Schulauer Hafen : Diagnose: Chronische Verschlickung

Wedel und die MS „Akke“ sind mittlerweile alte Bekannte: Zuletzt war der Spülbagger 2017 im Schuler Hafen (Foto). Seit gestern soll er erneut das neue Becken von Sedimenteintrag befreien. .
Wedel und die MS „Akke“ sind mittlerweile alte Bekannte: Zuletzt war der Spülbagger 2017 im Schuler Hafen (Foto). Seit gestern soll er erneut das neue Becken von Sedimenteintrag befreien. .

Der Schulauer Hafen und der Anleger Willkomm Höft müssen erneut von Schlick befreit werden. Trotzdem sagt die Stadt: Die Mole zum Schutz des Hafens zeige Wirkung.

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21. Februar 2018, 15:00 Uhr

Wedel | Im vergangenen Jahr war es noch eine zähneknirschende Prognose, jetzt ist man weit mehr an der Tatsache als an einer Möglichkeit: Wedels Schlickproblem zeigt sich zunehmend als chronisches Leiden. Man werde wohl künftig jährlich ausbaggern müssen, hieß es 2017, als das neue Hafenbecken wie ein Jahr zuvor wieder auf Tiefe gebracht werden musste. Jetzt, 2018, fährt das Spülbaggerschiff „Akke“ erneut im Schulauer Hafen, voraussichtlich bis morgen. Dann sollen rund 20 000 Kubikmeter Sediment in die Elbe zurückgespült worden sein, besagt eine Pressemitteilung der Stadt. Im vergangenen Jahr ging die Verwaltung von 15 000 Kubikmeter aus. 2016 waren es gar 25 000 Kubikmeter, was jedoch laut Verwaltung noch aus den Bautätigkeiten im Becken und am Hafenrand resultierte. Bürgermeister Niels Schmidt machte gestern auf Anfrage deutlich, dass er es mittlerweile als gegeben ansieht, dass die Unterhaltungsbaggerung ein laufender Posten im städtischen Etat geworden ist. „Kaufmännische Vorsicht“ gebiete es, dass auch für 2019 erneut die Unterhaltung des Hafens im Haushalt berücksichtigt werde, sagte Schmidt.

Ein bis zwei Trostpflaster gibt es: Durch Koordination mit den jährlichen Baggerarbeiten gleich nebenan im Hamburger Yachthafen kann die Stadt laut Schmidt Kosten sparen. Zudem hoffe die Stadt, von dem Schlickfonds zu profitieren, der im Zuge der geplanten Elbvertiefung für Unterelbe-Häfen Geld für Unterhaltungsmaßnahmen ausschütten soll. Wann und wie viel Geld da fließen wird, sei allerdings noch offen.

Angesichts laufender Verhandlungen mit einem potenziellen Hafenbetreiber stellt sich die Frage, wie Wedel mit diesem Makel der neuen maritimen Perle umgeht. Dazu Schmidt: „Wir gehen davon aus, dass wir das wohl kaum dem künftigen Betreiber werden aufbürden können.“

Fakt sei laut Schmidt, dass das Sedimentproblem überall in der Elbe in den vergangenen Jahren zugenommen habe. Und dass die Quermole „durchaus hilfreich“ sei: „Sonst hätten wir mehr Verschlickung im Hafen“, so der Verwaltungschef. Aussage der Planer sei gewesen, dass die Mole geeignet sei, den Sedimenteintrag zu reduzieren. „Und danach sieht es auch aus“, so Schmidt. Aus seiner Fachabteilung heißt es, der Eintrag habe sich um ein Drittel gegenüber der Zeit vor dem Quermolenbau reduziert.
 

Die letzte öffentlich kommunizierten Zahlen belegen dies allerdings nicht: 2008 hatte Wedel nach langem Vorlauf den alten Hafen nochmal auf Tiefe gebracht. 25 000 Kubikmeter Sediment waren seinerzeit aus dem Becken geschafft worden. Ende 2009 musste die Stadt dann erneut eine starke Sedimentablagerung feststellen. Laut Untersuchungsergebnissen waren binnen eineinhalb Jahren 15 000 Kubikmeter wieder auf dem Beckengrund zurück. So viel wie von Anfang 2016 bis Anfang 2017 in den Hafen gespült wurde. Aktuell will Wedel Peilstände vor der Ausbaggerung und nachher vergleichen, um den erhofften Effekt der neuen Mole besser beziffern zu können.

Bereits zum vierten Mal im Jahresturnus wird voraussichtlich in der Woche vom 12. bis 16 März auch der Ponton am Willkomm Höft eingeschleppt, um den Schlick unterhalb des Anlegers wegzuspülen. Eine Maßnahme, die den Betonschwimmkörper vor möglicher Rissbildung durch Aufsetzen auf dem Grund bei Ebbe schützen soll. Die Hoffnungen der Planer, dass sich der Ponton durch die Strömung selbst freispült, hat sich wie berichtet nicht bestätigt. Mutmaßungen, dies liege an den Buhnen rechts und links des Anlegers, die die Strömung zu stark reduzieren, oder am Schiffsbetrieb durch die täglich am Ponton verkehrende Lühe-Schulau-Fähre, konnten bislang nicht verifiziert werden. Zu den Ursachen gebe es keine neuen Erkenntnisse, sagte Schmidt.

Das Einschleppen des Pontons und damit die Betriebspause geht laut Stadt mit einem geplanten Werftaufenthalt der Fähre einher. Die Stadt nutzt die Zeit zudem, um die Gleitschuhe am Aufsetzpunkt der Fußgängerbrücke zum Anleger durch breite Rollen zu ersetzen. Die bisherige Lösung habe sich nicht bewährt, heißt es aus dem Rathaus. Wie im Vorjahr liegt die kalkulierte Gesamtsumme für die Entschlickungsmaßnahmen bei 45 000 bis 50 000 Euro.

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