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Willkomm Höft an der Elbe : Die Brücke ist auch an Weihnachten besetzt

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Die großen Pötten liegen Weihnachten meist im Hafen. Die Begrüßungskapitäne rechnen mit fünf bis zehn Schiffen.

Wedel | Diese Frage muss einmal gestellt werden: Bekommen die Seeleute der großen Pötte am 24. und 25. Dezember ein Weihnachtslied vom Willkomm Höft rübergeschmettert? Eckart Bolte muss es wissen, denn er ist der dienstälteste Begrüßungskapitän, der auf der Brücke im Schulauer Fährhaus Wache schiebt. Leider gibt der besonnene Mann, der trotz der Ablenkung durch die Frage alle seine Instrumente konzentriert im Blick behält, eine ernüchternde Antwort: „Nein, das dürfen wir nicht“, sagt er durchaus mit Bedauern.

Als die Schiffsbegrüßungsanlage 1952 vom Bundesverkehrsministerium genehmigt wurde, war das mit strengen Regularien verbunden. „Um die Besatzung vor zu viel Getöse zu schützen“, erklärt Bolte. Und natürlich die Anlieger. „Moment, ich drück mal eben auf den Knopf hier“, unterbricht der Begrüßungskapitän das Gespräch. Ein veritables Schiff hat sich bereits ins Blickfeld geschoben. Es erklingt der Fanfarenstoß aus dem Fliegenden Holländer. Dann eine kurze Sequenz aus dem Hammonia-Lied, Hamburgs Hymne.

Ein alter Kollege habe früher an Heiligabend gelegentlich für die deutschen auslaufenden Schiffe einfach „O Tannenbaum“ eingespielt, nimmt Bolte das Thema wieder auf und lacht. „Das kam bei den Schiffsbesatzungen sehr gut an.“ Außerdem stand ein großer leuchtender Weihnachtsbaum für die Seeleute gut sichtbar am Fahnenmast vor dem Anleger. Aber der ist quasi abgesoffen. In einem Sturmflut-Jahr verkeilte sich die Tanne dermaßen in ihrer Verankerung, dass sie erst im Februar abtransportiert werden konnte. „Die sah entsprechend ruppig aus.“

Vom Computer geht Bolte rüber zur Karteikartenbox und zieht aus den 17.000 Exemplaren die für die kommenden Schiffe heraus. Währenddessen wünscht Hamburg den Seeleuten draußen auf deutsch und auf englisch eine gute Reise, und die Nationalhymne von Antigua und Babuda setzt ein.

Nur an fünf Sonntagen wird im Hamburger Hafen nicht gearbeitet, erklärt der Begrüßungskapitän: Neujahr, Ostersonntag, am 1. Mai, Pfingstsonntag und am ersten Weihnachtstag. Deswegen sei der 25. ein ruhiger Tag. Schon ab dem 24. nachmittags nimmt der Verkehr auf der Elbe sichtbar ab. Wo im Sommer durchschnittlich 40, im Winter 15 bis 20 und in Spitzenzeiten, beim Hamburger Hafengeburtstag etwa, bis zu 70 Pötte begrüßt werden, rechnet Bolte am ersten Weihnachtsfeiertag mit fünf bis zehn Schiffen, die das Willkomm Höft passieren. „Drinnen haben wir das Haus voll und draußen warten wir auf Schiffe.“

Von der Karteikarte zum Frachter

Bolte greift zum Mikro. Über das gibt es jetzt Daten von der Karteikarte zum Frachter, der langsam wieder aus dem Sichtfeld verschwindet. Name, Werft, Reederei, Indienststellung, Tragfähigkeit, Länge, Breite, Tiefgang und Knoten. Ein Service für die Fährhausbesucher. Die Brückenlautsprecher dürfen ja nur anspringen, wenn das Schiff schwerer als 1000 Tonnen ist – wegen der Nachbarn.

Einmal hätten sie allerdings eine Ausnahme gemacht, verrät der Uetersener, der 2001 über eine Annonce zur Begrüßungscrew dazustieß. Ein alter Kapitän kam nach mehr als 30 Dienstjahren auf seiner letzten Fahrt am Willkomm Höft vorbei und bekam eine persönliche Ansprache. Der habe sich so gefreut, dass er sich postwendend telefonisch bedankte. Und 400 Lotsen habe er einmal öffentlich und spontan auf Englisch begrüßt, fällt Bolte jetzt wieder ein. Die Begrüßungsanlage wurde 1952 mit Unterstützung der Lotsenbrüderschaft Hansea in Wedel installiert. Initiiert und durchgesetzt übrigens von Otto Friedrich Behnke. Angeblich, weil der als kleiner Junge so oft vergeblich den Schiffen zuwinkte und von den Seeleuten keine Erwiderung bekam. Bolte ist kein Kapitän mit Patent. Er betrieb eine Zinngießerei für Schiffsmodelle. „Das hier ist der schönste Job der Welt“, bekennt er begeistert. „Weil ich hier mit Schiffen und netten Gästen zu tun habe.“  

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erstellt am 23.Dez.2016 | 16:00 Uhr

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