu Problemen kommen. „Die springen dann ins Wasser und landen im Modder“, warnte die Haseldorferin. Durch den jährlich stattfindenden Motorrad-Gottesdienst (Mogo), sei der Hafen auch in dieser Szene bekannt. Bereits jetzt kämen 20 bis 30 Motorradfahrer. Hamster plädierte dafür, nur ein paar Bänke aufzustellen: „Mehr brauchen wir nicht.“

Klar Kante fuhr auch Dieter Sellmann, Vize-Chef des Wassersportclubs Haseldorf (WSCHa). Der Verein habe bereits 2015 „extreme“ Einwände geltend gemacht. Die Wassersportler wünschen sich nur neue Dalben und eine sichere Kaimauer. „Alles andere brauchen wir nicht“, betonte Sellmann. Ein weiterer Besucher wollte wissen, ob die Investitionen mit dem Naturschutzbund abgestimmt seien, immerhin handele es sich bei der Region um ein hochwertiges Naturschutzgebiet.

Auch Anja Göbel will von den Plänen nichts wissen. „Wir können die Natur nicht mehr genießen“, sagte sie. Der Andrang durch Touristen sei enorm, an Wochenenden blieben die Haseldorfer deshalb in ihren Häusern. Bürgermeister Schölermann teilte mit, dass die Kaimauer auf ihre Verkehrssicherheit untersucht werde. Zum Thema Tourismus fügte er an, dass sich Haseldorf vor zehn Jahren mit der Einrichtung des Elbmarschenhauses entschieden habe, und zwar für sanften Tourismus. Für die Hafen-Pläne wurden 350.000 Euro angesetzt, Zuschüsse in Höhe von 190.000 Euro aus den Töpfen der Aktivregion und die Metropolregien seien bereits zugesagt. Entschieden aber sei nichts. Die Bürger und Wassersportler sollen in die Planung eingebunden werden. Dazu gebe es im April eine Einwohnerversammlung, der Termin aber stehe noch nicht fest. „Im Sommer werden wir dann den finalen Beschluss haben“, sagte Schölermann zum Zeitplan. Auf die Frage von Frank Schoppa, warum nicht erst mit der Bevölkerung gesprochen wurde, antwortete Schölermann: „Wenn wir vorab mit den Bürgern sprechen, suggerieren wir was.“

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erstellt am 17.Mär.2016 | 12:15 Uhr

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